Die Musikschulen in Deutschland schlagen Alarm: Der Fachkräftemangel verschärft sich dramatisch und gefährdet die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen. Der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen, Friedrich-Koh Dolge, warnte vor Beginn der Bundesversammlung in Erfurt vor einem „Warnsignal für die musikalische Bildung“.
Zahlen und Prognosen: 14.000 Lehrkräfte gehen in Rente
Bis zum Jahr 2035 werden laut Verbandsangaben rund 14.000 Lehrkräfte an den bundesweit etwa 930 öffentlichen Musikschulen in den Ruhestand gehen. Das entspricht knapp 38 Prozent der derzeit fast 37.000 Fachlehrkräfte. Dem gegenüber stünden nur etwa 4.000 neue Absolventen, die nachrücken. Die Folge: Rund 10.700 Stellen blieben unbesetzt. Dies bedeute, dass theoretisch eine halbe Million Kinder und Jugendliche nicht mehr mit musikalischer Bildung versorgt werden könnten, so Dolge.
Wartelisten wachsen – Nachfrage übersteigt Angebot
Derzeit werden nach Verbandsangaben mehr als 1,4 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Musikschulen unterrichtet. Die Nachfrage ist enorm: Bundesweit stehen rund 110.000 Interessenten auf Wartelisten. Gleichzeitig haben zahlreiche Musikschulen große Schwierigkeiten, frei werdende Stellen nachzubesetzen. Besonders betroffen ist der ländliche Raum. In Thüringen könne beispielsweise Unterricht für Orchesterinstrumente oder Querflöte nicht mehr angeboten werden, weshalb dort sogar über Zusammenlegungen von Musikschulen nachgedacht werden müsse.
Forderung nach Drittelfinanzierung und besserer Vergütung
Der Verband fordert eine gerechtere und verlässliche Lastenverteilung bei der Finanzierung. Kommunen, Länder und Eltern sollten die Kosten zu jeweils einem Drittel übernehmen. Derzeit tragen die Kommunen mit durchschnittlich rund 45 Prozent den Löwenanteil. Um den Personalmangel wirksam zu bekämpfen, seien zudem eine angemessene Vergütung, eine bessere soziale Absicherung und mehr Sichtbarkeit des Berufs notwendig. „Musikschulen sind keine beliebige freiwillige Leistung, sondern unverzichtbare Orte für Bildung, Kultur und Teilhabe“, betonte Dolge.



