40 Jahre Emder Kunsthalle: Steinmeier würdigt Nannen-Werk
40 Jahre Emder Kunsthalle: Steinmeier würdigt Nannen

Die Emder Kunsthalle feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte bei einem Festakt das visionäre Engagement des Gründerpaars Henri und Eske Nannen. Das Museum in der ostfriesischen Seehafenstadt gilt als kultureller Leuchtturm der Region und weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannt.

Steinmeier: Außergewöhnliche Sammlungsqualität

Vor rund 500 Gästen zeigte sich Steinmeier tief beeindruckt von der Qualität der Sammlung. „Jeder, der sich hier von Bild zu Bild leiten lässt, wird beeindruckt sein von der außerordentlichen, wirklich außerordentlichen Qualität dieser Sammlung“, sagte er. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und Kunsthallen-Gründerin Eske Nannen besuchte er die Jubiläumsausstellung „Bilder, die wir lieben“.

Henri Nannens Vision: Kunst für die Region

In seiner Festrede erinnerte Steinmeier daran, wie der frühere „Stern“-Gründer Henri Nannen 1986 gemeinsam mit seiner späteren Frau Eske ein Museum für seine Kunstsammlung in seiner Heimatstadt eröffnete. „Henri Nannen hat in seiner Jugend selbst erfahren, wie es ist, wenn man in einer ländlichen Region aufwächst und sich nach Kunst sehnt“, so Steinmeier. „Kunst gehört auch in die Regionen außerhalb der Metropolen – das war seine tiefe Überzeugung.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Das „Haus für Henris Bilder“ öffnete am 3. Oktober 1986 mit einer Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Seither entwickelte es sich zu einem der renommiertesten Kunstmuseen Norddeutschlands. Heute gehören auch eine kreative Museumspädagogik und eine Malschule zum Angebot. Mehr als 2,5 Millionen Gäste besuchten rund 180 Sonderausstellungen in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Eske Nannens unermüdlicher Einsatz

Henri Nannen starb zehn Jahre nach der Eröffnung. Eske Nannen führte die Kunsthalle weiter und trieb mehrere Erweiterungen voran. Der Bundespräsident würdigte ihren Einsatz: „Eske Nannen hat sich mit bewundernswerter, unerschöpflicher Energie, mit Herz und Verstand für die Sammlung, für Ausstellungen, für die bessere Zugänglichkeit und die notwendige Erweiterung engagiert. Ohne sie wäre das Haus nicht der große Erfolg, der es ist.“

Aus dem kleinen Haus, das zunächst nur die Sammlung Henri Nannens zeigte, wurde ein Museum, das 1999 die Schenkung des Galeristen Otto van de Loo aufnahm. Seine Sammlung mit Schwerpunkt auf deutschem Expressionismus nach 1945 ergänzte die Nannen-Sammlung der klassischen Moderne und zeitgenössischen Kunst.

Jubiläumsausstellung „Bilder, die wir lieben“

Die gesamte Bandbreite der inzwischen rund 1.700 Werke umfassenden Sammlung ist in der Jubiläumsausstellung zu sehen. Der Titel lehnt sich an Henri Nannens Schau „Bilder, die ich liebe“ von 1988 an. Aus dem „ich“ wurde ein „wir“ – sinnbildlich für alle, die sein Werk fortführen. Gezeigt werden 200 bedeutende Werke und Leihgaben, darunter Arbeiten von Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker, Max Beckmann und Franz Marcs „Die Blauen Fohlen“ – Nannens Lieblingsbild. Die Bilder hängen vor blauer Wandfarbe, die Nannen einst in den USA entdeckte und nach Emden brachte. Die Kunsthalle ließ sie für die Schau extra nachmischen.

Die Ausstellung erzählt auch, wie Henri Nannen seine Leidenschaft für Kunst entdeckte: In den 1920er Jahren sammelte er mit seiner Jugendliebe Cilly Windmüller Sammelbilder von Schokoladen- oder Zigarettenfirmen – statt Tiermotiven alte und neue Meister im Postkartenformat.

Nächste Erweiterung geplant

Ministerpräsident Olaf Lies gratulierte und nannte die Kunsthalle ein „internationales Aushängeschild“ Niedersachsens. „Was hier über 40 Jahre entstanden ist, an Kunst und einer Sammlung von internationalem Rang, das ist etwas ganz Besonderes. Darauf sind wir in Niedersachsen besonders stolz.“

Eske Nannen dankte den Unterstützern und dem Team der Kunsthalle und kündigte die nächste Weiterentwicklung an: „Jetzt steht der fünfte Bauabschnitt an.“ In den kommenden Jahren soll das Museum baulich und energetisch modernisiert werden. Der Bund hat dafür eine Förderung von 30 Millionen Euro zugesichert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration