Hagenower Schülerkunstausstellung: Seit 26 Jahren Brücke zwischen verschiedenen Lebenswelten
Schülerkunst verbindet Hagenow seit 26 Jahren

Schülerkunstausstellung in Hagenow: Eine Brücke zwischen verschiedenen Lebenswelten

Seit nunmehr 26 Jahren beteiligen sich sämtliche Schulen der Kleinstadt Hagenow an der traditionsreichen Schülerkunstausstellung. Für manche mag diese Veranstaltung auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär erscheinen, doch sie stellt eine vollkommen unterschätzte Gelegenheit dar, verschiedene gesellschaftliche Kreise zusammenzuführen.

Ein Format mit langer Tradition und großer Wirkung

Vor 26 Jahren entwickelten der damalige Museumsdirektor Henry Gawlick gemeinsam mit den Kunsterziehern aller Hagenower Schulen dieses besondere Format. Im Kunstunterricht entstehen regelmäßig Bilder zu einem vorab festgelegten Thema, die anschließend mehrere Wochen in der Alten Synagoge ausgestellt werden. Besucher und verschiedene Preisstifter bewerten die Werke, wobei Preise vom Bürgermeister, dem Kulturverein, dem Lions Club sowie von Bundes- und Landespolitikern vergeben werden.

Hagenow mag zwar eine überschaubare Kleinstadt sein, in der sich viele Menschen kennen, dennoch existieren hier zahlreiche soziale Kreise, die sich nur selten überschneiden. Die Schülerkunstausstellung schafft es jedoch jedes Jahr aufs Neue, diese verschiedenen "Blasen" zusammenzubringen und Kinder, Eltern sowie Lehrer aller Bildungseinrichtungen zu vereinen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Tiefgründige Geschichten hinter den Kunstwerken

Besonders während der Preisverleihung zum Abschluss der Ausstellung wird deutlich, dass hinter vielen Bildern erheblich mehr steckt, als beim ersten Betrachten vermutet werden könnte. Dies gilt selbst für das diesjährige Thema "Stillleben", das viele Preisstifter zunächst als weniger spannend empfanden.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist die 18-jährige Mary, die den Preis der Justizministerin für ihr Stillleben erhielt. Ihr Werk zeigt einen abgepflückten Löwenzahn im Spiegel. "Ich wollte damit darstellen, wie entwurzelt ich mich durch den Krieg in meiner Heimat gefühlt habe", erklärt die junge Künstlerin die tiefere Bedeutung ihres Bildes.

Ein weiteres interessantes Werk trug den Zusatz "unter Verwendung von KI gestaltet" und wurde von den Preisstiftern zunächst eher skeptisch betrachtet. Die Direktorin der Mikadoschule klärte jedoch auf, dass die Künstliche Intelligenz einem motorisch beeinträchtigten Schüler überhaupt erst ermöglicht hatte, seine künstlerische Vision umzusetzen.

Kunst braucht Rahmen und Öffentlichkeit

Ohne die Schülerkunstausstellung wären derartige Einsichten vielen Menschen verborgen geblieben, da sie außerhalb des gewöhnlichen Alltags stattfinden. Das Erleben von Kunst besitzt einen zusätzlichen Wert, dessen Wahrnehmung erlernt werden muss. "Kunst braucht einen Rahmen, und Kunst braucht eine Öffentlichkeit, die sie ansieht", betont Kunsterzieher Maik Strube vom Robert-Stock-Gymnasium.

Das Programm der Veranstaltung wird stets von Schülern einer teilnehmenden Schule gestaltet, in diesem Jahr übernahm das Robert-Stock-Gymnasium diese Aufgabe. Bürgermeister Thomas Möller verlieh während der Preisverleihung einen besonderen Preis an drei Schülerinnen, die eine beeindruckende Gruppenarbeit eingereicht hatten.

Bildung jenseits von Mathematik und Deutsch

Immer wieder steht der Kunstunterricht in der öffentlichen Diskussion, da viele Eltern sich fragen, ob diese Stunden nicht sinnvoller mit Mathematik oder Deutsch gefüllt werden sollten. Doch Kinder und Jugendliche müssen auch lernen, sich auszudrücken – und zwar nicht nur sprachlich, sondern auf vielfältigen Ebenen. Zudem kann es niemals schaden, wenn unterschiedliche Lebenswirklichkeiten in geschützten Räumen wie dieser Ausstellung aufeinandertreffen.

Die Hagenower Schülerkunstausstellung beweist seit mehr als einem Vierteljahrhundert, dass Kunst nicht nur ästhetischen Wert besitzt, sondern auch soziale Brücken bauen und tiefe menschliche Erfahrungen sichtbar machen kann. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltungen zunehmen, gewinnt dieses Format zusätzliche Bedeutung als Ort der Begegnung und des gegenseitigen Verständnisses.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration