Gitte Haenning: Vom Kinderstar zur Jazz-Ikone wird 80
Gitte Haenning: Vom Kinderstar zur Jazz-Ikone

Gitte Haenning ist ein Phänomen. Die dänische Sängerin war gerade 16 Jahre alt, als sie im Juni 1963 den Deutschen Schlagerwettbewerb in Baden-Baden gewann und mit „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ einen Nummer-1-Hit in Deutschland erzielte. Über eine Million Vinyl-Singles wurden verkauft. Über Nacht war Gitte in Deutschland ein Superstar. 1973 vertrat sie die Bundesrepublik mit dem Song „Junger Tag“ beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Luxemburg. Es folgte eine jahrzehntelange Karriere als Schlager-, Pop- und Jazz-Sängerin, die bis heute andauert. Wir sprachen mit Gitte Haenning anlässlich ihrer Konzerte in Rostock, Neubrandenburg und Greifswald, die im Rahmen des Festivals „Nordischer Klang“ stattfinden, über ihre frühen Anfänge als Kinderstar in Kopenhagen, ihr aktuelles Duett mit Nina Hagen und ihre Pläne für das neue Jubiläumsprogramm zu ihrem 80. Geburtstag.

Frühe Jahre als Kinderstar

Gitte Haenning begann ihre Karriere sehr früh. In Skandinavien war sie bereits bekannt, bevor sie in Deutschland berühmt wurde. „Ich war sehr früh ein Kinder-Star. Obwohl ich das gar nicht wollte“, erinnert sie sich. „So bin ich bis heute ambivalent unterwegs, ganz anders als viele meiner Kolleginnen.“ Ihr Vater, ein Troubadour und Chansonieur, hatte ein tolles Repertoire, konnte aber die Familie nicht ausreichend ernähren. Ein Produzent schlug vor, ein Duett zwischen Vater und Tochter aufzunehmen. Die ältere Schwester war mit 12 Jahren zu alt, also kam Gitte mit acht Jahren ins Spiel. „Ich hatte keinen Bock darauf, aber mir wurde ein Fahrrad versprochen, wenn die Aufnahme erfolgreich wäre. Also stimmte ich zu. Und dann waren alle begeistert, nur ich stand staunend daneben. Meine Kindheit war früh beendet.“

Jazz, Boogie-Woogie und Swing

Schon in den 1950er-Jahren beherrschte Gitte Haenning Jazz, Boogie-Woogie und Swing. „Die Musiker, die damals engagiert wurden, liebten den Jazz. Das hat mich früh geprägt und verzaubert.“ Ihr strenger Gesangslehrer war nicht ideal, aber ein älterer Herr, den ihre Mutter fand, ließ ihr beim Singen Flügel wachsen. „Er sprach zu meiner elfjährigen Seele und redete mich mit ‚Sie‘ an. Vielleicht hat er meine junge Seele gerettet.“

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Verhältnis zu Dänemark und Grönland

Gitte Haenning lebt heute in Berlin, liebt aber Kopenhagen und Dänemark. „Dänemark ist ein kleines Königreich, fast ein Märchenland. Das sozialdemokratische Erbe ist wichtig.“ Zu Grönland sagt sie: „Man muss Sorge haben. Der dänische Imperialismus war schlimm genug, aber die Grönländer können sich entscheiden. Ich bin froh, dass Europa sich solidarisch gezeigt hat.“

Konzerte in Mecklenburg-Vorpommern

Bei ihren Konzerten in Rostock, Neubrandenburg und Greifswald tritt Gitte Haenning mit einem Duo auf, ohne Schlagzeuger. „So kann man mehr Fantasie spielen lassen. Ich habe einige Überraschungen eingeplant.“ Im Mai startet in Berlin ihr neues Programm „Ich bin stark – 80 Jahre Gitte Hænning“, dann mit einem Trio. Kritiker loben ihre wandlungsfähige Stimme, die mühelos zwischen Schlager, Jazz, Blues, Soul und Musical wechselt. „Ich möchte immer ein Jazz-Gefühl spüren lassen. Blues, Rock ’n’ Roll, Soul, Poesie und Lyrik sollen zusammenkommen. Temperament ist das Salz und Pfeffer auf der Bühne.“

Auftritt beim Nordischen Klang

Am 8. Mai eröffnet Gitte Haenning das Festival „Nordischer Klang“ in Greifswald, das in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft Dänemarks steht. „Ich freue mich riesig! Gemeinsam mit Sebastian Weiss am Flügel und Andreas Lang am Kontrabass bringe ich den Spirit des Jazz auf die Bühne. Vielleicht gibt es auch das eine oder andere Lied auf Dänisch.“

Duett mit Nina Hagen

Kürzlich sang Gitte Haenning mit Nina Hagen den Titelsong von Ninas LP „Highway To Heaven“. „Nina und ich sind seit langem befreundet und lieben den Gospelgesang. Die Kooperation war gar nicht ungewöhnlich.“

Musikhören heute

Gitte Haenning besitzt noch einen Plattenspieler, aber ihre Anlage ist defekt. Sie hat kein Streaming-Abo, hört aber gelegentlich online Musik. „Ich höre oft dort rein.“

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Termine

  • 22. April: Rostock, Nikolaikirche
  • 30. April, 19:30 Uhr: Neubrandenburg, Konzertkirche
  • 8. Mai, 20 Uhr: Greifswald, Eröffnung Festival Nordischer Klang, Stadthalle
  • 29. bis 31. Mai: Berlin, TIPI am Kanzleramt (Tourstart „Ich bin stark – 80 Jahre Gitte Hænning“)
  • 14. September, 19:30 Uhr: Hamburg, Schmidts Tivoli

Das Programm des Festivals Nordischer Klang ist unter www.nordischerklang.de zu finden.