Daniel Specks neuer Roman 'Villa Rivolta': Eine epische Reise durch Italiens goldene Jahre
Der Münchner Autor Daniel Speck, bekannt für seine meisterhaften epischen Familiengeschichten über kulturelle Grenzen hinweg, präsentiert mit seinem neuen Werk 'Villa Rivolta' ein fesselndes Stück italienischer Zeit- und Unternehmergeschichte. Der Roman, der am 26. Februar 2026 erscheint, entfaltet ein großes Panorama der goldenen Jahre Italiens und bedient zielsicher die große Fangemeinde des Autors.
Die Seelenverwandtschaft über Klassengrenzen hinweg
Im Zentrum des mitreißenden Pageturners stehen der Industriellensohn Piero und Valeria, die Tochter der Hausangestellten. Als Kinder entwickeln sie eine tiefe Seelenverwandtschaft, die alle gesellschaftlichen Schranken überwindet. Speck zeichnet dabei ein kontrastreiches Bild der italienischen Gesellschaft in einer Zeit des Wandels, wo verschiedene Gesellschaftsschichten im Mikrokosmos der Unternehmervilla mit angrenzender Fabrik auf engstem Raum zusammentreffen.
Zurück zu den Wurzeln: Die Verbindung zu 'Bella Germania'
Mit 'Villa Rivolta' kehrt Speck quasi zu seinem Erstling 'Bella Germania' zurück. Der Autor erklärt: 'Ich bin in München aufgewachsen, wo die Isetta als Lizenzmodell bei BMW produziert wurde. In 'Bella Germania' taucht der Vater der Isetta, Renzo Rivolta, als Nebenfigur auf.' Die Verbindung vertiefte sich 2018 bei der Premiere der italienischen Übersetzung in den alten Iso Rivolta-Fabrikhallen in Mailand.
Speck erinnert sich: 'Aus der ganzen Welt meldeten sich Menschen mit Iso Rivolta-Oldtimern an. Ich habe mir auch einen gekauft - gegen jede Vernunft - einen schönen, aber verrosteten Rivolta GT.' Dieses Auto, geboren im Herbst 1969 wie der Autor selbst, wurde mit viel Liebe instandgesetzt und führte Speck über die Alpen nach Mailand.
Die Begegnung mit Piero Rivolta
Kurz vor der Premiere erfuhr Piero Rivolta, Sohn und Nachfolger des Firmengründers Renzo, von der Veranstaltung und reiste aus Florida an. Nach der Lesung lud er Speck zum Aperitif in die bisher verschlossen gebliebene Villa Rivolta ein. 'Wir nahmen einen Aperitif im Salon zwischen Familienportraits und antiken Möbeln - eine Welt, die ich noch nie betreten hatte', beschreibt Speck den magischen Moment.
Der Autor blieb einige Tage in Mailand, und Piero Rivolta fragte ihn schließlich, ob er nicht Lust habe, sein aufregendes Leben aufzuschreiben. Speck zögerte zunächst: 'Ich sagte ihm, das sei eine Ehre, aber ich müsse erst mehr über ihn erfahren. Ich wusste noch nicht, ob sein Leben als Plot für einen Roman trägt.'
Dreieinhalb Wochen intensiver Recherche
Ein Jahr später trafen sich die beiden erneut am Lago Maggiore bei Pieros Tochter Marella, und schließlich verbrachte Speck dreieinhalb Wochen bei Piero und seiner Frau Lele in Florida. 'Er erzählte mir Geschichten aus seinem spannenden Leben, dabei entstand das große Gemälde einer Epoche, die ich sehr liebe', so der Autor, der als Student der Filmgeschichte in Rom mit italienischen Filmen der 60er Jahre groß geworden war.
In Pieros Erzählungen fand Speck das Mailand aus Antonionis 'La Notte' wieder, und die Geschichten der Fabrikarbeiter erinnerten ihn an Viscontis 'Rocco und seine Brüder'. Während des gesamten Schreibprozesses blieb Speck in engem Kontakt mit Piero: 'Wir haben regelmäßig telefoniert, immer wenn mir Details fehlten, an die Piero sich noch erinnern konnte.'
