Schweriner Ballett tanzt die Sage des Petermännchens in Uraufführung
Am 27. März 2026 präsentiert das Schweriner Ballettensemble mit „Quid si sic“ die Sage des Schweriner Petermännchens als erzählerisches Ballett in einer Choreografie von Ballettdirektor Jonathan dos Santos. Getanzt wird zu eigens komponierter Musik von Leon Gurvitch, der auch die musikalische Leitung des Abends übernimmt. Die Produktion verbindet klassische Balletttradition mit modernen choreografischen Elementen und erzählt die mystische Geschichte des kleinen Schlossbewohners in einer zeitgenössischen Interpretation.
Entstehung eines musikalischen Märchenballetts
Die Idee zu diesem besonderen Projekt stammt von Ballettdirektor Jonathan dos Santos, der nach einer Führung durch Schwerin den Wunsch entwickelte, die Petermännchen-Sage tänzerisch umzusetzen. „Ich habe gedacht, es wäre toll, ein Ballett über die Petermännchen-Geschichte zu machen“, erklärt dos Santos. Für die musikalische Umsetzung gewann er den Hamburger Komponisten Leon Gurvitch, dessen klassische Kompositionen ihn bereits zuvor beeindruckt hatten.
Gurvitch, der die Sage vorher nicht kannte, ließ sich von den Beschreibungen dos Santos' inspirieren und strukturierte die einzelnen Szenen musikalisch. „Es ist kein klassisches Handlungsballett, sondern jede Szene hat ihre ganz eigene Stimmung“, erläutert der Komponist. Innerhalb von nur drei Wochen entstand der Klavierauszug, gefolgt von sechs Wochen intensiver Orchestrierungsarbeit. Das Ergebnis umfasst zwei Akte auf 440 Seiten Partitur – eine bemerkenswerte Leistung für heutige Produktionszeiträume.
Musikalische Charakterisierung eines mythischen Wesens
Die Vertonung des Petermännchens als geisterhafte Figur stellte eine besondere künstlerische Herausforderung dar. Gurvitch nutzte das gesamte Orchester – Streicher, Holz- und Blechbläser sowie Schlagzeug – um eine gespenstische Atmosphäre zu schaffen. „Der Geist erscheint in vielen Farben im Orchester“, beschreibt der Komponist seinen Ansatz. Das Hauptmotiv erinnert an einen großen Film-Soundtrack mit lyrischen Elementen, während dramatische Passagen hohe Anforderungen an die Musiker stellen.
Inspiration fand Gurvitch unter anderem in Prokofjews „Romeo und Julia“ sowie Strawinskys „Cinderella“. Besonders reizte ihn die universelle Qualität der Geschichte: „Es ist eine Geschichte, die mich sofort gereizt hat, diese Legende von einem kleinen Menschen, der im Schloss lebt“. Der Komponist betont, dass das Werk sowohl für Kinder als auch für Erwachsene konzipiert ist und Botschaften für eine schönere Welt transportiert.
Choreografische Umsetzung und künstlerische Synergie
Für Ballettdirektor Jonathan dos Santos markiert „Quid si sic“ eine besondere Premiere: „Es ist jetzt erstmals, dass ich eine eigene Komposition für mein Stück habe“. Normalerweise choreografiert er eher abstrakt und modern, doch für diese Produktion entwickelte er acht kleinere Geschichten innerhalb der Petermännchen-Sage, darunter Szenen mit einem müden Soldaten, einem Betrunkenen und einem küssenden Pärchen.
„Diese verschiedenen Räume und Ideen kann man in der Musik hören“, schwärmt dos Santos. „Es ist sehr magisch, denn es transportiert die Zuschauer sofort zu dieser Idee.“ Die emotionale Tiefe der Komposition ermöglichte ihm eine besonders intensive choreografische Arbeit. Sein Ziel: „Ich will, dass diese Musik die Leute glücklich macht.“
Probenprozess und Premierenvorbereitungen
Die ersten Proben mit dem Orchester verliefen nach Gurvitchs Aussagen „positiv und auch aufregend“. Die Musiker nahmen die komplexen Rhythmen und vielschichtigen Passagen als Herausforderung an und spielten mit großem Enthusiasmus. Als Komponist und Dirigent in Personalunion kann Gurvitch besondere Akzente setzen: „Als Dirigent kann ich Sachen anders gestalten und probieren“.
Für den Komponisten, der am 6. Juni 2026 bereits sein fünftes Ballett „Tanz für den Frieden“ in der Hamburger Elbphilharmonie uraufführt, ist jedes neue Werk gleich wichtig: „Ich arbeite immer mit Seele und Herz“. Die Besonderheit der Ballettmusik sieht er in ihrer strukturellen Anlage: „Man hat Handlung und verbindliche Nummern, die jeweils 4 bis 5 Minuten dauern“.
Premiere und Vorstellungstermine
Die Uraufführung von „Quid si sic“ findet am 27. März 2026 um 19 Uhr im Schweriner Theaterzelt am Küchengarten statt. Weitere Vorstellungen sind an folgenden Terminen geplant:
- 29. März um 17 Uhr
- 31. März um 19 Uhr
- 6. April um 17 Uhr (Theatertag)
- 19. April um 16 Uhr
- 23. April um 19 Uhr
- 26. April um 17 Uhr
- 28. April um 10 und 19 Uhr
- 1. Mai um 17 Uhr
Karten sind unter der Kartentelefonnummer 0385 53 00-123 erhältlich. Das Schweriner Ballettensemble lädt das Publikum ein, in die mystische Welt des Petermännchens einzutauchen und eine zeitlose Sage in zeitgenössischer tänzerischer und musikalischer Interpretation zu erleben.



