Sächsisches Landesgymnasium für Musik: 60 Jahre Exzellenz in der Ausbildung
Das Sächsische Landesgymnasium für Musik in Dresden befindet sich in einem ausgedehnten Festjahr. Neben dem 60. Geburtstag der renommierten Bildungseinrichtung wird parallel der 200. Todestag des namensgebenden Komponisten Carl Maria von Weber feierlich begangen. Die Schule, ein Überbleibsel aus der DDR-Zeit, in der junge Talente in Spezialschulen für Musik gefördert wurden, genießt heute einen exzellenten Ruf weit über die Landesgrenzen Sachsens hinaus.
Schülerstimmen: Musik als Lebensweg und Leidenschaft
Emma Kuban (18) und Janus Taubert (19), beide Schülersprecher am Landesgymnasium, verkörpern die Vielfalt der musikalischen Wege. „Es geht nicht darum, eine riesige Karriere zu machen“, betont Kuban, die Gitarre spielt und sich dem Jazz und Rock verschrieben hat. Für sie ist das gemeinsame Musizieren ein „unglaubliches Gefühl“, das sich kaum in Worte fassen lässt. Trotz schwieriger Ausgangsbedingungen in Ostsachsen, wo die Wege zu Musikschulen lang waren, unterstützten sie ihre Eltern bedingungslos.
Janus Taubert, dessen Eltern selbst als Musiker tätig sind, kam mit dem Hauptfach Fagott an die Schule. Ursprünglich war das Fagott sein musikalisches Ventil, doch im Gesangsunterricht entdeckte er eine neue Passion. „Dementsprechend ist mein Plan jetzt aktuell, Gesang zu studieren“, erklärt der 19-Jährige. Beide Schüler wählten das sogenannte Universalprofil, das Zusatzstunden in anderen Fächern wie Gesang, Klavier oder Dirigieren ermöglicht.
Strukturen und Herausforderungen einer Eliteeinrichtung
Das Landesgymnasium nimmt maximal 150 Schülerinnen und Schüler auf, wobei aktuell 138 junge Menschen – 70 Jungen und 68 Mädchen – die Einrichtung besuchen. Etwa ein Drittel stammt aus Dresden und Umgebung, der Rest aus ganz Sachsen, anderen Bundesländern und sogar dem Ausland. Die Nachfrage ist enorm: Auf jeden der begehrten Plätze, die eine kostenfreie Ausbildung bieten, kommen doppelt so viele Bewerber. Ein Eignungstest entscheidet über die Aufnahme.
Schulleiter Joachim Rohrer und die künstlerische Direktorin Ekaterina Sapega-Klein sehen zwar nicht die gleichen Probleme wie andere Schulen im Freistaat, etwa Lehrermangel oder Unterrichtsausfall. Dennoch gibt es räumliche Engpässe, da das Gymnasium mit seinem neunjährigen Abitur einzügig geführt wird. Die musikalische Ausbildung, die pro Woche bis zu 15 Stunden umfasst, wird von der Dresdner Musikhochschule geleitet. Viele Abiturienten setzen ihre Ausbildung später an einer Hochschule fort.
Musikalische Bildung im Wandel der Zeit
In die allgemeine Klage über sinkende Bildungsniveau stimmen die Verantwortlichen nicht ein. „Das musikalische Niveau steigt, das lässt sich auch bei Wettbewerben wie ‚Jugend musiziert‘ sehen“, betont Sapega-Klein. Allerdings beobachten sie einen Rückgang der breiten musikalischen Vorbildung. „Eine frühe Sozialisierung mit Musik gibt es häufig nicht mehr“, bedauert Rohrer. Viele junge Menschen kämen heute ohne Kenntnisse der traditionellen Chormusik von Brahms, Schütz oder Bach, hätten aber Techno im Kopfhörer und spielten dann eine Schubert-Sonate. Die Ausbildungsstätten müssten sich auf diese veränderten Voraussetzungen einstellen.
Jubiläumsfeierlichkeiten und Zukunftsperspektiven
Das Festjahr steht unter dem Motto „60 Jahre – 60 Orte“, bei dem die jungen Gymnasiasten bereits an zahlreichen Orten im Land aufgetreten sind. Höhepunkt ist ein Festkonzert „Weber meets Jazz“ im Dresdner Kulturpalast. Trotz des fortgeschrittenen Alters der Institution strahlt sie jugendliche Frische aus. Für Schüler wie Emma Kuban ist klar: „Ich würde es immer wieder tun, an diese Schule kommen. Ich würde mich auch in jedem neuen Leben der Musik widmen.“ Das Landesgymnasium bleibt damit eine tragende Säule der musikalischen Spitzenförderung in Deutschland.



