Club der toten Dichter: 20 Jahre lyrische Lieder von Reinhardt Repke
Seit zwei Jahrzehnten verwandelt Reinhardt Repke, der frühere Bassist der erfolgreichen Rockband Rockhaus, klassische Dichtung in bezaubernde Pop-Songs. Mit seinen vertonten Gedichten begeistert der Berliner Musiker Tausende von Fans. Auf dem siebten Album seiner Band Club der toten Dichter widmet er sich nun dem Werk des genialen Sprachspielers Christian Morgenstern, der vor allem für seine skurrilen Galgenlieder berühmt ist.
Vom Rockstar zum Pop-Poeten
Repke, von Freunden und Fans nur Maxs genannt, entdeckte seine Leidenschaft für Poesie eher zufällig. In der Schulzeit war ich froh, als der Deutschunterricht vorbei war, erinnert er sich. Doch ein Bändchen mit Gedichten weckte sein Interesse: Ich schlug es auf, und es machte sofort Klick. Innerhalb von zehn Minuten hatte er sein erstes Lied komponiert – ein Moment, den er als Öffnung einer neuen Tür beschreibt, die ihn vom Rockstar zum Pop-Poeten verwandelte.
Privat hatte Repke stets die Gitarre bevorzugt, die er sich als Kind selbst beibrachte. Später lernte er von Gitarrist Stefan Diestelmann, doch im Rock’n’Roll-Alltag blieb wenig Raum für solche Feinheiten. Erst der Dichter Heinrich Heine, dessen Werke ihn trösteten, inspirierte ihn zu eigenen Kreationen. Jedes Gedicht sprach zu mir, als hätte es darauf gewartet, vertont zu werden, sagt Repke. Schnell entstand ein ganzes Album.
Die Entstehung des Clubs
Für die Umsetzung holte Repke Sänger Dirk Zöllner an Bord, und in einer Berliner Kneipe erhielt das Projekt seinen Namen: Club der toten Dichter, inspiriert vom Film mit Robin Williams. Inzwischen sind sechs Alben mit Vertonungen von Dichtern wie Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke und Eva Strittmatter entstanden. Die Arbeit am siebten Album machte Repke bewusst, dass bereits 20 Jahre vergangen sind.
Für das neue Werk schlug ein Fan Christian Morgenstern vor. Die Galgenlieder faszinierten mich sofort, erklärt Repke, der den Dichter nicht nur auf humorvolle Aspekte reduziert sieht. Nach anfänglichen Skizzen entstand nun ein Album mit 14 Songs, die mal leise, mal laut, eindringlich und schräg die Vorlagen des 1914 verstorbenen Poeten interpretieren.
Künstlerische Zusammenarbeit
Unterstützung erhielt Repke vom Bassisten Markus Runzheimer und dem Schauspieler Hans-Werner Meyer, bekannt aus Serien wie Letzte Spur Berlin. Meyer, dessen Vater Morgenstern rezitierte, war sofort Feuer und Flamme: Er will, er muss das singen. Diese Begeisterung teilen alle Gastsänger des Projekts, von Norbert Leisegang bis Peter Lohmeyer, die stets sofort zusagten.
Runzheimer überzeugte Repke trotz anfänglicher Zweifel mit seiner Leidenschaft. Vom ersten Ton an wusste ich, das ist genau mein Mann, sagt der Musiker. Die Livetermine in der Region, darunter Auftritte in Halle, Eisleben, Leipzig und Magdeburg, zeigen die anhaltende Popularität des Clubs.
Reinhardt Repkes Reise von der Rockbühne zur poetischen Bühne ist ein einzigartiges Kapitel der deutschen Musikszene, das Tradition und Moderne verbindet und die zeitlose Kraft der Dichtung feiert.



