Pinakotheken restituieren Raubkunst-Gemälde von Lesser Ury an jüdische Erben
Pinakotheken geben Raubkunst-Gemälde an jüdische Erben zurück

Pinakotheken geben Raubkunst-Gemälde von Lesser Ury an jüdische Erben zurück

Die Pinakotheken in München haben ein bedeutendes Raubkunst-Gemälde an die rechtmäßigen Besitzer restituiert. Dabei handelt es sich um das Werk „Interieur mit Kindern (Die Geschwister)“ des jüdischen Malers Lesser Ury, der von 1861 bis 1931 lebte. Das Gemälde geht nun an die Erben des Berliner Bankiers Curt Goldschmidt, dessen Familie während der NS-Zeit verfolgt wurde.

Historischer Kontext und Verfolgung

Das Bankhaus Goldschmidt ging infolge der Repressionen durch die Nationalsozialisten pleite. Der gesamte Besitz der jüdischen Familie wurde vom Konkursverwalter versteigert, darunter auch das Gemälde mit einem Schätzpreis von 800 Reichsmark. Curt Goldschmidt floh 1937 nach Paris und lebte während der deutschen Besatzung zeitweise versteckt. Er starb am 31. März 1947 in Paris.

„Curt Goldschmidts Schicksal steht stellvertretend für das vieler jüdischer Sammler und Mäzene. Die Verfolgung durch den Nationalsozialismus brachte ihn um sein Vermögen und seine Kunstsammlung; sein Leben konnte er nur durch Flucht retten“, sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU).

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Unklare Provenienz und Rückgabe

Ob und von wem das Bild nach der Versteigerung ersteigert wurde, ist nach Angaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unklar. 1940 tauchte es jedoch in einem Auktionshaus in Köln auf, mit dem Vermerk, es würde aus „nicht arischem Besitz“ stammen. Die weiteren Umstände bleiben ebenfalls unklar. 1972 kauften die Staatsgemäldesammlungen das Bild, und nun geben sie es an die Familie zurück.

Die Erben freuten sich in einer Stellungnahme über die Rückgabe und würdigten die Anstrengungen der Staatsgemäldesammlungen und des Freistaats Bayern. „Die Rückgabe würdigt die doppelte jüdische Provenienz des Gemäldes – von seinem Schöpfer über seine Sammler bis hin zu seinem Verlust infolge nationalsozialistischer Verfolgung“, sagte Anton Biebl, Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Bedeutung des Werks und Kritik

Mit der Restitution des Gemäldes werde „ein Werk zurückgegeben, das nicht nur ein bedeutendes Beispiel der Kunst Lesser Urys ist, sondern zugleich die Geschichte jüdischer Sammler und Mäzene im Berlin der frühen Moderne widerspiegelt“, so Biebl. Er war an die Spitze der Pinakotheken gerückt, nachdem es massive Kritik am Umgang mit Restitutionen gegeben hatte.

Nach Angaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat das Werk eine spezielle historische Bedeutung als besonderes Zeugnis jüdischer Kunst- und Sammlungsgeschichte im frühen 20. Jahrhundert. Lesser Ury wurde vor allem als Chronist Berliner Straßen- und Kaffeehausszenen bekannt sowie für Landschaftsgemälde in abendlicher Stimmung.

Dieser Schritt markiert ein Positivbeispiel in der oft kritisierten Raubkunst-Debatte in Bayern und unterstreicht die fortlaufenden Bemühungen um Wiedergutmachung historischen Unrechts.

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