Heino begeistert in Wittenberge: Mit 87 Jahren rockt die Legende weiter die Bühne
Wittenberge • Die Rufe „Heino, Heino“ hallten bereits nach den ersten beiden Songs durch den voll besetzten Saal des Kultur- und Festspielhauses in Wittenberge. Am Donnerstagabend bewies die lebende Legende Heino einmal mehr, warum er als „Deutschlands Volkssänger Nr. 1“ gilt. Mit 87 Jahren stand er über zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne und präsentierte nicht nur Musik, sondern auch eine klare Botschaft der Unbeugsamkeit.
Volles Haus und ausgelassene Stimmung
Während große Namen zuletzt nicht immer für volle Säle in Wittenberge sorgten, war es bei Heino völlig anders. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung ausgelassen und euphorisch. Der Sänger heizte dem Publikum mit zeitlosen Klassikern wie „Caramba, caracho, ein Whisky“, „Schwarze Barbara“ und „Blau blüht der Enzian“ derart ein, dass sich viele Besucher von ihren Plätzen erhoben und mitsangen.
Seit den 1960er-Jahren ist Heino in der Musikszene aktiv – fast zeitgleich mit den Beatles begann seine Karriere. „Die sind Geschichte, ich bin noch da“, sagte er selbstbewusst während des Konzerts. Der in Düsseldorf geborene Rheinländer lässt sich längst nicht mehr von Kontroversen beirren und steht unbeirrt für deutschsprachige Musik, Volkstümliches und Schlager.
Junge Fans und glückliche Gewinner
Besonders bemerkenswert war die Altersvielfalt im Publikum. Neben den älteren Semester fanden sich auch viele junge Leute ein, die Deutschlandfahnen mit einem stilisierten Heino-Bild als Bundesadler schwenkten. Zu ihnen gehörten der 28-jährige Marcel aus Wittenberge und sein 25-jähriger Freund John-Luca aus der Nähe von Bielefeld. „Wir sind beide Fans von Heino“, erzählten die Jugendlichen. „Das ist doch ordentliche Stimmungsmusik – und sie ist auf Deutsch gesungen.“
Im Vorfeld hatte der „Prignitzer“ zwei mal zwei Karten für das Konzert verlost. Zu den glücklichen Gewinnern zählten Jeannine und Heino Böning aus Wittenberge, die gerade ihren 30. Hochzeitstag feierten. „Meine Eltern haben sich wohl etwas dabei gedacht, dass sie mir diesen Namen gegeben haben“, meinte Heino Böning schmunzelnd. Beide sind begeisterte Anhänger des Volksmusiksängers.
Musikalische Vielfalt und klare Botschaft
Heino beschränkte sich nicht nur auf seine eigenen Hits. Neben Volksmusik-Klassikern wie „Lustig ist das Zigeunerleben“ – bewusst als Statement gesetzt – oder „Rosamunde“ erinnerte er mit „Fiesta Mexicana“ an seinen früheren Kollegen Rex Gildo. Im Laufe des Abends wechselte die Musikfarbe: Heino zog sich eine Lederjacke an, die Musik wurde rockiger, und er präsentierte neue Titel wie „Ein Gläschen am Morgen“.
Auch der umstrittene Party-Hit „Layla“, dem Sexismus vorgeworfen wird, erklang. Mit solchen gezielt gesetzten Tabubrüchen unterstrich der Sänger seine Botschaft: Ich lasse mich nicht verbiegen. Sein Manager Helmut Werner brach auf der Bühne eine Lanze für deutschsprachige Musik und für die deutsche Nationalhymne, die Heino als Abschlusslied zum Besten gab.
Standing Ovations und Zukunftsperspektiven
Vor der während des gesamten Konzerts präsenten deutschen Fahne erhob sich der gesamte Saal von den Plätzen. Fast wie ein Staatsakt endete das Konzert mit lautem Jubel und donnerndem Applaus. „Er ist der einzige Künstler, der sich das traut“, betonte Manager Werner – und dürfte damit recht haben.
Die Botschaft kam beim Publikum an: Hier steht ein Sänger zu dem, was er verkörpert, und seine Fans danken es ihm mit standing Ovations. Ans Aufhören denkt Heino offenbar nicht: Sein Vertrag im „Bierkönig“ auf Mallorca wurde bis zu seinem 100. Geburtstag verlängert. Eine beachtliche Leistung für einen Mann, der seit sieben Jahrzehnten die Bühne rockt und weiterhin Jung und Alt begeistert.



