Mireille Mathieu erfüllt sich Traum in der Elbphilharmonie
Mireille Mathieu: Traum in der Elbphilharmonie

Seit mehr als sechs Jahrzehnten verzaubert Mireille Mathieu ihr Publikum. Am Samstag, dem 9. Mai, wird sich die französische Chansonnière einen lang gehegten Traum erfüllen: Zum ersten Mal wird sie in der Hamburger Elbphilharmonie auftreten und dort ihr exklusiv französisches Programm präsentieren. Die 79-Jährige blickt auf ein Leben im Rampenlicht zurück und verrät im Gespräch mit BILD, wie sich ihre Beziehung zu den Fans im Laufe der Jahre verändert hat.

Eine tiefere Verbindung zum Publikum

„Meine Beziehung zum Publikum ist im Laufe der Jahre noch tiefer geworden“, erklärt Mathieu. „Als ich jung war, wollte ich vor allem perfekt singen und die Menschen zum Träumen bringen. Mein Publikum und ich sind zusammengewachsen. Viele Menschen kommen mit Erinnerungen an ihre Jugend, ihre Eltern, ihre erste Liebe zu meinen Konzerten, und es ist eine große Zärtlichkeit, diese Verbindung zwischen uns zu haben.“ Diese Nähe sei mit jeder Tournee und jedem Lied gewachsen. Heute brächten die Konzertbesucher oft ihr ganzes Leben mit auf die Bühne.

Der 80. Geburtstag: Ein melancholischer Moment

Im Juli wird Mireille Mathieu 80 Jahre alt. Für sie ist das Alter jedoch kein Grund zur Klage: „Für mich ist das Alter ein Geschenk des Lebens. Natürlich vergeht die Zeit, aber ich schätze mich sehr glücklich, noch singen und reisen zu können. Mein 80. Geburtstag wird ein etwas melancholischer Moment sein – meinen Geburtstag mit meinen Schwestern und Brüdern in meiner Heimatstadt Avignon zu feiern, ohne einige Menschen, die nicht mehr da sind, wie meine Eltern und Freunde. Aber es wird ein Fest der Freude sein. Solange das Herz jung bleibt, bleibt das Leben schön.“

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Lampenfieber vor jedem Auftritt

Auch nach so vielen Jahren auf der Bühne hat Mathieu noch Lampenfieber. „Immer. Und ich hoffe, dass es nie verschwindet. Lampenfieber bedeutet, dass die Emotionen noch lebendig sind. Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich immer Lampenfieber. Aber in dem Moment, in dem ich das Publikum sehe, fühle ich mich zu Hause. In der Elbphilharmonie zu singen, ist wirklich ein Geschenk.“ Die Elbphilharmonie sei für sie kein gewöhnlicher Konzertsaal.

Warum sie auf Französisch singt

Auf die Frage, warum es ihr wichtig sei, vor einem deutschen Publikum auf Französisch zu singen, antwortet Mathieu: „Weil die französische Sprache eine besondere Musikalität und Poesie in sich trägt. Selbst wenn die Menschen nicht jedes Wort verstehen, spüren sie die Emotionen. Musik spricht direkt zur Seele. Und Deutschland hat das französische Chanson schon immer mit außergewöhnlicher Herzlichkeit aufgenommen. Speziell für mein Konzert in der Elbphilharmonie anlässlich meines 60-jährigen Bühnenjubiläums werde ich mein französisches Repertoire präsentieren, so wie ich es bereits im vergangenen Herbst im Olympia in Paris getan habe.“

Chanson für junge Menschen

Mathieu ist überzeugt, dass das französische Chanson auch heute noch junge Menschen erreichen kann. „Ja, auf jeden Fall. Junge Menschen suchen nach Authentizität und Emotionen. Das Chanson erzählt Geschichten von Liebe, Hoffnung, Liebeskummer, vom Leben. Diese Gefühle werden nie altmodisch. Ich sehe heute viele junge Gesichter in meinem Publikum, und das macht mich sehr glücklich.“

Deutschland – eine besondere Beziehung

Deutschland spielt in ihrer Karriere eine herausragende Rolle. „Deutschland hat mir von Beginn meiner Karriere an eine außergewöhnliche Treue entgegengebracht. Ich glaube, das deutsche Publikum schätzt Aufrichtigkeit und Disziplin, und das sind Werte, die mir essenziell sind.“ Manchmal fühle sie sich hier sogar anders wahrgenommen als in ihrer Heimat. „Ja, vielleicht ein bisschen. In Deutschland habe ich oft das Gefühl, dass die Leute mich als Symbol für Frankreich, französische Romantik und Chanson sehen, und die Deutschen fragten mich nach ‚Der Spatz von Avignon‘. In Frankreich wissen die Menschen mehr über das kleine Mädchen aus Avignon, das sehr hart gearbeitet hat, um sich ihren Traum zu erfüllen. Beide Sichtweisen sind Teil dessen, wer ich bin. Mein Leben ist wirklich ein Märchen.“

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Abschied von der Bühne? Undenkbar

Ein Abschied von der Bühne kommt für Mireille Mathieu nicht in Frage. „Musik ist mein Leben. Die Bühne ist seit meiner Kindheit mein Zuhause. Ich glaube nicht, dass man sich jemals wirklich von der Musik verabschiedet. Solange meine Stimme und mein Herz es zulassen, werde ich weiter singen.“

Zwei Lieder, die ihr Leben prägen

Welche Lieder stehen für ihr Leben? „Vielleicht zwei Lieder: mein erstes, ‚Mon credo‘, das mir alles bedeutet – das Leben beginnt immer mit einem Wort der Liebe und geht weiter. Das zweite ist ‚Non, je ne regrette rien‘. Auch wenn es für immer mit Édith Piaf verbunden ist, ist die Botschaft universell und liegt mir sehr am Herzen. Das Leben schenkt uns Freuden und Leiden, aber man muss ohne Reue voranschreiten.“

Was würde Édith Piaf sagen?

Was würde Édith Piaf sagen, säße sie heute neben ihr in der Elbphilharmonie? Mireille Mathieu antwortet leise: „Ich glaube, ich wäre sehr beeindruckt von ihr und würde ihr danken, weil ich die TV-Talentshow mit ihren Liedern gewonnen habe; deshalb singe ich bei meinen Konzerten immer drei Lieder von ihr. Und wenn sie einfach etwas zu mir sagen würde, wäre es: ‚Sing weiter, das ist dein Leben.‘“