Iris Berben erhebt ihre Stimme gegen die Unsichtbarkeit älterer Frauen im Filmgeschäft
Die deutsche Filmbranche ohne Iris Berben? Für viele ist dieses Szenario schlichtweg undenkbar. Die 75-jährige Schauspielerin, die aktuell in "Ein fast perfekter Antrag" neben Heiner Lauterbach die Hauptrolle spielt, hat in der "NDR Talk Show" nun klare Worte gefunden. Sie kritisiert die mangelnde Präsenz von Frauen in ihrem Alter auf der großen Leinwand und im Fernsehen – ein Thema, das zahlreiche Kolleginnen betrifft.
"Wir müssen laut sein und es immer wieder einfordern"
Seit ihrem Debüt im Jahr 1969 hat Iris Berben eine beeindruckende Karriere hingelegt. Laut der Filmdatenbank "IMDb" wirkte sie bisher in 179 Produktionen mit, und jedes Jahr kommen neue Projekte hinzu. Doch diese Kontinuität ist keineswegs selbstverständlich, wie Berben selbst betont. "Wir haben nicht allzu viele Filme, in denen Frauen in meinem Alter gezeigt und ihre Geschichten erzählt werden", erklärt die Schauspielerin in dem Talkformat.
Ihre Kritik richtet sich gegen eine Branche und Gesellschaft, die für Frauen oft eine unsichtbare Grenze zieht, sobald sie die "merkwürdig magische" 40 überschritten haben. Dieses Phänomen spiegelt Berben zufolge nicht das heutige Frauenbild wider, was sie auch in der Filmwelt schmerzlich vermisst. Die Entscheidung, die Rolle der "Alice" in ihrem aktuellen Film anzunehmen, war daher für sie ein bewusstes Statement.
"Die Geschichte ist nicht erklärend, sie ist mit einer Selbstverständlichkeit und mit einer ungeheuren Lässigkeit erzählt. Und diese Frauen gibt es überall und es werden immer mehr. Aber wir müssen laut sein und es auch immer wieder einfordern, dass auch ihre Geschichten erzählt werden", fordert Berben mit Nachdruck.
Kolleginnen bestätigen die alarmierende Situation
Die mangelnden Rollenangebote für Frauen in höherem Alter werden von zahlreichen Kolleginnen bestätigt. Christine Neubauer prangerte öffentlich an, dass sie mit 63 Jahren kaum noch interessante Angebote erhält. Karin Thaler, bekannt aus den "Rosenheim-Cops", sagte im Oktober 2025 deutlich: "Mittlerweile kommt nichts mehr."
Auch Annette Frier betonte in einem Interview: "Es ist so, dass viele tolle Kolleginnen, mit denen ich begonnen habe, heute fast nicht mehr arbeiten. Das ist leider kein bisschen übertrieben." Diese Aussagen unterstreichen die systemische Problematik, die Berben anspricht – eine Form der Altersdiskriminierung, die talentierte Schauspielerinnen frühzeitig aus dem Berufsleben drängt.
Privates bleibt privat – mit einer Ausnahme
Während Iris Berben für ihre Kolleginnen laut wird, bleibt sie in privaten Angelegenheiten zurückhaltend. Auf Nachfragen zu ihrer Beziehung mit Partner Heiko Kiesow reagierte sie zunächst abweisend: "Das geht jetzt aber sehr ans Eingemachte. No private talks."
Doch schließlich gab sie doch Einblicke in ihre Partnerschaft. "Ich glaube, dass ich sehr anstrengend bin", gesteht Berben offen. "Ich bin extrem ungeduldig, schnell und sehr emotional." Besonders herausfordernd sei ihre Popularität für die Beziehung. Bei öffentlichen Auftritten wie der Berlinale werde sie von Regisseuren und Intendanten umarmt, während ihr Partner danebenstehe und ignoriert werde. "Das ist einfach ein Unding", kritisiert die Schauspielerin diese einseitige Aufmerksamkeit.
Dennoch scheint Heiko Kiesow gelernt zu haben, mit dieser Situation umzugehen. Berben beschreibt, dass ihr Partner den "Tunnelblick" der Öffentlichkeit gut aushalte – eine notwendige Anpassung an das Leben an der Seite einer prominenten Persönlichkeit.
Iris Berben bleibt mit 75 Jahren nicht nur aktiv im Filmgeschäft, sondern nutzt ihre Plattform auch, um auf strukturelle Missstände hinzuweisen. Ihr Appell für mehr Sichtbarkeit älterer Frauen in Film und Fernsehen trifft auf breite Zustimmung bei Kolleginnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Debatte über Altersdiskriminierung in der Unterhaltungsindustrie ist damit eröffnet – und Berben macht deutlich, dass sie nicht bereit ist, dazu zu schweigen.



