Julian Sommer: Vom Bierkönig in die Stille der Vulkaneifel
Während die Bierkönig-Bühne in der Playa de Palma noch auf die Sommersaison wartet, arbeitet Julian Sommer bereits an den Hits für die kommende Partysaison. Der 28-jährige Ballermann-Star hat sich in einem schmucklosen Gewerbegebiet nahe dem Nürburgring ein neues Studio eingerichtet, wo er fernab des Trubels seine Songs produziert.
Die Ruhe vor dem Sturm
An einem Donnerstagmittag Ende Februar sitzt der Sänger konzentriert vor zwei Bildschirmen. Geduldig arrangiert er die bunten Kästchen seiner 150 Tonspuren – Gesang, dutzende Chöre, Instrumente und Bässe. „Alles muss sitzen. Für den nächsten, großen Hit“, erklärt Sommer, während er literweise Apfelschorle aus seinem Thermobecher trinkt und auf die Bäume und Berge der Vulkaneifel blickt.
Die Stille wird nur unterbrochen, wenn er seinen brandneuen Song „Dachdecker“ laut anspielt. „Weißt du, was ich mache jetzt? Jetzt wird sich das Dach gedeckt“, singt er darin – ein typischer Partyschlager, bei dem es nicht um Handwerkerarbeiten im engeren Sinne geht.
Vom Ballermann-Fan zum Malle-Star
Julian Sommer, der früher als Kfz-Mechatroniker in der Eifel arbeitete und mit seinem Handballverein am Ballermann feierte, erlebte 2022 seinen Durchbruch mit „Dicht im Flieger“. Der Song erreichte Platz sieben der deutschen Single-Charts und wurde ein Jahr später sogar von Heino gecovert.
„Corona hat einer ganzen Generation das Partymachen verwehrt. Es gab danach einen unglaublichen Nachholbedarf“, erklärt Sommer den Boom von Partysongs wie „Layla“, „Bumsbar“ oder seinem eigenen Hit. Der Musiker setzt voll auf Social Media und trifft mit seiner Vermarktung über Instagram und TikTok den Nerv der Zeit.
Hits am Fließband
Seit seinem Durchbruch gehört Sommer zu den Großverdienern der Playa de Palma. Seine Songs erreichen Millionen von Streams auf Spotify: „Dicht im Flieger“ über 100 Millionen, „Peter Pan“ mit Mia Julia 73 Millionen, „Handwerker“ mit Mickie Krause 41 Millionen und „Oben ohne“ 31 Millionen.
„Wenn ich mir meine Topsongs auf Spotify anschaue, die alle im höheren Millionenbereich liegen, denke ich mir schon: Für diese kurze Zeit ist das echt stark“, sagt der sichtlich stolze Musiker.
Mehr als nur der Ballermann-Typ
Doch Julian Sommer will mehr sein als der Typ, der „Wo sind die Ladys“ in die Menge ruft. Vor zwei Jahren gründete er mit seinem älteren Bruder Max eine Plattenfirma, kaufte ein Mehrfamilienhaus und baute dort Studios und Büros ein. Gym und Schlafmöglichkeiten sollen folgen.
In seinem Studio arbeitet er mittlerweile auch für andere Stars der Partyszene, textet für Stefan Stürmer und Framax („Eine Woche Malle“) oder Frenzy („Astronaut“). Seit Weihnachten hat er 10 bis 15 Songs geschrieben und sieben produziert – eine Akkord-Arbeit, die abseits der Bühne kaum jemand wahrnimmt.
So entstehen die Sommer-Ohrwürmer
„Bei meinen erfolgreichsten Songs ist mir immer erst eine geile Melodie eingefallen, darauf habe ich dann den passenden Text geschrieben, so dass es auch phonetisch geil klingt“, verrät Sommer seinen kreativen Prozess.
Geduldig bastelt er mit dem Apple-Programm „Logic Pro“ an Akkordfolgen, baut Bässe und kombiniert Drums, bis er ein Instrumental-Demo hat. Bis ihm der dazu passende Text einfällt – gern auch mal im Auto oder unter der Dusche – kann es schon mal Monate dauern.
Bei seinem an Karneval veröffentlichten Song „Wenn ich nüchtern wär“ mit Produzentenkollegen Luca-Dante Spadafora ging es vergleichsweise schnell. „Wir hatten zu Beginn eine Akkordfolge und eine richtig geile Melodie. Und dann kam mir die Idee, das Thema aufzugreifen: Wie wäre mein Leben eigentlich, wenn ich öfter nüchtern wäre?“
Ein echter Familienbetrieb
Das Studio ist gewollt wohnlich gehalten: mit Couch, sich drehenden und kippenden Sesseln und viel Hunde-Deko. Unter der Decke hängen mehrere Bassfallen, die den Klang im Raum verbessern. Nebenan arbeitet Bruder Max an Tourplan und TikTok-Strategie, Schwester Luisa hilft beim Social-Media-Marketing mit, und Mutter Martina kümmert sich um den Online-Fanshop.
Von der Studioarbeit zurück auf die Bühne
Doch jetzt ist die stille Arbeit im Hintergrund erst mal vorbei: An diesem Samstag startet Sommers erste Deutschland-Tour in Köln. Die acht Termine sind fast ausverkauft. „Man muss schon sehr viele Fans haben, die einen so gern sehen wollen, dass sie ein Ticket kaufen und in die nächstgrößere Stadt fahren. Das ist schon ein Punkt, auf den ich sehr stolz bin“, sagt der Sänger.
Danach geht es wieder regelmäßig auf die Insel. Mitte April startet der Bierkönig in die Saison. „Wenn wir alles so machen, wie wir es immer machen, sollten auch die neuen Songs wieder gut funktionieren“, gibt sich Bruder Max optimistisch.
Und ab Oktober heißt es dann wieder ab in die Vulkaneifel, um die Sommer-Hits für 2027 zu schreiben: nüchtern im Studio, statt dicht im Flieger.



