2026: Ein historisches Jahr für Schloss Ludwigslust und Prinzessin Alexandrine
Das Jahr 2026 wird mit großer Sicherheit als ein Ludwigsluster Jahr in die Geschichte eingehen. Am 30. Mai wird der Westflügel des imposanten Schlosses nach jahrelanger, aufwendiger Sanierung feierlich wiedereröffnet. Dieser bedeutende Festakt wird von Kulturinteressierten und Historikern in ganz Deutschland sehnsüchtig erwartet. Parallel dazu erfolgt eine umfassende Neuordnung der Ausstellung, die tiefe Einblicke in die bewegte Vergangenheit des Anwesens gewährt.
Prinzessin Alexandrine: Eine preußische Prinzessin in Mecklenburg
Im Mittelpunkt der neuen Präsentation steht die faszinierende Geschichte von Prinzessin Alexandrine von Preußen. Als Tochter der legendären Königin Luise von Preußen heiratete sie 1822 Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin. Sie war sich damals sicher, mit dieser Verbindung „keine Niete gezogen“ zu haben, obwohl der Weggang aus der pulsierenden Metropole Berlin in die beschauliche Griese Gegend Mecklenburgs zweifellos eine große Umstellung bedeutete.
Die Höfe in Preußen und Mecklenburg waren daher intensiv bemüht, ihr das Leben im Schloss Ludwigslust so angenehm wie möglich zu gestalten. Lieferanten von exquisiten Luxuswaren, darunter prunkvolle Kronleuchter, reisten eigens aus Berlin an, um höchste Qualität zu garantieren – eine Qualität, die Besucher auch heute noch eindrucksvoll erleben können.
Das Appartement des jungen Paares: Eine Reverenz an Königin Luise
Das Appartement des jungen Ehepaares wurde unter der Federführung des Hofarchitekten Barca komplett neu ausgestattet. Von den Wänden und Decken bis hin zu allen Möbeln und Ausstattungsgegenständen wurde alles im Blick auf das große Ereignis der Hochzeit erneuert. Der Stil vieler neuer Möbel orientierte sich zwar an Pariser Vorbildern um 1800 und war damit nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit, zeichnete sich jedoch durch herausragende handwerkliche Qualität aus.
Besonders bemerkenswert ist das große Prunkbett der Prinzessin, das dem Bett ihrer Mutter, Königin Luise, im Berliner Kronprinzenpalais auffallend ähnelt. Dieser etwas altertümliche Stil war offensichtlich eine bewusste Reverenz an die früh verstorbene Königin. Diese tiefe Verehrung für die Mutter ist in der gesamten Wohnung spürbar, bis hin zum Puppenbettchen in ihrem Blauen Zimmer – ein Geschenk ihrer Mutter, das als eine Art Kontaktreliquie für „Preußens Madonna“ diente.
Vom Ludwigsluster Stillstand zur Schweriner Großherzogin
Nach dem Tod von Friedrich Franz I. im Jahr 1837 zog der Hof wieder nach Schwerin, und Alexandrine wurde zur Großherzogin. In Ludwigslust wurde es ruhiger, doch in Schwerin begann eine neue Ära. Diese wurde jedoch nicht von ihrem Mann Paul Friedrich geprägt, der bereits 1842 nach kurzer Regierungszeit verstarb, sondern von ihrem Sohn Friedrich Franz II.
Als Witwe lebte Alexandrine vor allem im bescheiden wirkenden Schweriner Alten Palais, das im Inneren jedoch voller kostbarer Erinnerungsstücke war. Ihre Rolle als Großherzoginmutter war von immenser Bedeutung, da sie das verbindende Glied zum mächtigen Berliner Hof darstellte. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und sein späterer kaiserlicher Nachfolger Wilhelm I. waren ihre geliebten Brüder, wodurch der politische, künstlerische und architektonische Einfluss Preußens auf Mecklenburg erheblich war.
Das Ende einer Ära und ein bleibendes Denkmal
Als Alexandrine 1892 starb, ging mit ihr das letzte Kind der Königin Luise von der Weltbühne. Eine bedeutende Ära fand ihr Ende. Als einzige Herzogin Mecklenburgs erhielt sie 1907 ein großes marmornes Standbild im Greenhouse-Garten, gestaltet im Stil des Denkmals ihrer Mutter in Berlin. Dieses war bereits 1877 am Tiergartenrand errichtet worden und symbolisiert die tiefe Verbundenheit und den bleibenden Einfluss der preußischen Prinzessin auf die Region.
Die Wiedereröffnung des Westflügels im Jahr 2026 bietet somit nicht nur einen architektonischen Höhepunkt, sondern auch die einzigartige Gelegenheit, das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Frau neu zu entdecken und zu würdigen.



