Esther Sedlaczek: So läuft die Arbeit mit Schweinsteiger wirklich
Esther Sedlaczek über ihr Verhältnis zu Schweinsteiger

Esther Sedlaczek im AZ-Interview: Über Schweinsteiger, Nagelsmann und die XXL-WM

Esther Sedlaczek zählt zu den bekanntesten Fußballmoderatorinnen Deutschlands. Gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger bildet sie ein Duo, das für seine spontane Chemie und humorvollen Wortgefechte bekannt ist. Im Gespräch mit der AZ gewährt die 40-Jährige Einblicke in ihre Arbeitsweise, die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada sowie den Umgang mit einem verärgerten Bundestrainer.

„Nichts davon ist geplant“ – Die Chemie mit Schweinsteiger

Auf die Frage, wo sie sich mit Schweinsteiger in der Reihe legendärer Moderatoren-Duos wie Delling/Netzer oder Welke/Kahn einordne, winkt Sedlaczek ab: „Gar nicht. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Vergleiche hinken sowieso immer.“ Stattdessen betont sie die Spontaneität ihrer Zusammenarbeit: „Wir geben uns gegenseitig Raum und reagieren spontan. Wenn sich eine Situation ergibt, dann greifen wir sie auf – auch mit Humor. Aber nichts davon ist geplant oder inszeniert.“

Das gegenseitige Foppen, das im deutschen Fernsehen eher ungewohnt sei, entstehe organisch. „Wir lachen übereinander und über uns selbst. Und: Wir nehmen uns danach nichts krumm. Es gab noch nie eine Situation, in der einer zum anderen gesagt hätte: ‚Was sollte das denn jetzt?‘“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

„Unbezahlbar“ – Die dritte gemeinsame Großveranstaltung

Sedlaczek und Schweinsteiger werden bei der WM 2026 zum dritten Mal ein großes Turnier gemeinsam moderieren. „Ja, man freut sich auf die Vorbereitung, auf die Spiele, auf das ganze Team, mit dem man unterwegs ist. Wenn das passt, ist das unbezahlbar“, schwärmt sie. Dass sie zuletzt für eine WM-Doku mit Thomas Hitzlsperger unterwegs war, erklärt sie pragmatisch: „Eine Dokumentation hat nichts mit den Live-Übertragungen zu tun. Und Thomas ist eines unserer Gesichter. Das hat sich sehr gut ergeben.“ Zudem habe sie als Mutter eines kleinen Sohnes zeitliche Grenzen: „Ich war in den USA und in Mexiko, Thomas war beispielsweise in Curaçao und Kanada unterwegs.“

WM-Stimmung in den USA: „Noch nicht wirklich präsent“

Wie erlebt Sedlaczek die Stimmung vor der WM in den USA? „Ganz ehrlich? Noch keine große. In den USA ist die WM im Moment noch nicht wirklich präsent. Selbst im Taxi muss man oft erklären, was demnächst überhaupt ansteht.“ Dennoch zeigt sie sich optimistisch: „Die Amerikaner sind Meister darin, Euphorie zu erzeugen – gerade im Showgeschäft. Merchandising, Events, Inszenierung: Das wird alles kommen. Aber aktuell ist es noch erstaunlich ruhig.“

Größte Herausforderung: Die Distanzen bei der XXL-WM

Die WM mit 48 Mannschaften in drei Ländern stellt das Team vor logistische Hürden: „Ganz klar: die Distanzen. Vier, fünf Stunden Flug zwischen Spielorten, mehrere Zeitzonen, alle zwei Tage ein anderes Hotel. Das ist eine völlig andere Belastung als eine EM in Europa oder eine kompakte WM wie zuletzt.“ Gleichzeitig reizt sie die neue Erfahrung: „Ich werde die USA in kürzester Zeit unglaublich intensiv kennenlernen. Das hatte ich in Katar so nicht. Und bei der Heim-EM war vieles vertraut. Diesmal ist alles neu – das reizt mich sehr.“

Politische Neutralität versus Haltung

Auf die Frage, wie politisch sie in ihren Moderationen werden dürfe, antwortet Sedlaczek klar: „Nein, das sollte man auch nicht. Wir erleben gerade Konflikte, die so nah sind wie lange nicht mehr. Es gibt einen Krieg in Europa. Das darf man nicht ignorieren.“ Der Fußball solle verbinden, doch der Spagat sei schwierig: „Fußball muss ein Raum bleiben, der Menschen zusammenbringt, der eine Auszeit ermöglicht. Gleichzeitig muss man Haltung zeigen. Beides auszuhalten, ist die Herausforderung.“ Ihre persönliche Grenze: „Man kann nicht auf alles eingehen. Aber es gibt rote Linien. Wenn sie überschritten werden, dann muss man darüber sprechen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Der Umgang mit einem angefressenen Bundestrainer

Ein besonderer Moment war das Interview mit Julian Nagelsmann nach dem 0:2 in der WM-Quali gegen die Slowakei im Herbst 2025. „Inhaltlich bereitet man sich immer vor – klar. Aber entscheidend ist etwas anderes: die Situation zu lesen. Wie kommt jemand auf mich zu? Wie ist die Haltung?“ Macht sie das nervös? „Ja, manchmal schon. Aber nicht aus Angst, sondern aus Respekt vor der Situation. Und dann vertraue ich mir selbst – meiner Erfahrung und meiner Empathie.“ Sie verstehe, wenn ein Trainer seine Mannschaft schützen wolle. „Wenn jeder gesehen hat, dass es nichts war, dann sollte man das nicht schönreden.“

Bei schroffen Reaktionen bewahrt sie innere Distanz: „Das Allerwichtigste ist, nichts persönlich zu nehmen. Eine innere Distanz zu bewahren. Dann steht man da drüber.“ Und wenn ein Nachhaken nötig sei, mache sie das „ganz ruhig. Das gehört zum Job.“