Marilyn Monroe zum 100. Geburtstag: Intime Einblicke durch unveröffentlichtes Material
Hundert Jahre nach der Geburt von Marilyn Monroe eröffnen bislang unveröffentlichte Briefe und Fotografien neue Perspektiven auf das Leben der Hollywood-Ikone. Der Bildband „Dear Marilyn“ des Fotografen Sam Shaw präsentiert die Schauspielerin in einer bisher nie gesehenen persönlichen Dimension und ermöglicht tiefe Einblicke in ihre Persönlichkeit.
Chaotische Anfänge und die Geburt einer Legende
Schon bei ihrer Geburt am 1. Juni 1926 zeichnete sich ab, was Marilyn Monroes kurzes Leben prägen sollte: Chaos, Unsicherheit und Haltlosigkeit. Getauft wurde sie als Norma Jeane Baker, wobei der Name im Taufregister von Los Angeles als „Mortensen“ geführt wird – der Familienname ihrer psychisch labilen, alleinerziehenden Mutter, einer geborenen Monroe. Die Namensgebung ist bis heute umstritten, da oft behauptet wird, die Mutter habe sich von Hollywood-Star Jean Harlow inspirieren lassen.
Der lange Weg zur Veröffentlichung
Sam Shaw, ein enger Freund und Kollege Monroes, verstarb 1999. Ein langwieriger Rechtsstreit verhinderte über Jahre die Veröffentlichung seiner umfangreichen Sammlung, die private Fotos, intime Briefwechsel und persönliche Tagebuchaufzeichnungen umfasst. Erst jetzt, zum 100. Geburtstag der Ikone, sind diese Schätze der Öffentlichkeit zugänglich und in einem opulenten Bildband vereint.
Eine besondere Freundschaft und kulturelle Mentorschaft
Shaw lernte Marilyn Monroe 1952 am Set von „Viva Zapata!“ kennen, wo sie nicht als Schauspielerin, sondern als Geliebte des Regisseurs Elia Kazan auftrat. Schnell entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, bei der Shaw auch die Rolle eines kulturellen Mentors übernahm. Gemeinsame Ausstellungsbesuche und ein reger Briefwechsel prägten ihre Beziehung. 1954 entstand durch Shaw das legendäre Foto mit dem fliegenden Kleid über dem U-Bahnschacht, das als Promotionsmaterial für Billy Wilders Film „Das verflixte 7. Jahr“ diente und letztlich zur Scheidung von Baseballstar Joe DiMaggio beitrug.
Die New Yorker Jahre: Emanzipation und intellektuelle Blüte
Der Bildband dokumentiert besonders eindrucksvoll Monroes Zeit in New York, die viele als ihre kreativste und persönlichste Phase betrachten. Hier befreite sie sich schrittweise von den restriktiven Studioverträgen und entwickelte sich zu einer emanzipierten Frau, was Hollywood mit juristischen Auseinandersetzungen und Intrigen zu verhindern suchte. In New York lernte sie auch den Schriftsteller Arthur Miller kennen, den sie 1956 heiratete. Interessanterweise war es nicht Miller, der sie rettete, sondern umgekehrt: Monroe stand ihm während der Vernehmungen vor dem „Senatsausschuss für unamerikanische Aktivitäten“ bei und bewies damit politischen Mut.
Die Frau hinter dem Sexsymbol
Die Fotografien zeigen Marilyn Monroe in all ihren Facetten: von gestellten Starporträts über Schnappschüsse bei PR-Events bis hin zu intimen Alltagsszenen. Besonders beeindruckend sind Aufnahmen, die sie strahlend, fröhlich und mit natürlichem Selbstbewusstsein inmitten der Biederkeit ihrer Umgebung zeigen. Die begleitenden Texte offenbaren zudem einen oft übersehenen Charakterzug: ihren feinen Sinn für Humor.
Marilyn Monroe reflektierte selbstkritisch über ihr Image: „Das Schlimme ist: Ein Sexsymbol wird zu einer Sache“, sagte sie einmal. „Wenn man mit so etwas wie Sex-Appeal geboren wird, kann man sich davon entweder kaputtmachen lassen oder es ausnutzen.“ Für sie traf beides zu – ein Spannungsfeld, das der Bildband einfühlsam nachzeichnet.
Eine musikalische Hommage und der Bildband
Zum 100. Geburtstag der Ikone finden in München mehrere musikalische Hommagen statt. Parallel erscheint der großformatige Bildband „Dear Marilyn – die unveröffentlichten Briefe und Fotografien“ beim Münchner Verlag Schirmer/Mosel. Das Werk umfasst 240 Seiten mit 77 Farb- und 180 Schwarzweißabbildungen sowie einem Text des Fotografen und ist für 49,80 Euro erhältlich. Es ist nicht nur eine visuelle Reise durch das Leben einer Legende, sondern auch ein bewegendes Dokument einer außergewöhnlichen Freundschaft.



