Deutsche Nationalbibliothek Leipzig: Erweiterungsbau endgültig gestoppt
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig wird keinen dringend benötigten Erweiterungsbau erhalten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat sich gegen die Realisierung des Vorhabens entschieden, wie die Nationalbibliothek mitteilte. Die Absage stößt auf deutliche Kritik der Institution, die dringend zusätzliche Magazinflächen benötigt.
Sieben Millionen Euro Planungskosten vergebens
Bereits rund sieben Millionen Euro sind in die Planung des fünften Erweiterungsbaus geflossen, der langfristig Platz für Bücher und andere Medien schaffen sollte. Die Bibliothek betonte, dass die Magazinkapazitäten in Leipzig nahezu erschöpft seien. „Der geplante Neubau sollte eine energieeffiziente und nachhaltige Bewahrung des nationalen Kulturerbes ermöglichen“, erklärte die Einrichtung. Auch alternative Lösungen würden erhebliche Kosten verursachen.
Kulturstaatsminister setzt auf Digitalisierung
Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte die Entscheidung gegen den Neubau. „Staatsminister Weimer strebt an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden“, hieß es. Derzeit müssen Verlage laut Gesetz grundsätzlich zwei physische Exemplare liefern. Weimer setzt sich dafür ein, dass künftig nur noch ein Exemplar erforderlich sein soll – und dieses möglichst ausschließlich in digitaler Form. Dies sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Ausweichen auf Frankfurt und digitale Bestände
Als Alternative zum Neubau verweist das Ministerium darauf, dass die Nationalbibliothek bereits jetzt Bücher von Leipzig an ihren zweiten Standort in Frankfurt auslagert, wo noch Magazinkapazitäten vorhanden seien. Gleichzeitig wird geprüft, wie mit den Beständen in Leipzig angesichts der ausgereizten Flächen weiter verfahren werden soll. Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in deutscher Sprache und hat Standorte in Leipzig und Frankfurt. Täglich gehen nach Angaben der Bibliothek rund 13.100 neue Werke ein, davon 3.300 in analoger und 9.800 in digitaler Form.



