Die österreichische Medien- und Performancekünstlerin, Filmemacherin und feministische Theoretikerin Valie Export ist am Donnerstag, wenige Tage vor ihrem 86. Geburtstag, in Wien gestorben. Das gab die Valie Export Stiftung bekannt. Die Künstlerin wurde durch ihre feministischen und provokativen Projekte weltberühmt. Ihr ganzes Leben widmete sie dem Kampf für die Gleichstellung von Frau und Mann. Dabei setzte die Provokateurin der 1960er- und 1970er-Jahre meist ihren eigenen Körper ein. Mit teils schmerzhaften und häufig nackten Grenzüberschreitungen wurde sie zur Ikone der feministischen Bewegung.
Frühe Jahre und künstlerischer Werdegang
Valie Export, geboren als Waltraud Lehner, kam 1940 in Linz zur Welt. Ihr Vater starb im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog drei Töchter allein groß. Waltraud rebellierte früh. Mit 18 Jahren wurde sie schwanger und ließ sich schnell vom Vater ihres Kindes scheiden. Ihre Tochter blieb bei ihrer älteren Schwester, als sie nach Wien ging, um Künstlerin zu werden. Ein Eklat, der sie bis in die Hauptstadt verfolgte. Später wurde ihr wegen einer Pornografie-Anklage – sie brachte ein skandalumwittertes Buch heraus – zeitweise das Sorgerecht entzogen. In Wien arbeitete sie zunächst für den Künstler Friedensreich Hundertwasser.
Provokation als künstlerisches Mittel
Ihr Werk umfasst nicht nur Performance, sondern auch Film, Fotografie und Medienkunst. Für ihre Aktion „Genitalpanik“ spazierte sie 1969 mit einer aufgeschnittenen Hose in München während eines Filmfestivals in einen Kinosaal und präsentierte ihr Schamhaar. Die Österreicherin wollte damit drastisch zeigen, dass Frauen oft nur als reine Lustobjekte dargestellt wurden. Ihre Performance gilt auch fast 60 Jahre später als Meilenstein des feministischen Aktionismus. Ihr Motto lautete: „Kunst muss aggressiv sein.“ Große Aufregung löste sie auch 1968 aus, als sie sich ihr „Tapp und Tastkino“ vor die nackte Brust schnürte. 33 Sekunden lang konnten Passanten in der Wiener Innenstadt durch einen kleinen Vorhang in den Kasten greifen und ihren entblößten Oberkörper ertasten. „Die Kinobesucher waren alle sehr sorgfältig“, erinnerte sie sich. Im selben Jahr führte sie ihren damaligen Partner und Kollegen Peter Weibel einmal mitten in Wien wie einen Hund auf allen Vieren an der Leine spazieren.
Kampf um Anerkennung und finanzielle Sorgen
Ihr Schaffen wurde lange verschmäht, sie selbst angefeindet und sogar einmal mit einer Bierflasche angegriffen. Finanzielle Sorgen hatte sie bis ins hohe Alter. „Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen“, sagte Export der dpa anlässlich ihres 80. Geburtstags. Der Feminismus müsse immer weiter kämpfen.
Namensänderung und späte Jahre
Um ihre eigene Identität zu schaffen, entledigte sie sich auch ihres Namens. Sie wollte weder den Nachnamen ihres Vaters noch den ihres Ex-Mannes tragen. Sie benannte sich in Valie Export um – stets in Großbuchstaben geschrieben. Das sollte deutlich machen, dass sie ihre inneren Gedanken nach außen trug. Ihr Bild der abgewandelten Zigarettenmarke „Smart Export“ hängt heute im Museum of Modern Art in New York. In späteren Jahren unterrichtete Export an Kunsthochschulen in Amerika und Europa, unter anderem in Köln und Berlin.
Valie Export hinterlässt ein beeindruckendes und kontroverses künstlerisches Erbe, das die Grenzen der Kunst und des Feminismus neu definiert hat. Ihr Tod ist ein großer Verlust für die Kunstwelt und die feministische Bewegung.



