Eine verloren geglaubte Wandbespannung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist nach aufwendiger Restaurierung nach Schloss Plüschow zurückgekehrt. Zuvor schlummerte sie jahrzehntelang in einer Garage bei Grevesmühlen. Das Künstlerhaus Schloss Plüschow und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) haben das außergewöhnliche Stück gemeinsam restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wandbespannung diente in der Not als Kälteschutz
Der Weg der Wandbespannung spiegelt die bewegte Geschichte des Schlosses wider. Wie Miro Zahra, Leiterin des Künstlerhauses, schildert, waren die Räume des Schlosses bis 1945 noch original eingerichtet. „Dann kamen Tausende Geflüchtete hierher. Es waren 1200 Personen auf dem ganzen Hof, in den Wirtschaftsgebäuden, aber auch im Schlossgebäude selbst untergebracht“, berichtet sie. Zeitzeugen zufolge wurden die Wandbespannungen damals abgenommen und zerschnitten, um Stroh darin einzuwickeln. „Die Menschen haben dann darin geschlafen“, sagt Zahra. Später wanderten die Bespannungen in ein Nachbargebäude und wurden als Bau- oder Dämmmaterial genutzt.
Von einer Garage bei Grevesmühlen zurück ins Schloss
1990 entdeckte ein aufmerksamer Bauarbeiter das kostbare Textil unter Papiertapeten in einem Nachbargebäude von Schloss Plüschow – versteckt unter dem Dach und dem Bauschutt nur knapp entgangen. Über 30 Jahre lang bewahrten seine Nachkommen das Stück sorgfältig in einer Garage in der Nähe von Grevesmühlen auf, bevor sie es im Sommer 2023 dem Förderkreis Schloss Plüschow übergaben. In einem gemeinsamen Projekt des Künstlerhauses und des LAKD wurde der Fund von den Restauratorinnen Susanne Buch und Annette Seifert restauriert. Gleichzeitig galt es, das Motiv – eine prachtvolle Fantasielandschaft – wissenschaftlich zu untersuchen und die Bespannung nach Fertigstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Ausstellung „Das Wunder von Plüschow“ eröffnet am 9. Mai
Am 9. Mai eröffnet die Ausstellung „Das Wunder von Plüschow – Das verlorene Landschaftszimmer kehrt zurück“ um 15 Uhr mit einem Dialogformat mit der Künstlerin Juliane Laitzsch. Sie hat sich künstlerisch mit der Rückseite des Fundstücks auseinandergesetzt. Kulturministerin Bettina Martin betonte bei einem Vorabtermin: „Dass diese verloren geglaubte Wandbespannung heute wieder in neuem Glanz für alle Menschen zugänglich ist, ist ein kleines Wunder. Dass sie nach so vielen Jahren wieder auftaucht und bewahrt werden kann, ist in diesem Fall direkt der Verdienst von bürgerlichem Engagement und Wertschätzung für unsere Geschichte.“
Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des LAKD, erklärte: „Nach erster kulturhistorischer Einschätzung ist es einmalig in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben nicht noch einmal solche Fragmente. Es gab solche Bespannungen natürlich auch in anderen Schlössern, wie Dargun oder Zühr, die sind aber alle verloren gegangen.“
Pädagogische Angebote und KI-Rekonstruktion
Das Projekt setzt auf lebendige Vermittlung: Speziell entwickelte pädagogische Angebote führen Kinder und Jugendliche an das Thema heran, während ein Bastelbogen Familien einlädt, die Inhalte kreativ zu entdecken. Eine Magnettafel mit Puzzle-Elementen im Nachbarzimmer zeigt, wie der Rest des Fragments ausgesehen haben könnte – rekonstruiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.



