HBO verstärkt Sicherheitsvorkehrungen nach rassistischen Morddrohungen gegen Snape-Darsteller
Der geplante Harry-Potter-Neustart des Senders HBO steht bereits vor dem Serienstart unter massivem Druck. Auslöser sind rassistische Morddrohungen gegen den ghanaisch-britischen Schauspieler Paapa Essiedu (34), der in der Serie die ikonische Figur des Severus Snape verkörpern wird. Der Sender hat nun als Reaktion darauf die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft.
„Ich komme zu dir nach Hause und töte dich“ – Essiedu schildert beängstigende Drohungen
In einem Interview mit der britischen Zeitung The Times berichtet Essiedu von konkreten Bedrohungen: „Mir wurde gesagt: Hör auf, sonst bringe ich dich um“. Auf seiner Instagram-Seite erhalte er regelmäßig Nachrichten wie: „Ich komme zu dir nach Hause und töte dich“. Diese Äußerungen klingen nach Einschätzung des Schauspielers nicht nach harmlosen Internet-Trolls, sondern nach echten Gefahren.
Auch die Behörden sind inzwischen alarmiert. Die Polizei von Hertfordshire bestätigte gegenüber dem amerikanischen Portal TMZ, dass ihr Drohungen gegen Essiedu bekannt seien. Man stehe bereits in Kontakt mit der Produktion, auch wenn bislang keine offizielle Anzeige vorliege.
HBO-Chef Bloys: „Es kann an manchen Stellen beängstigend werden“
HBO-Chef Casey Bloys erklärte im Branchenmagazin Variety, man habe mit solchen Reaktionen gerechnet, da Harry Potter zu den größten Marken der Welt gehöre – mit Millionen leidenschaftlicher Fans und ebenso vielen kontroversen Meinungen. „Es kann an manchen Stellen beängstigend werden“, so Bloys. Daher habe man frühzeitig Schulungen zum Umgang mit Social Media organisiert und ein professionelles Sicherheitsteam eingesetzt.
Rassistische Reaktionen auf schwarzen Snape-Darsteller
Der Auslöser für die Hasswelle ist offensichtlich: Paapa Essiedu ist schwarz und übernimmt eine Rolle, die in den originalen Kinofilmen von dem verstorbenen weißen Schauspieler Alan Rickman gespielt wurde. Für viele Fans stellt dies einen Bruch mit ihrer Vorstellung der Figur dar. Im Internet entlädt sich dies in einer Flut rassistischer Kommentare, die mit der Veröffentlichung des ersten Trailers noch einmal deutlich zugenommen haben.
Dabei ist die Figur des Severus Snape in den Büchern von J.K. Rowling alles andere als eindeutig beschrieben. Im ersten Band Harry Potter und der Stein der Weisen wird er als düster, unnahbar und gefürchtet charakterisiert. Bezüglich seines Aussehens heißt es im Original: „He had greasy black hair, a hooked nose, and sallow skin“. Der Begriff sallow bedeutet so viel wie fahl oder ungesund – die deutsche Übersetzung als gelblich verlieh der komplexen Figur eine möglicherweise nicht intendierte Eindimensionalität.
Essiedu zeigt sich reflektiert – Unterstützung von Rowling und Potter-Veteranen
Paapa Essiedu äußert sich trotz der Bedrohungen reflektiert, aber sichtlich getroffen: „Niemand sollte so etwas erleben müssen, nur weil er seinen Job macht“. Bislang hat er keine Anzeige erstattet, mit der Begründung, dass es ihm nicht helfe, wenn ein Jugendlicher für Drohungen ins Gefängnis käme.
Unterstützung erhält er ausgerechnet von einem Harry-Potter-Veteranen: Jason Isaacs (62), der in den Filmen Lucius Malfoy spielte, bezeichnet die Kritik offen als rassistisch und lobt Essiedu als „einen der besten Schauspieler“, die er je gesehen habe.
Auch Autorin Joanne Rowling (60), selbst oft im Zentrum von Kontroversen, stellte sich hinter ihren Star. Sie lehnte Forderungen ab, Essiedu aus der Serie zu werfen, und betonte, niemandem solle der Job entzogen werden, nur weil er andere Ansichten vertrete.
Bitterer Beigeschmack vor Serienstart 2027
Die neue Harry-Potter-Serie von HBO soll voraussichtlich im Jahr 2027 starten. Bis dahin bleibt ein bitterer Beigeschmack: Dass ausgerechnet eine Geschichte über Mut, Freundschaft und den Triumph des Guten über das Böse bereits vor ihrer Veröffentlichung von solchem Hass überschattet wird.
Die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und die öffentliche Solidarität zeigen jedoch, dass Produktion und Beteiligte entschlossen sind, dem Rassismus entgegenzutreten und den Schauspieler zu schützen.



