Bestseller-Autor Torsten Schulz widmet Roman der Fußball-Legende Jimmy Hoge
Der Schriftsteller Torsten Schulz hat mit seinem neuen Werk „Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ einen besonderen Roman vorgelegt, der gleich zwei bemerkenswerte Ost-Geschichten erzählt. Das Buch ist Teil der Reihe „Ikonen“ des Verlags Voland & Quist, in der Autoren über ihre persönliche Beziehung zu berühmten Fußballpersönlichkeiten schreiben.
Eine Kindheitsikone als imaginärer Freund
Im Mittelpunkt steht Günter „Jimmy“ Hoge, eine Vereinslegende des 1. FC Union Berlin, die den Autor seit seiner Kindheit begleitet. „Jimmy war für mich eine Art Projektionsfigur“, erklärt Schulz im Gespräch. „Ein Fußballkönner erster Güte, dem ich andichtete, frech, widerständig und anarchisch zu sein – so wie ich natürlich auch sein wollte.“ Der heute 66-jährige Autor beschreibt, wie er sich den nur 1,69 Meter großen Fußballer als imaginären Gesprächspartner und Mentor erschuf, eine Praxis, die nicht nur literarische Erfindung, sondern auch reale Kindheitserfahrung war.
Doppelte Ost-Biografie: Fußballer und Autor
Der Roman erzählt parallel die Lebensgeschichten von Jimmy Hoge und Torsten Schulz selbst – zwei Biografien, die untrennbar mit der DDR verbunden sind. Während Hoge trotz seines Talents aufgrund von Disziplinlosigkeit und politischen Vergehen nie die Karriere erreichte, die ihm möglich gewesen wäre, beschreibt Schulz seine eigene Position als weder Widerständler noch Anpasser, sondern als jemanden dazwischen. „Als die DDR zusammenbrach, war ich mit 29 jung genug, im neuen System durchzustarten, und alt genug, das verblichene System nennenswert kennengelernt zu haben“, reflektiert der Autor.
Union Berlin als Identifikationsgeschichte
Die Geschichte des 1. FC Union Berlin spielt im Roman eine zentrale Rolle. Schulz betont, wie der einst in der DDR benachteiligte Verein im vereinten Deutschland eine bemerkenswerte Aufstiegsgeschichte geschrieben hat. „Das ist natürlich eine Identifikationsgeschichte“, sagt er, warnt aber gleichzeitig davor, in „Ost-Tümelei“ abzugleiten. Der Autor beobachtet auch den Wandel des Fußballs: Während Jimmy Hoge noch in Friedrichshainer Kneipen anzutreffen war, sind heutige Profisportler oft medientrainiert und abgeschottet.
Persönliche Begegnungen und literarische Umsetzung
Torsten Schulz ist Jimmy Hoge tatsächlich begegnet – bei einer Lesung in der Union-Fankneipe „Abseitsfalle“. „Jimmy kam nach der Lesung zu mir, hatte meinen Roman ‚Boxhagener Platz‘ dabei und ließ ihn signieren – und zwar für seine Frau“, erinnert sich der Autor. Diese persönlichen Begegnungen und Gespräche mit Hoges Witwe flossen in den Roman ein, der trotz fiktionaler Elemente stark im realen Leben verwurzelt ist.
Die Kunst des literarischen Dribbelns
Im Roman wird das Fußballdribbling zur Metapher für das Schreiben selbst. „Dribblings sind die langen Sätze, die aus Haupt-, Neben- und Nebennebensätzen bestehen“, erklärt Schulz. „Zum Schachtelsatz kann unter anderem die Parenthese gehören, sie ist sozusagen das Innehalten mit dem Ball, das Abchecken des Gegners, bevor es weitergeht.“ Diese literarische Technik ermöglicht es dem Autor, komplexe Gedankengänge und Mutmaßungen auszudrücken.
Weitere Projekte und Zukunftsperspektiven
Neben seinem neuen Roman arbeitet Torsten Schulz an verschiedenen Projekten: Ein Hörspiel zu „Kindheit mit Jimmy“ ist in Planung, da diese dialogische Form dem Stoff besonders entspricht. Zudem entsteht eine Graphic Novel zu seinem Roman „Öl und Bienen“, und sein Debütwerk „Boxhagener Platz“ wird im Herbst beim Berliner Jaron Verlag neu aufgelegt. Der Autor arbeitet außerdem an einem neuen Roman, der im Milieu eines Filminstituts spielt und Erfahrungen aus seiner Zeit als Professor an der Filmuniversität Babelsberg verarbeitet.
Die Buchpremiere von „Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ findet am 10. März um 19 Uhr im Stadion An der Alten Försterei statt – ein passender Ort für ein Buch, das Fußball, Erinnerung und ostdeutsche Geschichte auf einzigartige Weise verbindet.



