Galeriemeile Güstrow will die Marke schärfen - und vielleicht ins Rathaus
Güstrow • Lesedauer: 5 min
Der Dom, Güstrow und Barlach, Uwe Johnson und Güstrow – eine gewisse Kunstsinnigkeit liegt hier offenbar in der Luft. Sogar in einer Wäscherei besteht seit 2015 die Galerie „Kunst am alten Hafen“. Aus ihr wuchs später die städtische Galeriemeile weiter in die Hageböcker Straße mit der Eröffnung der Galerie 21 und weiteren Ateliers. Mittlerweile haben sich mehr als zehn Ateliers, Galeristen, Werkstätten und Künstler zur Galeriemeile Güstrow zusammengeschlossen – auch dank finanzieller Unterstützung der Stadt.
Ringen um Meinungen und eine gemeinsame Perspektive
Menschen im Kulturbereich wird nachgesagt, besonders empfindsam und zugleich ziemlich charakterstark zu sein. Und so ist es auch mit den verschiedenen Individuen der Galeriemeile. „Das ist mitunter ein ganz schönes Ringen, jeder hat so seine Meinung“, sagt Michael Trost, Geschäftsführer der Textilreinigung, zugleich Organisator der „Kunst am alten Hafen“ sowie Mitglied der Galeriemeile.
Um all die Verschiedenheiten besser unter einen Hut zu bringen und damit die Galeriemeile als eine einheitliche Marke zu stärken, hat Andreas Wittenburg beim jüngsten Treffen der Galeristen die Initiative ergriffen. „Es genügt meiner Meinung nach nicht, dass jeder für sich geöffnet hat und wir dazu einmal jährlich einen Tag der Galeriemeile organisieren. Das lebt zu wenig, wir brauchen eine Perspektive“, denkt der Betreiber der Galerie „Kunst am Dom“. Und brachte mehrere Ideen ein:
- Eigene Internetpräsenz: „Zum einen sollten wir selbst – mit Unterstützung der Stadt – eine eigene Internetpräsenz verwalten und damit unser Profil schärfen.“
- Flagschiff als Aushängeschild: „Zum anderen brauchen wir ein Flagschiff als gemeinsames Aushängeschild, um noch mehr Präsenz zu zeigen.“
Diskussion um eine Präsentation im Rathaus
Denkbar sei etwa, dass die Galeriemeile sich auch im Rathaus präsentiert. Dort werden seit der Wende die großformatigen Plakate des international anerkannten und in Güstrow lebenden Künstlers Gunter Rambow gezeigt. Sie dokumentieren unter anderem Aufführungen an Theatern bundesweit oder an der Oper Frankfurt am Main. „Hervorragend – aber wo bleibt der lokale Bezug zu Güstrow?“, fragt sich Wittenburg und schlägt vor:
„Meine Idee wäre, dass jedes Mitglied der Galeriemeile zu gleichen Teilen einen Platz im Rathaus bekommt. Hier leben genug Kulturschaffende, die es zu fördern gilt. Es wird Zeit, dass sich etwas verändert.“ Gunter Rambow, dessen Atelier ebenfalls Teil der Galeriemeile ist, sollte natürlich weiterhin Bestandteil der Ausstellung bleiben – nur eben paritätisch.
Abbild der hiesigen Vielfalt: Kontroverse Meinungen
Diese Idee wurde generell gut aufgenommen, aber auch kontrovers diskutiert. Anica Dyrba von der Galerie für religiös motivierte Kunst fand sie generell schön, auch um Hemmschwellen abzubauen, die Güstrower möglicherweise beim Betreten des Rathauses noch haben. „Güstrow sollte einen zentralen Ort haben, an dem die ganze hiesige Vielfalt – inklusive die wunderbare Kunst von Gunter Rambow – abbildbar ist.“
Torsten Bahr von „Kunst & Käse“ wiederum findet, dass die Leute nicht ins Rathaus gehen, um sich Kunst anzuschauen. Zudem sei dafür der Aufwand zu hoch, die Versicherungen zu teuer. „Und: Was ins Rathaus kommt, muss die Verwaltung entscheiden.“ Die Plakate von Gunter Rambow findet er übrigens „cool“.
Treffen im Rathaus und weitere Pläne
Bei einem Treffen mit dem Bürgermeister und Hannes Glause vom Stadtmarketing wollen die Galeristen nun diese und weitere Aspekte die Galeriemeile betreffend gemeinsam besprechen. „Wir wollen nach Möglichkeiten der Präsentation fragen oder solche gemeinsam finden. Dieses muss aber nicht unbedingt im Rathaus geschehen“, meint Michael Trost.
Weiterhin ging es darum, wie der Tag der Galeriemeile attraktiver werden könnte und möglicherweise gemeinsame Kern-Öffnungszeiten gefunden werden. Torsten Bahr schlug vor, während des Tags der Galeriemeile eventuell den Durchgangsverkehr in der Hageböcker Straße zumindest teilweise zu sperren. „Gerade, weil dann viele Menschen auf der Straße flanieren, kann es richtig gefährlich sein, wenn weiter ungehindert der Verkehr rollt.“
Galeristin Martina Fregin brachte unter anderem noch eine Galerien-Führung der Festspielfreunde vor dem Konzert der Thomaner im Güstrower Dom am 24. Juni mit ein.



