Polizeiruf 110 aus Magdeburg: Mordfall um Abtreibungspraxis und Mutterschaft
Polizeiruf 110: Mord in Magdeburger Frauenarztpraxis

Sonntagskrimi im Ersten: Magdeburger Polizeiruf 110 thematisiert Abtreibung und Mutterschaft

Ein scheinbarer Verkehrsunfall entpuppt sich als Mordfall: Im neuen Magdeburger Polizeiruf 110 mit dem Titel Your Body, My Choice ermittelt Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch, gespielt von Claudia Michelsen, nach dem Tod einer jungen Radfahrerin. Die 25-jährige Marwa, dargestellt von Melissa Gross, stirbt, nachdem jemand die Bremskabel ihres Fahrrads durchtrennt hat. Was zunächst wie ein Unfall wirkt, entpuppt sich schnell als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr mit Todesfolge.

Ermittlungen führen in umstrittene Frauenarztpraxis

Braschs Ermittlungen führen sie in die Frauenarztpraxis von Doro Schöller-Hahnfeld, verkörpert von Jenny Schily, wo die Tote als Arzthelferin gearbeitet hat. Die Praxis führt auch Schwangerschaftsabbrüche durch und steht deshalb im Fokus militanter Abtreibungsgegner. Diese schreiben Hass-Mails und halten Mahnwachen ab. Die Ärztin ist überzeugt, dass der Angriff nicht gegen Marwa persönlich, sondern gegen die gesamte Praxis gerichtet war.

Der Film, der bewusst am Weltfrauentag ausgestrahlt wird, rückt drei Frauen in den Mittelpunkt:

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  • Die Gynäkologin Doro Schöller-Hahnfeld
  • Die junge Polin Dania, gespielt von Nicola Magdalena Lüders, die eine ungewollte Schwangerschaft legal in Deutschland beenden möchte
  • Die Frauenrechtsaktivistin Lara Becker, dargestellt von Luna Jordan, die Dania unterstützt

Komplexe Charaktere und gesellschaftliche Debatten

Regisseurin Franziska Schlotterer und Drehbuchautorin Annika Tepelmann erzählen eine Geschichte, die die Auswirkungen der gesellschaftlichen Debatte über Abtreibung auf betroffene Frauen zeigt. Sowohl Dania als auch Lara bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen innerer Zerrissenheit, moralischen Bedenken und der Bewältigung traumatischer Vergangenheiten.

Brasch bindet die burschikose und selbstbewusste Lara stark in die Ermittlungen ein, was ihrem Vorgesetzten Kriminalrat Uwe Lemp, gespielt von Felix Vörtler, missfällt. Die Zuschauer begleiten Dania auf ihrem Weg zu einer selbstbestimmten Entscheidung und lernen gleichzeitig den unscheinbaren Maik Gerboth kennen, dargestellt von Sebastian Jakob Doppelbauer, lange bevor er ins Visier der Ermittler gerät.

Persönliche Konfrontation mit der Mutterschaft

Im Laufe der Ermittlungen wird Brasch schmerzlich mit ihrem eigenen Muttersein konfrontiert. Als sie einem friedlichen Abtreibungsgegner mit christlichem Hintergrund von ihrem Sohn erzählt, sagt dieser: Dann wissen Sie um das Glück, Mutter zu sein. Brasch erwidert, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn habe und wahrscheinlich damals mit ihrem Mutterglück überfordert war.

Die Kommissarin hatte sich gegen eine Abtreibung entschieden. Als Lara sie fragt, ob sie es bereut, bleibt Brasch eine Antwort schuldig. Diese persönliche Ebene verleiht dem Krimi eine zusätzliche Tiefe und verbindet die gesellschaftliche Debatte mit individuellen Schicksalen.

Herausragende Darstellungen und thematische Vielfalt

Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Luna Jordan als Lara, die als Abortion Buddy eine komplexe Figur verkörpert, die selbst mit einem großen Paket zu kämpfen hat. Ihre Darstellung einer jungen Frau, die leicht zu triggern ist und zwischen Engagement und Unberechenbarkeit schwankt, gelingt auf beeindruckende Weise.

Der 22. Fall des Polizeiruf 110 aus Magdeburg beackert viele Schauplätze und thematische Ebenen. Der Film oszilliert zwischen Gewalt, Trauma, persönlicher Kränkung, Dominanz, Rache und dem Paragrafen 218. Dabei werden die Themen nicht nur kriminalistisch, sondern auch moralisch und ethisch eingeordnet.

Selbst die engagierte Ärztin kann aufgrund ihres engen Verhältnisses zur Toten nicht mehr als Verdächtige ausgeschlossen werden. Als dann auch noch Dania verschwindet und in große Gefahr gerät, spitzt sich die Lage weiter zu.

Der Magdeburger Polizeiruf 110 verbindet so einen spannenden Kriminalfall mit gesellschaftlich relevanten Themen und persönlichen Lebensfragen, die weit über die reine Aufklärung eines Mordes hinausgehen.

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