Kritik: Mehr als ein Aufblitzen – Das eindringliche Bachmann-Porträt beim Dok.Fest
Das Dok.Fest München hat seine diesjährige Ausgabe mit einem besonderen Film eröffnet: „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“. Der Hybridfilm, der dokumentarische und fiktionale Elemente vereint, porträtiert die berühmte österreichische Dichterin auf eindringliche Weise. Regisseurin Margarethe von Trotta, bekannt für einfühlsame Biografien, legt einen Film vor, der weit über ein bloßes Aufblitzen von Bachmanns Leben hinausgeht.
Ein gelungener Hybridfilm
Der Film erzählt von Bachmanns Zeit in Rom, wo sie nach dem Ende einer schwierigen Beziehung mit Max Frisch ein neues Leben beginnt. Sandra Hüller spielt die Rolle der Dichterin mit einer Intensität, die das Publikum in den Bann zieht. Die Mischung aus Archivmaterial, nachgestellten Szenen und poetischen Bildern schafft eine dichte Atmosphäre, die Bachmanns Innenwelt erlebbar macht. Besonders beeindruckend ist die Darstellung ihres Kampfes um künstlerische Unabhängigkeit und ihre Suche nach einer eigenen Sprache.
Ein Porträt jenseits der Klischees
Von Trotta vermeidet es, Bachmann auf ihre Beziehungen zu reduzieren. Stattdessen zeigt sie die Dichterin als eigenständige Künstlerin, deren Werk und Leben untrennbar miteinander verbunden sind. Der Film beleuchtet ihre literarischen Erfolge, aber auch ihre Zweifel und Verletzlichkeit. Dabei bleibt er stets respektvoll und einfühlsam, ohne in Sentimentalität zu verfallen. Die Zuschauer erleben Bachmann nicht als tragische Figur, sondern als starke, komplexe Persönlichkeit.
Fazit
„Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ ist ein gelungener Auftakt für das Dok.Fest München. Der Film überzeugt durch seine künstlerische Gestaltung und die herausragende schauspielerische Leistung von Sandra Hüller. Er ist mehr als ein biografischer Abriss – er ist ein einfühlsames Porträt einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Für alle, die sich für Literatur, Kunst und starke Frauenschicksale interessieren, ist dieser Film ein Muss.



