Münchens Archive öffnen Türen: Historische Schätze zum Tag der Archive
Münchens Archive öffnen Türen: Historische Schätze

Vergilbtes Papier erzählt lebendige Geschichten: Münchens Archive laden ein

Am Samstag ist in München der Tag der Archive. Diese Veranstaltung bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich intensiv mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen, besonders vor dem anstehenden Wahlsonntag. Was könnte eindringlicher sein als die originalen Gedanken und Gefühle von Zeitzeugen, festgehalten in historischen Dokumenten? Nach einer zweijährigen Pause ist es endlich wieder soweit: Der „Tag der Archive“ gewährt einen umfassenden und kostenfreien Einblick in die historischen Schätze unserer Stadt.

Deutsches Museum: Bewegende Briefe einer Physikerin

Zu sehen sind jahrzehnte- und teils jahrhundertealte Dokumente, Urkunden, Skizzen und persönliche Briefe, die Geschichten erzählen, die sonst in Vergessenheit geraten würden. Besonders bewegend sind die Briefe im Deutschen Museum. Charlotte Houtermans war Physikerin – und Jüdin. 1933 floh sie vor den Nationalsozialisten. Später geriet sie in der Sowjetunion in Stalins „Großen Terror“. Während ihr Mann verhaftet wurde, gelang Charlotte Houtermans mit den Kindern die Flucht in die USA. Dort setzte sie ihre Karriere fort und kämpfte jahrelang für die Freilassung ihres verschollenen Mannes. Ihr Nachlass, kürzlich von einer Enkelin aus den USA erhalten, enthält auch einen Brief von First Lady Eleanor Roosevelt. Das Deutsche Museum präsentiert diese Schätze von 10 bis 17 Uhr im Universitätsarchiv am Geschwister-Scholl-Platz 1.

Stadtarchiv: Von Pfadfindern zu Schwerverbrechern

Das Stadtarchiv München widmet sich der berüchtigten Pantherbande, einer Jugendgruppe, die in den 1940er Jahren in München schwere Raubüberfälle verübte und sogar mordete. Am Tag der Archive liest Pantherbanden-Experte Martin Arz aus seinem Roman „Pantherbande – Vom Pfadfinderclub zum Verbrechersyndikat“ und rollt gemeinsam mit einem Kriminalhauptkommissar und der Archivoberrätin die Ereignisse neu auf. Historische Quellen und beeindruckendes Filmmaterial enthüllen die Wahrheit hinter den Legenden. Darüber hinaus bietet das Stadtarchiv Einblicke in 90.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 30.000 Karten und zwei Millionen Fotos. Die Lesung findet von 13 bis 15 Uhr statt, Führungen starten stündlich von 10.30 bis 15.30 Uhr in der Winzererstraße 68.

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Staatsarchiv München: Nahaufnahmen vom Hochverratsprozess

Eine besonders spannende Geschichte lagert im Staatsarchiv München: die vom Hitler-Ludendorff-Prozess und dem Zeichner Otto D. Franz. Der Anwalt und Künstler begleitete den Hochverratsprozess gegen Adolf Hitler als Zeichner und hielt Richter, Angeklagte, Staatsanwälte, Zeugen und die Atmosphäre im Gerichtssaal fest. Am Tag der Archive haben Besucher letztmalig die Chance, sich selbst ein detailliertes Bild zu machen. Um 10 und 14 Uhr finden Führungen durch die Ausstellung „Nahaufnahmen. Unbekannte Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozess und ihr Zeichner Otto D. Franz“ statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Geöffnet ist von 10 bis 17 Uhr in der Schönfeldstraße 3.

Erzdiözese München und Freising: Schätze und Rezepte der Ordensfrauen

Das Brigittenkloster in Altomünster, gegründet 1496, war lange das einzige seiner Art in Deutschland. 2016 musste es wegen fehlenden Nachwuchses schließen. Bei der Sichtung des bis ins Mittelalter zurückreichenden Bestandes stieß man auf liturgische Bücher, Baurechnungen und Backrezepte. Darunter ein historisches Lebkuchenrezept, das als „Mongtratzerl“ bekannt ist. Ein Besuch im barocken Lesesaal von Archiv und Bibliothek des Erzbistums bietet weitere Einblicke in das strenge Leben der Ordensfrauen. Immer zur vollen Stunde werden die Originale vorgestellt. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr in der Karmeliterstraße 1.

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Institut für Zeitgeschichte: Protokoll der Radikalisierung

„Leider habe ich nur wenig Zeit, um allen Zorn niederzuschreiben und alle Ungerechtigkeiten“, schrieb August Eicheler 1933 in sein Tagebuch. Der katholische Kaufmann dokumentierte akribisch den radikalen Umbruch der Weimarer Republik in die nationalsozialistische Diktatur. Seine Aufzeichnungen im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte zeigen Zerstörungen durch Luftangriffe, Gerüchte zum Kriegsgeschehen und beginnende Deportationen. Am Tag der Archive können Besucher in der Leonrodstraße 46b von 10 bis 17 Uhr seine Schriften sehen. Um 18 Uhr gibt es zudem ein Podiumsgespräch zur „Resistenz im katholischen Milieu während der NS-Zeit“.