Schweriner Theaterzelt: 'Sweeney Todd' begeistert mit makabrem Musical-Horror
Im Schweriner Theaterzelt am Küchengarten feierte Stephen Sondheims düsteres Musical Sweeney Todd eine umjubelte Premiere. Die Inszenierung des Mecklenburgischen Staatstheaters verwandelt die gruselige Geschichte des rachsüchtigen Barbiers und seiner geschäftstüchtigen Komplizin in eine lustvolle Horrorshow, die das Publikum zwischen Schaudern und Lachen hin- und herreißt.
Ein mörderisches Duo begeistert das Publikum
Christoph Filler verkörpert den teuflischen Barbier Sweeney Todd mit dunklem Bariton und tödlicher Präzision, während Stefanie Dietrich als schrill-schräge Mrs. Lovett schauspielerisch glänzt. Ihr Zusammenspiel treibt die Handlung voran, in der Rache zur blutigen Geschäftsidee wird: Todds Opfer landen im Fleischwolf und bereichern als Pastetenfüllung Lovetts Bäckerei.
Die musikalische Qualität kommt durch Opernsänger wie Karen Leiber als unheimliche Bettlerin oder Anna Cavaliero als Todds Tochter Johanna voll zur Geltung. Tenor Christian Miebach überzeugt als Toby, und die Mecklenburgische Staatskapelle unter Dirigent Max Renne sorgt für opulente Klangeffekte, trotz kleiner rhythmischer Holperer aufgrund der Orchesterplatzierung hinter der Bühne.
Innovative Regie schafft hautnahes Theatererlebnis
Regisseurin Sandra Wissmann und Bühnenbildnerin Katrin Hieronimus nutzen die beengten Platzverhältnisse kreativ, indem sie Londons Straßen bis ins Publikum verlängern. Diese Nähe ermöglicht es den Zuschauern, Mimik bis in die letzte Stirnfalte zu verfolgen und sogar ins Geschehen einbezogen zu werden – etwa durch Interaktion mit der Bettlerin Penny.
Diese immersive Inszenierung sorgt für zusätzliche Gänsehaut und intensiviert den makabren Spaß. Wissmann führt ihre Figuren mit Witz durch das bizarre Geschehen und erzeugt trotz spritzenden Blutes sogar Mitgefühl für den Massenmörder Todd, was die moralische Ambivalenz der Geschichte unterstreicht.
Eine Gruselstory mit operettenhaften Zügen
Basierend auf einem Zeitungs-Fortsetzungsroman des 19. Jahrhunderts, hat Sondheim ein Musical mit operettenhaften Zügen geschaffen, das hierzulande selten aufgeführt wird. In Schwerin steht jedoch nicht gesellschaftskritische Tiefe, sondern fröhliches Gruseln im Vordergrund. Der Opernchor agiert dabei nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne und bereichert so die dynamische Aufführung.
Nächste Vorstellungen sind für den 22. Februar, 1., 10., 15., 20. und 22. März, 15. und 22. April sowie 1. Mai im Theaterzelt am Küchengarten geplant. Tickets kosten zwischen 21,90 und 43,90 Euro und sind unter 0385/5300-123 erhältlich.



