Bronzedenkmal für einen bedeutenden Landesrabbiner
Die Stadt Schwerin wird dem ehemaligen Landesrabbiner William Wolff (1927-2020) ein bleibendes Denkmal setzen. Die Bildhauerin Anna Martha Napp aus Lübow bei Wismar hat den prestigeträchtigen Auftrag für die Schaffung einer Bronzeskulptur erhalten, die den beliebten Geistlichen würdigen soll. Eine Fachjury wählte ihren Entwurf aus insgesamt zehn eingereichten Vorschlägen aus, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch offiziell mitteilte.
Ein sichtbares Zeichen für Weltoffenheit
Das Kunstwerk soll anlässlich des 100. Geburtstages von William Wolff im kommenden Jahr auf dem historischen Schlachtermarkt in Schwerin aufgestellt werden. Die etwa 1,60 Meter große Bronzefigur wird damit ein sichtbares Symbol für ein friedliches Miteinander und ein weltoffenes Stadtbild darstellen. Der ausgewählte Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe zur letzten Wirkungsstätte des Rabbiners, dem Sitz der Jüdischen Gemeinde und dem Standort der Synagoge in Schwerin.
Die Idee für diese besondere Ehrung entstand bereits vor knapp drei Jahren innerhalb der Stadtgesellschaft und wurde an das städtische Sachverständigengremium für Kunst im öffentlichen Raum herangetragen. Daraufhin initiierte die Stadtverwaltung einen künstlerischen Wettbewerb, um den besten Entwurf für das Denkmal zu finden.
Authentische Darstellung überzeugt die Jury
Schwerins Kulturdezernent Silvio Horn, der selbst Mitglied der zwölfköpfigen Jury war, begründete die Entscheidung für Napps Entwurf mit dessen besonderer Authentizität. „Die Bildhauerin hat die anspruchsvolle Aufgabe, den Landesrabbiner lebensgroß, authentisch und in seiner unverwechselbaren Erscheinung darzustellen, am überzeugendsten umgesetzt“, erklärte Horn. Die Skulptur zeigt William Wolff in seiner charakteristischen Körperhaltung, die vielen Schwerinerinnen und Schwerinern noch gut in Erinnerung sein dürfte.
Durch ihre gezielte Bewegungs- und Blickrichtung wird die Plastik bewusst auf die nahegelegene Landesrabbiner-Holdheim-Straße und die Synagoge ausgerichtet sein. Die detaillierte Kleidung identifiziert die Figur als Rabbiner während der Predigt an hohen Festtagen und damit als bedeutenden Repräsentanten der jüdischen Kultur in Mecklenburg-Vorpommern.
Biografische Details in der Skulptur verewigt
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die feinen Details des Kunstwerks: Sowohl auf dem Sockel als auch auf einem Buch in der Jackentasche des Rabbiners finden sich informative Inschriften. Diese geben in lateinischen und hebräischen Buchstaben Auskunft über Amtsbezeichnung und Namen, während arabische Zahlen die Lebensdaten des Geehrten dokumentieren.
Die bewegte Biografie von William Wolff spiegelt deutsche Zeitgeschichte wider: 1927 in Berlin geboren, floh er im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten zunächst in die Niederlande und später nach Großbritannien. Dort arbeitete er viele Jahre als erfolgreicher Journalist für renommierte Zeitungen wie den „Daily Mirror“, bevor er sich 1979 im Alter von 52 Jahren für eine geistliche Laufbahn entschied und in England zum Rabbi ordiniert wurde.
Im bemerkenswerten Pensionärsalter von 75 Jahren übernahm Wolff schließlich im Frühjahr 2002 das ihm angetragene Amt des Landesrabbiners von Mecklenburg-Vorpommern. Seine bescheidene Art und sein unermüdlicher Einsatz für den interreligiösen Dialog machten ihn zu einer überaus beliebten und respektierten Persönlichkeit in der Landeshauptstadt.
Die Realisierung des Denkmalprojekts soll im ersten Quartal des Jahres 2027 abgeschlossen sein und wird maßgeblich durch Spenden finanziert. Damit erhält Schwerin nicht nur ein künstlerisch anspruchsvolles Werk, sondern auch ein bleibendes Erinnerungszeichen an einen Mann, der sich in besonderer Weise für Toleranz und Verständigung zwischen den Religionen eingesetzt hat.



