Die Prinzen beenden nach 35 Jahren ihre Karriere mit Abschiedstour
Die legendäre Band Die Prinzen zieht nach mehr als drei Jahrzehnten einen endgültigen Schlussstrich. Ende 2027 wird die Karriere der Gruppe mit einer großen Abschiedstournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz zu Ende gehen. „Wenn es am schönsten ist, hör auf“, erklärt Sänger Sebastian Krumbiegel (59) in einem exklusiven Interview. Doch bevor die Vorhang fällt, blicken die Musiker auf ihre einzigartigen Anfänge zurück, die tief in der Tradition deutscher Knabenchöre verwurzelt sind.
Die Wiege der Band: Thomanerchor und Dresdner Kreuzchor
Vier der sieben Prinzen-Mitglieder – Tobias Künzel (61), Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk (59) und Henri Schmidt (58) – verbrachten ihre Jugend im berühmten Thomanerchor zu Leipzig. Dieser wurde bereits 1212 durch einen Erlass des Markgrafen Dietrich von Meißen gegründet und zählt damit zu den ältesten Knabenchören weltweit. Sogar der große Komponist Johann Sebastian Bach wirkte hier als Kantor. „Der Chor war unsere Lebensschule“, betonen die Musiker einstimmig.
Jens Sembdner (59) teilte ähnliche Erfahrungen im nicht minder traditionsreichen Dresdner Kreuzchor. Für alle Bandmitglieder war die Chorzeit weit mehr als nur musikalische Ausbildung: Sie prägte ihren Charakter, ihr Sozialverhalten und schuf ein unzerstörbares Band zwischen ihnen. „Ohne den Chor hätte es die Prinzen in dieser Form nie gegeben“, stellt Krumbiegel klar.
Privilegierte Kindheit im DDR-Alltag
Rückblickend beschreiben die Musiker ihre Zeit in den Chören als „eine Oase, eine Glaskugel, unter der wir gelebt haben“. Inmitten des restriktiven DDR-Alltags boten die Chöre einen geschützten Raum voller Musik, Gemeinschaft und ungewöhnlicher Möglichkeiten. „Wir hatten durch den Chor ein privilegiertes Leben“, erinnert sich Jens Sembdner. Das DDR-Regime nutzte die renommierten Chöre als kulturelle Visitenkarte und erteilte Sondergenehmigungen für Auslandsreisen.
So konnten die jungen Sänger bereits mit zehn Jahren die Welt bereisen – nach Japan, in westliche Länder und über Kontinente hinweg. „Wir sind durch die Welt gereist als DDR-Kids. Das war der absolute Hammer“, schwärmt Sebastian Krumbiegel noch heute. Während zu Hause die Mauer stand, erlebten sie internationale Begegnungen und kulturellen Austausch.
Strenger Alltag im Internat formte Disziplin
Der Choralltag war jedoch alles andere als locker. 93 Jungen im Alter von 9 bis 18 Jahren lebten im Thomasalumnat in der Leipziger Hillerstraße zusammen. „Neun Jahre lang, straffer Tagesablauf mit Klingelzeichen, Frühstück, Schule. Immer hat jemand aufgepasst, was man macht“, beschreibt Henri Schmidt den geregelten Tagesrhythmus. In gemischten „Stuben“ erzogen Ältere die Jüngeren – eine klare Hierarchie mit wenig erwachsener Betreuung.
Fernseher oder Computer suchte man in den Zimmern vergeblich, dafür gab es Fitnessräume, Bibliotheken, Sauna und natürlich Proberäume. Freizeit blieb den Kindern wenig, doch genau diese strenge Struktur formte sie nachhaltig. „Wir sind zu 98 Prozent in dieser Band sehr pünktliche Menschen“, schmunzelt Schmidt. Die erlernte Disziplin, das Verantwortungsbewusstsein und das Sozialverhalten wurden zur Grundlage ihrer späteren musikalischen Zusammenarbeit.
Musikalische Ausbildung als Fundament
Durch ihre intensive Chorzeit haben die Prinzen „Musik wie eine zweite Fremdsprache erlernt“, wie Krumbiegel es ausdrückt. Tobias Künzel ergänzt: „Alle Bandmitglieder zehren bis heute von dieser Ausbildung.“ Die gemeinsame Leidenschaft für Musik, das tiefe Vertrauen ineinander und die erlernte Disziplin bildeten das emotionale Fundament, auf dem später die Band entstehen konnte.
Jens Sembdner erinnert sich: „Ich erinnere mich an die besondere Kameradschaft und daran, wie sehr diese Zeit das Vertrauen untereinander geprägt hat. Dieses Fundament war später für uns entscheidend, als wir den Schritt wagten, gemeinsam eine Band zu gründen.“ Selbst die spätere Rebellion – Krumbiegel flog mit 18 Jahren wegen Regelverstößen aus dem Chor – konnte diese tiefe Verbindung nicht zerstören. Jahre später versöhnte er sich sogar mit seinem ehemaligen Chorleiter.
Ein Netzwerk wie eine große Familie
Über die musikalische Ausbildung hinaus schufen die Chöre ein lebenslanges Netzwerk. „Wenn du etwa einen Arzt brauchst oder einen Anwalt, findest du immer irgendeinen, der auch mal Thomaner war“, erklärt Tobias Künzel. „Das ist ein riesengroßes Netzwerk, das sich da entwickelt hat. Also wie so eine große Familie, die sich immer weiter vergrößert, und in der man zusammenhält.“ Diese Verbundenheit über Jahrhunderte hinweg ist einzigartig und prägt die Ehemaligen bis heute.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Thomanerchor und der Dresdner Kreuzchor waren nicht nur Ausbildungsstätten, sondern echte Lebensschulen. Sie formten Charaktere, schufen unzerstörbare Bindungen und legten den Grundstein für eine der erfolgreichsten deutschen Bands der letzten Jahrzehnte. Wenn Die Prinzen nun Abschied nehmen, verabschiedet sich damit auch ein Stück deutscher Musikgeschichte, deren Wurzeln bis ins Mittelalter reichen.



