Stefan-Heym-Preis an Juri Andruchowytsch: Humor als Waffe gegen Autorität
Stefan-Heym-Preis für ukrainischen Autor Andruchowytsch (20.04.2026)

Stefan-Heym-Preis an Juri Andruchowytsch verliehen: Humor als Waffe gegen Autorität

In einer feierlichen Zeremonie in Chemnitz wurde der diesjährige Stefan-Heym-Preis an den ukrainischen Autor Juri Andruchowytsch überreicht. Der mit 20.000 Euro dotierte Literaturpreis würdigt das Werk des Schriftstellers, der als eine der bedeutendsten intellektuellen Stimmen der Ukraine gilt.

Stimme seines Landes und Europas

Chemnitz/DPA – Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) bezeichnete Andruchowytsch in seiner Ansprache als die „Stimme seines Landes“ und „Stimme Europas“. Die Verleihung fand am Samstagabend statt und markierte einen Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt. Andruchowytsch nahm die Auszeichnung als ein starkes Solidaritätssignal für die Ukraine wahr und betonte: „Dieser Preis ist ein klares Zeugnis, dass Sie, Europäer, mit uns, mit der Ukraine sind.“

Gesellschaftspolitische Schärfe mit feinem Humor

Das Kuratorium des Stefan-Heym-Preises hob hervor, dass Andruchowytschs Werk gesellschaftspolitische Schärfe mit feinem Humor verbindet, der sich gezielt gegen autoritäre Systeme richtet. In seinen Büchern setzt sich der Autor seit langem mit den Entwicklungen in der Ukraine auseinander, darunter die Orangene Revolution und die Maidan-Bewegung. Katharina Raabe, Lektorin des Suhrkamp-Verlags für osteuropäische Literaturen, hielt die Laudatio und unterstrich die literarische und intellektuelle Bedeutung des Preisträgers.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vom experimentellen Lyriker zum engagierten Essayisten

Juri Andruchowytsch, geboren 1960, begann seine Karriere mit experimentell-satirischer Lyrik und wandte sich später verstärkt der Prosa und Essays zu. Er hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. In einer Mitteilung der Stadt Chemnitz wird er zitiert: „In der Bezeichnung des aktuellen Preises mag ich am besten den Punkt mit der Einmischung – in gesellschaftliche wie politische Debatten natürlich. Und ich mische mich gern ein.“

Einmischung und Munterkeit als Erbe von Stefan Heym

In seiner Dankesrede verwies Andruchowytsch auf den Namensgeber des Preises: „Ich glaube, dass Sie einen hervorragenden Lehrer der Einmischungen und der Munterkeit hatten, er hieß Stefan Heym.“ Stefan Heym, 1913 als Helmut Flieg in Chemnitz geboren, wuchs in einer deutsch-jüdischen Familie auf, floh vor den Nationalsozialisten in die USA und kehrte 1952 in die DDR zurück. Dort wurde er zu einer wichtigen Stimme der oppositionellen Literatur und war im wiedervereinigten Deutschland politisch aktiv. Der Stefan-Heym-Preis wird seit 2008 vergeben und ehrt Autoren, die sich durch gesellschaftliches Engagement auszeichnen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration