Salzburger Festspiele trennen sich von Intendant Markus Hinterhäuser nach Führungsstil-Kritik
Salzburger Festspiele: Intendant Hinterhäuser muss gehen

Salzburger Festspiele beenden Ära von Intendant Markus Hinterhäuser

Die weltberühmten Salzburger Festspiele haben sich mit sofortiger Wirkung von ihrem langjährigen Intendanten Markus Hinterhäuser (67) getrennt. Das teilte die Festspielleitung am Donnerstag in einer offiziellen Mitteilung mit. Hinterhäuser, der seit fast einem Jahrzehnt die künstlerische Leitung innehatte, verlässt die renommierte Kulturinstitution gegen seinen Willen.

Unüberbrückbare Differenzen führen zur Trennung

Als offizieller Grund für die überraschende Trennung werden „unüberbrückbare Auffassungsunterschiede und Differenzen“ zwischen Hinterhäuser und dem Kuratorium des Salzburger Festspielfonds genannt. Die Entscheidung sei das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen den Rechtsvertretern beider Seiten. Man einigte sich darauf, Hinterhäuser bis zum ursprünglichen Vertragsende am 30. September 2026 zu beurlauben.

Die Eskalation hatte sich bereits seit Monaten angebahnt. Zuletzt war immer wieder von einer sogenannten „Wohlverhaltensklausel“ in Hinterhäusers geplantem Anschlussvertrag die Rede, der ab Oktober 2026 hätte gelten sollen. Diese Klausel sollte eigentlich Selbstverständliches regeln: einen respektvollen und loyalen Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern.

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Vorwürfe des problematischen Führungsstils

Im Hintergrund der Vertragsstreitigkeiten stehen jedoch schwerwiegende Vorwürfe gegen Hinterhäusers Führungsstil. Mehrere ehemalige Mitarbeiter schildern in Medienberichten ein Angstklima im Festspielhaus. Eine Ex-Angestellte beschrieb seine Verbalattacken als gewalttätig wirkend und sprach von einem klaren Täter-Opfer-Verhältnis.

Marina Davydova, die im November 2024 als Schauspielchefin entlassen wurde, sagte über Hinterhäuser: „Mit Frauen tut er sich besonders schwer.“ Sie schilderte einen Streit, bei dem er sie angeschrien habe: „Was grinst du mich so verächtlich an?“ und „du respektierst mich nicht!“

Künstler solidarisieren sich – Politik kritisiert

Dem gegenüber stand die Unterstützung zahlreicher prominenter Künstler. Im Februar hatten sich Größen wie der Regisseur Michael Haneke (84), der Schriftsteller Peter Handke (83) und die österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (79) in einem offenen Brief hinter Hinterhäuser gestellt. Sie forderten das Kuratorium auf, „von jeder Einmischung in künstlerische Fragen Abstand zu nehmen“.

Die Politik positionierte sich hingegen klar gegen den Intendanten. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (44, ÖVP) und Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (52, SPÖ) warfen Hinterhäuser öffentlich Vertrauensbruch vor. Dieser wies die Vorwürfe zurück und verwies auf seine Rechte als Intendant.

Auslöser der Eskalation und aktuelle Situation

Der unmittelbare Auslöser für die jüngste Eskalation war die Besetzung einer neuen Schauspielleitung. Hinterhäuser hatte öffentlich die ehemalige Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann (73) favorisiert, ohne dass sich diese offiziell beworben hatte. Das Kuratorium fühlte sich dadurch übergangen.

Gegenüber Medien räumte Hinterhäuser zwar ein: „Ich bin ein impulsiver Mensch. Das bestreite ich gar nicht“, betonte aber gleichzeitig: „Es ist nicht so, dass ich wie ein Berserker durch das Festspielhaus gelaufen bin.“ Die Mitarbeiter-Behauptungen bezeichnete er als „die üblichen Unterstellungen“.

Nun steht das Festspielhaus dreieinhalb Monate vor Beginn der nächsten Spielzeit ohne künstlerische Leitung da. Präsidentin Kristina Hammer (57) und der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz (45) übernehmen zunächst die Geschäfte. Parallel laufen bereits Gespräche über Übergangslösungen und die Neuausschreibung der Intendanz.

Das Kuratorium ist der Ansicht, dass Hinterhäusers Vertrag ab Oktober 2026 nicht wirksam geworden sei, während der Intendant dies anders sieht. Die Salzburger Festspiele, eine der prestigeträchtigsten Kulturveranstaltungen im deutschsprachigen Raum, stehen damit vor einer tiefgreifenden Zäsur und ungewissen Zukunft.

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