Es war ein Abend voller Nostalgie und purer Energie: Die Berliner Punkband Die Skeptiker feierte ihr 40-jähriges Bestehen mit einem mitreißenden Livekonzert im halleschen Klub Tante Manfred. Vor rund 150 Gästen im ausverkauften Kellergewölbe bewies das Quintett um Frontmann Eugen Balanskat, dass sie auch nach vier Jahrzehnten nichts von ihrer Wucht eingebüßt haben.
Ein Orkan aus Schnelligkeit und Protest
Bereits 1985 gründete Balanskat die Band, die schnell als schnellste Punkband der DDR bekannt wurde. Mit Songs wie „Sauerei“, „Dada in Berlin“ und „Harte Zeiten“ trotzten sie damals dem SED-Regime. Am Freitagabend schien die Zeit stehen geblieben zu sein: Schon beim ersten Akkord von „Sauerei“ brach das Chaos aus. Das Publikum – eine bunte Mischung aus ergrauten Punks der ersten Stunde und neugierigen jungen Leuten – tanzte ekstatisch, als gäbe es kein Morgen.
Balanskat: Ein Senior mit ungebrochener Leidenschaft
Eugen Balanskat, heute 67 Jahre alt, trug einen auffälligen Yin-und-Yang-Anzug und gab auf der winzigen Bühne alles. Er riss die Knie hoch, tanzte wild und ließ sich von der stickigen Hitze im Klub nicht bremsen. „Wenn ich so einen Klub in der Nähe hätte, wäre ich öfter da“, rief er dem Publikum zu. Seine Stimme, eine gespannte Klaviersaite, trug die Melodiebögen mit einer Intensität, die unter die Haut ging.
Brücke zwischen den Generationen
Die Skeptiker verstehen sich als Brücke zwischen den Punk-Generationen. Die Texte, einst voller Wut und Hoffnung, wirken auch heute noch aktuell. Besonders bewegend war der Moment, als die Hymne „Aufstehn“ erklang und der ganze Saal aus voller Kehle mitsang: „Es wird vorbeigeh'n, schneller als gedacht. Eine Kraft wird aufsteh'n, die ein Ende macht.“ In diesem Augenblick wurde klar: Die Skeptiker heißen zwar so, aber sie waren nie Pessimisten, sondern Optimisten, die an Veränderung glauben.
Neue Songs und ein nostalgischer Abschluss
Neben den Klassikern spielte die Band auch neue Stücke, die zwar weniger euphorisch gefeiert wurden, aber eine dunklere, nachdenklichere Note hatten. Zum Abschluss gab es eine nostalgische Überraschung: Die Skeptiker spielten ihre Version von „Ein Lied geht um die Welt“, das 1933 vom Wiener Komponisten Johannes Mayer geschrieben wurde, der wenig später vor den Nazis nach London fliehen musste. Der Abend endete in einem Meer aus Jubel, mit verschwitzten T-Shirts und einem atemlosen Sänger, der versprach: „Wir machen weiter, so lange es geht.“
Kondenswasser tropfte von der Decke, Bierflaschen kippten um, alte Bekannte lagen sich nach Jahren wieder in den Armen. Es war ein Klassentreffen der besonderen Art – ein Abend, der zeigte, dass Punk mehr ist als nur Musik: eine Haltung, die Generationen verbindet.