Der prägende Moment: Der frühe Tod des Vaters
Der zentrale Wendepunkt in Pieros Leben war der frühe Tod seines Vaters Renzo. Speck erklärt: 'Piero hatte eine herrliche, unbeschwerte Jugend. Aber dann musste er plötzlich im Alter von 25 Jahren die Firma und die Verantwortung für 500 Arbeiter und deren Familien übernehmen.' Renzo Rivolta, ein Protagonist der Gründergeneration, hatte schon wenige Monate vor seinem Tod den großen Schreibtisch für seinen Sohn geräumt.
Fiktion und Realität verschmelzen
Speck erfand Figuren wie Valeria, die Piero als Kindheitsfreundin begegnet und später in seiner Firma arbeitet, und Flavio, den Sohn eines Arbeiters aus dem armen Sizilien. 'Ich habe auch mit ehemaligen Mitarbeitern und ihren Nachfahren gesprochen, um ein kontrastreiches Bild zu zeichnen', betont der Autor. Doch alles, was Piero und Lele miteinander erleben, ist wahr - 'auch die unglaublichste Geschichte im Buch'.
Eine dieser unglaublichen Geschichten betrifft die erste Begegnung von Piero und Lele: Als Studentin machte ein junger Anwalt der begehrten Lele den Hof. Unentschlossen fuhr sie mit einer Freundin nach Indien und konsultierte einen Wahrsager, der ihr sagte, der Mann ihres Lebens heiße 'Peero'. Sie gab dem Anwalt einen Korb, und die Legende nahm ihren Lauf.
Die Kunst der Oldtimer-Beschreibung
Ein zentrales Thema des Romans sind die sinnlichen Beschreibungen der Rivolta-Modelle. Speck gesteht: 'Es war eine literarische Herausforderung, ein technisches Objekt wie ein Lebewesen zu beschreiben. Aber Oldtimer verkörpern etwas, das heute verloren gegangen ist.' Die italienischen Klassiker der Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahre waren für ihn wahre Kunstwerke.
Der Designer Giorgetto Giugiaro, Schöpfer des Iso Rivolta GT und Iso Grifo, kam von der Kunstakademie. 'Die Kunst der klassischen Proportionen hat Giugiaro vom Studieren der alten Meister', erklärt Speck und fügt hinzu: 'Da habe ich das Geheimnis italienischen Stils begriffen: Sprezzatura. Diese mühelose Eleganz.'
Der Garten als Symbol der Geborgenheit
Der Garten der Villa Rivolta spielt eine bedeutende Rolle im Roman. Speck verrät: 'Ich habe mich vor allem an den Garten meiner Großeltern in Untermenzing erinnert, in dem ich aufgewachsen bin. Der war für mich das, was für Piero und Valeria der Garten der Villa Rivolta ist: ein Stück heile Welt.' In den Siebziger Jahren, als die Welt in Aufruhr war - Ölkrise, Terrorismus, die Club-of-Rome-Studie - verkörperte dieser Ort einen Heimatort, an dem alle Stürme vorbeiziehen.
Fortsetzung bereits in Planung
Die spannende Firmengeschichte wird im Roman bewusst nicht zu Ende erzählt. Speck erklärt: 'Weil es ein zweites Buch geben wird. Ich habe die Handlung entworfen und gemerkt, das werden über tausend Seiten, weil da eine epische Welt entsteht.' Die Firmengeschichte in 'Villa Rivolta' endet, als Piero es geschafft hat, das Erbe seines Vaters zu retten. Im nächsten Buch gerät das Imperium in die Krise.
Interessant ist auch die Verbindung zu den Beatles: John Lennon war ein begeisterter Iso Rivolta-Fahrer, doch diese Geschichte bleibt für den zweiten Band reserviert. Speck verrät: 'Dazu gibt es eine wunderbare Anekdote über Piero und John, aber die verrate ich hier nicht. Da müssen Sie auf den zweiten Band warten.'
Insgesamt wurden nur etwa 1700 Iso Rivoltas gebaut - viel weniger als Ferrari, Maserati oder Lamborghini. Doch wenn man damit durch München fährt, 'trifft man nicht auf Neid, sondern auf Sympathie', so Speck. 'Manche erinnern sich an ihre Kindheit, manche freuen sich über die Schönheit - da gehen die Herzen auf.'
Der Roman 'Villa Rivolta' erscheint am 25. Februar 2026 im Fischer Verlag (608 Seiten, 25 Euro, auch als E-Book und Hörbuch erhältlich) und wird am 27. Februar um 19 Uhr im Literaturhaus München vorgestellt.



