Dresdner Philharmonie-Intendantin will von Ehrenamtlern Geld: Chor soll zahlen
Dresdner Philharmonie: Chor soll zahlen - trotz Millionenbudget

Kulturpalast im Aufruhr: Philharmonie will von Ehrenamtlern Geld

Ein unerwarteter Vorstoß sorgt in der Dresdner Kulturszene für erhebliche Unruhe. Intendantin Frauke Roth (58) hat dem Philharmonischen Chor der Dresdner Philharmonie eine brisante Neuerung verkündet: Ab dem Jahr 2027 sollen die rund 70 Chormitglieder für ihre Mitwirkung bezahlen.

Konkrete Pläne und Reaktionen

Nach aktuellen Informationen sollen ab 2027 monatlich 25 Euro fällig werden, ab 2028 sogar 35 Euro. Die Alternative wäre laut Roth das Aus für den traditionsreichen Chor. Die Ankündigung traf die Sängerinnen und Sänger völlig unvorbereitet, da sie während einer regulären Chorprobe erfolgte.

Besonders pikant: Der Philharmonische Chor ist kein externes Ensemble, sondern fester Bestandteil der städtischen Dresdner Philharmonie. Die Mitglieder arbeiten seit über fünf Jahrzehnten ehrenamtlich und erhalten keinerlei Vergütung für ihre künstlerische Tätigkeit.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Hintergründe der Entscheidung

Aus dem Umfeld des Chores heißt es, die geplante Beitragspflicht werde mit der angespannten Finanzlage der Stadt Dresden begründet. Zudem sei darauf verwiesen worden, dass die Möglichkeit, im renommierten Kulturpalast auftreten zu dürfen, ein besonderes Privileg darstelle.

Doch diese Argumentation stößt auf Skepsis: Die Dresdner Philharmonie ist ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt und verfügt im Doppelhaushalt 2025/2026 über jeweils rund 28 Millionen Euro pro Jahr. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus städtischen Mitteln, ergänzt durch Einnahmen aus Ticketverkäufen und Drittmitteln.

Politische Dimension und Kontroversen

Fest steht, dass eine solche strukturelle Änderung nicht allein von der Intendanz beschlossen werden kann. Als städtischer Eigenbetrieb unterliegt die Philharmonie der Kontrolle des Dresdner Stadtrates, der einen entsprechenden Beschluss fassen müsste.

Die Philharmonie selbst hält sich bislang bedeckt. Eine Sprecherin erklärte: „Es handelt sich bisher um einen rein internen Vorgang, der noch am Anfang steht. An seinem Ende müsste in jedem Fall auch ein Stadtratsbeschluss stehen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt äußern wir uns deshalb dazu nicht.“

Die Rolle der Intendantin

Die Debatte gewinnt zusätzliche Brisanz durch frühere Kontroversen um Intendantin Frauke Roth selbst. Bei der Verlängerung ihres Vertrags bis 2031 im Sommer 2025 war ursprünglich eine deutliche Gehaltserhöhung von etwa 180.000 Euro auf bis zu 260.000 Euro vorgesehen.

In einer Phase, in der Dresden bereits über Sparauflagen diskutierte, sorgte dieser Plan für erhebliche Kritik im Stadtrat. Daraufhin verzichtete Roth schließlich auf den zweiten Erhöhungsschritt, bleibt aber mit ihrem aktuellen Jahresgehalt von rund 200.000 Euro eine der bestbezahlten Kulturmanagerinnen der Stadt.

Die Situation des Chores

Der Philharmonische Chor besteht seit über 50 Jahren und hat sich durch zahlreiche Auftritte, Rundfunkmitschnitte und CD-Aufnahmen einen exzellenten Ruf erarbeitet. Die Mitglieder:

  • Proben wöchentlich unter professioneller Anleitung
  • Erhalten regelmäßige Stimmbildung
  • Tragen bereits jetzt persönliche Kosten für ihre künstlerische Tätigkeit
  • Werden durch einen gemeinnützigen Förderverein bei besonderen Projekten unterstützt

Die geplante Beitragspflicht würde die ehrenamtliche Arbeit der Sängerinnen und Sänger grundlegend verändern und wirft Fragen zur Wertschätzung bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich auf.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration