Das Zischen der Sprühdose durchbricht die Morgenstille. Kälte liegt in der Luft, vermischt sich mit dem scharfen Geruch von Acryl-Lack. Graffiti-Künstler Michael Gensen kniet vor der Wand, Atemmaske fest im Gesicht – Gesundheit geht vor.
Michael Gensen hat schon vielen Hauswänden in Halle mit seiner Kunst ein neues Gesicht gegeben. Ob Lafontaine, Herkules oder jetzt Bebel: Die Bilder des Sprayers atmen ganz viel Geschichte. Seine Auftraggeber haben einen ganz eigenen Hintergedanken.
Kunst an der Straße: Mit Video
Wie Graffiti in Halle die Hauswände Geschichte atmen lässt, zeigt ein neues Video. Der Künstler taucht tief in die Historie ein, um den Straßen ein ganz eigenes Gesicht zu geben.
Michael Gensen: Ein Künstler mit Leidenschaft
Der Graffiti-Künstler arbeitet akribisch an seinen Werken. Jedes Detail wird sorgfältig geplant, bevor die Sprühdose zum Einsatz kommt. Die Atemmaske ist dabei nicht nur Schutz, sondern auch Symbol für die Ernsthaftigkeit, mit der er seine Kunst betreibt.
Seine Motive sind oft historische Persönlichkeiten oder Ereignisse, die eng mit Halle verbunden sind. So erinnert ein Wandbild an den früheren Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, ein anderes an den griechischen Helden Herkules. Das neueste Werk zeigt den Sozialdemokraten August Bebel.
Auftraggeber mit Hintergedanken
Die Auftraggeber von Michael Gensen sind meist lokale Unternehmen oder Initiativen. Sie wollen nicht nur die Fassaden verschönern, sondern auch ein Zeichen setzen: gegen die oft negative Wahrnehmung von Graffiti als Schmiererei. Stattdessen sollen die Kunstwerke Identität stiften und die Geschichte der Stadt lebendig halten.
„Graffiti ist mehr als nur Farbe an der Wand“, sagt Gensen. „Es ist eine Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und Menschen zu verbinden.“
Die Stadt Halle unterstützt das Projekt. Die Verwaltung sieht in den legalen Graffiti-Kunstwerken eine Bereicherung des Stadtbildes und einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt.
Wer die Werke von Michael Gensen sehen möchte, kann einen Spaziergang durch die Stadt machen. Die Wände sind über das Stadtgebiet verteilt und erzählen jeweils eigene Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart Halles.



