Bill Maher erhält Mark-Twain-Preis trotz Weißem-Haus-Dementi
Maher erhält Humorpreis trotz Weißem-Haus-Dementi

Bill Maher erhält Mark-Twain-Preis trotz Intervention des Weißen Hauses

Der bekannte US-amerikanische Comedian Bill Maher wird den prestigeträchtigen Mark-Twain-Preis für amerikanischen Humor erhalten. Diese Entscheidung des Kennedy Centers erfolgt weniger als eine Woche, nachdem das Weiße Haus die geplante Auszeichnung vehement als Fake News dementiert hatte. Die Verleihung ist für den 28. Juni geplant und markiert einen bemerkenswerten kulturellen Sieg für den politisch unkorrekten Humoristen.

Ein Preis trotz politischer Kontroversen

Bill Maher, 70 Jahre alt und seit 2003 Moderator der HBO-Sendung Real Time with Bill Maher, erhält die Auszeichnung für seinen jahrzehntelangen Beitrag zum amerikanischen Diskurs. Roma Daravi, Vizepräsidentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kennedy Centers, betonte in einer offiziellen Erklärung: Seit fast drei Jahrzehnten ehrt der Mark-Twain-Preis einige der größten Köpfe der Comedy-Szene. Seit noch längerer Zeit prägt Bill den amerikanischen Diskurs – mit einem politisch unkorrekten Witz nach dem anderen.

Das US-Magazin The Atlantic hatte bereits in der Vorwoche über die geplante Preisvergabe berichtet. Daraufhin reagierte das Weiße Haus mit scharfen Dementis. Steven Cheung, Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, bezeichnete die Meldung in sozialen Medien als buchstäblich FAKE NEWS. Auch Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte, Maher werde diesen Preis NICHT erhalten. Ein Regierungsbeamter gab später gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press zu, dass sich die Situation nach weiteren Gesprächen zwischen dem Kennedy Center und den Veranstaltern geändert habe.

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Historische Spannungen mit Donald Trump

Das Verhältnis zwischen Bill Maher und Präsident Donald Trump ist seit Langem angespannt und von öffentlichen Auseinandersetzungen geprägt:

  • 2013 verklagte Trump Maher wegen Vertragsbruchs, nachdem der Komiker in Jay Lenos Tonight Show fünf Millionen Dollar für den Nachweis von Trumps menschlicher Herkunft angeboten hatte
  • Die Klage wurde später zurückgezogen, aber die Feindseligkeit blieb bestehen
  • In seiner Sendung Real Time kritisiert Maher regelmäßig Trump und die MAGA-Bewegung

Eine überraschende Wendung gab es im März 2025, als Maher beim wiedergewählten Präsidenten zum Abendessen eingeladen war. Der Comedian beschrieb Trump danach als wohlwollend und viel reflektierter als erwartet. Diese Annäherung rief jedoch Kritik hervor – Comedylegende Larry David veröffentlichte einen satirischen Essay mit dem Titel My Dinner with Adolf in der New York Times.

Politische Einflussnahme auf das Kennedy Center

Die Preisvergabe findet in einem politisch aufgeladenen Umfeld statt. Seit seiner Rückkehr ins Amt hat Präsident Trump erheblichen Einfluss auf das Kennedy Center ausgeübt:

  1. Er entließ die bisherige Leitung und ersetzte sie durch einen handverlesenen Stiftungsrat
  2. Dieser Rat ernannte Trump zum Vorsitzenden und fügte seinen Namen zum offiziellen Namen des Kennedy Centers hinzu
  3. Es wurden Renovierungsarbeiten beschlossen, die das Center für etwa zwei Jahre schließen werden

Die Zeremonie zur Verleihung des Mark-Twain-Preises wird in den USA von Netflix gestreamt, wobei das genaue Ausstrahlungsdatum noch nicht bekannt ist. Bei der Vergabe an Conan O'Brien im Jahr 2025 war Trump zwar nicht persönlich anwesend, stand aber im Mittelpunkt zahlreicher Witze.

Mahers ambivalente politische Positionierung

Bill Maher wird von deutschen Medien traditionell als linker Comedian wahrgenommen – er unterstützte Barack Obama 2008 und Hillary Clinton 2016. Gleichzeitig positioniert er sich regelmäßig gegen die sogenannte Wokeness. Seine erste Late-Night-Show trug bereits von 1993 bis 2002 den programmatischen Titel Politically Incorrect.

Maher kommentierte die Auszeichnung mit charakteristischem Sarkasmus: Man hat mir gerade den Preis erklärt, und anscheinend ist er wie ein Emmy, nur dass ich gewinne. Tatsächlich wurde der Comedian 41 Mal für den Emmy nominiert, gewann ihn aber nur einmal als Teil des Produzententeams der Doku-Serie Vice.

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Zu den früheren Preisträgern des Mark-Twain-Preises, der seit 1998 vergeben wird, gehören prominente Namen wie Conan O'Brien, Dave Chappelle, Julia Louis-Dreyfus, David Letterman, Carol Burnett und Tina Fey. Maher bezeichnete es als eine Ehre, einen Preis zu erhalten, der nach Mark Twain benannt ist, der aus so vielen Schulbibliotheken geworfen wurde.