Erich Loest zum 100. Geburtstag: Preisverleihung und Buch mit Briefwechseln
Erich Loest: Preis und Buch zum 100. Geburtstag

Erich Loest: Ein Schriftsteller wird zum 100. Geburtstag neu gewürdigt

Am 24. Februar 2026 wäre der bedeutende Schriftsteller Erich Loest 100 Jahre alt geworden. Die Hüter seines umfangreichen Nachlasses in Leipzig nutzen dieses Jubiläum, um das Werk und Wirken des Autors wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig hat dazu zwei besondere Initiativen gestartet.

Ein Sonderpreis für demokratisches Engagement

Stephan Seeger, geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung, betont die anhaltende Bedeutung Loests: „In Leipzig ist er noch sehr präsent. Aber in der großen Öffentlichkeit, in der großen Allgemeinheit ist es still geworden, und das hat er nicht verdient.“ Aus diesem Grund vergibt die Stiftung anlässlich des runden Geburtstags eine Sonderausgabe des Erich-Loest-Preises.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht am Dienstag an den Dresdner Schriftsteller Durs Grünbein. Normalerweise wird die Auszeichnung im Zweijahresrhythmus vergeben, die nächste reguläre Preisverleihung ist für 2027 geplant. Der Erich-Loest-Preis ehrt Personen, die sich – ähnlich wie der Namensgeber – offen und streitbar für demokratische Werte einsetzen.

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Historische Briefwechsel in Buchform

Parallel zur Preisverleihung erscheint ein neues Buch mit dem Titel „Erich Loest 'Mensch, was haben wir alles hinter uns'“, das von der Medienstiftung gefördert wurde. Die Publikation versammelt Korrespondenzen, die der Leipziger Ehrenbürger zwischen 1953 und 2013 mit zahlreichen Persönlichkeiten führte.

Den Anfang machen bewegende Briefe an seine Frau Annelies aus der Stasi-Haft in Bautzen, wo Loest von 1957 bis 1964 wegen angeblicher konterrevolutionärer Umtriebe inhaftiert war. Es folgen Austausche mit DDR-Autoren wie Walter Janka und Christa Wolf sowie mit westdeutschen Schriftstellern wie Walter Kempowski und Günter Grass.

Deutsch-deutsche Geschichte im Fokus

Der Historiker Seeger hebt die Bedeutung dieser Dokumente hervor: „Diese Briefwechsel zeigen, wie angesehen Loest im Kreise der Schriftsteller war.“ Loest, der 1981 in die Bundesrepublik übersiedelte und nach der Wende nach Leipzig zurückkehrte, gilt als prägender deutsch-deutscher Autor. Die Themen deutsche Teilung und Wiedervereinigung durchziehen sein Werk, besonders deutlich im bekannten Roman „Nikolaikirche“.

Die Kultur- und Umweltstiftung der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig verwahrt den umfangreichen Nachlass des Schriftstellers, der Hunderte Briefe, Manuskripte und handschriftliche Notizen umfasst – insgesamt mehr als 110 prall gefüllte Leitz-Ordner. Für das neue Buch wurde eine sorgfältige Auswahl dieser Schätze getroffen.

Bildungsimpuls für kommende Generationen

Stiftungsvorstand Seeger wünscht sich, dass das Buch künftig im Schulunterricht Verwendung findet: „Wer sich ein Bild machen will der vergangenen 80 Jahre deutscher Geschichte und auch etwas verstehen will von den Veränderungen, die es auch in der DDR gegeben hat, der kann das mit diesem Buch anhand dieser Briefwechsel nachvollziehen.“ Die Publikation bietet somit nicht nur literarischen, sondern auch zeitgeschichtlichen Mehrwert.

Mit diesen beiden Projekten – der Sonderpreisverleihung und der Buchveröffentlichung – setzt die Medienstiftung Leipzig ein deutliches Zeichen: Erich Loests literarisches Erbe und sein Engagement für Demokratie bleiben relevant und verdienen auch 100 Jahre nach seiner Geburt besondere Aufmerksamkeit.

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