Musik trifft Poesie: Ruben Staub verleiht nordischen Versen Klang und Bewegung
Der Klarinettist Ruben Staub (34) gehört zum festen Stamm der Neuen Philharmonie MV und ist regelmäßig in der Konzertreihe Stadt.Land.Klassik! zu erleben. Doch seine künstlerischen Ambitionen gehen weit über die klassische Musik hinaus. In seinem aktuellen Rolf Jacobsen Project verbindet er Lyrik, Musik und Tanz zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Die Entdeckung eines norwegischen Lyrikers
Während der Pandemie entdeckte Staub die Gedichte des norwegischen Dichters Rolf Jacobsen (1907-1994) für sich. Jacobsens Werk, das oft als grüne Dichtung Norwegens bezeichnet wird, beschreibt auf poetische Weise die Wechselwirkung zwischen Mensch, Natur und Technologie. Ein Beispiel ist sein Gedicht Regen, in dem er schreibt: „Über die nackten Felder gehe ich und trete auf die Erde und spüre, wie der Regen das Knie umspielt, das Erdreich gegen den Fuß weht.“ Die Übersetzerin Gisela Schneemann hebt die außerordentliche lyrische Schönheit dieser Naturbeschreibungen hervor.
Von der Klarinette zur Komposition
Staubs musikalischer Werdegang ist klassisch geprägt:
- Mit neun Jahren begann er Klarinette zu spielen.
- Er erhielt Unterricht an der Musikschule in Neu-Isenburg (Hessen).
- Es folgten das Konservatorium in Frankfurt/Main sowie Studien in Detmold und Berlin.
Bereits früh war er jedoch musikalisch vielseitig unterwegs. Durch die Klezmer-CDs seiner Eltern entdeckte er seine Liebe zu Giora Feidman, den er sogar persönlich kennenlernte. Im One Earth Orchestra, das sein Vater Volker Staub 2011 gründete, sammelte er Erfahrungen mit Musik verschiedener Kulturen.
Ein interdisziplinäres Kunstprojekt entsteht
Die Frage, wie Jacobsens Verse in Musik und Tanz umgesetzt werden könnten, beschäftigte Staub intensiv. Mit Unterstützung eines Kompositionsstipendiums und staatlicher Fördermittel aus der Pandemiezeit entwickelte er Arrangements, die er immer wieder verwarf und neu konzipierte. Sein Vater stand ihm dabei beratend zur Seite.
Drei internationale Künstlerinnen stehen im Mittelpunkt des Projekts:
- Die polnische Cellistin und Sängerin Julia Biłat
- Die schottisch-maltesische Sopranistin Carine Tinney
- Die japanische Tänzerin Ichi Go
„Die Stimmen von Carine Tinney und Julia Biłat verkörpern unterschiedliche musikalische Traditionen und erlauben so der Musik, fließend zwischen verschiedenen Klangwelten hin und her zu modulieren“, erklärt Staub. Die Musik changiert zwischen klassisch-zeitgenössischen Melodien und Jazz-Rhythmen und schafft eine mystische Stimmung, die durch Ichis ausdrucksstarken Tanz visualisiert wird.
Die Herausforderung der Filmproduktion
Für Staub war die Produktion des begleitenden Films eine völlig neue Erfahrung. Über Monate entwickelte er mit Regisseurin Elena Petitpierre das Drehbuch, suchte Drehorte und plante Kostüme. Zwei Tage und Nächte drehte er mit Kameramann Jonathan Steil und Ichi Go im Wald. „Wahnsinn, dass die Tänzerin im April sogar in einen Teich im Wald gestiegen ist!“, erinnert sich Staub beeindruckt.
Die Tonaufnahmen fanden in den legendären Hansa Studios am Potsdamer Platz in Berlin statt. Das Ergebnis ist als EP bei Sungroove Records erhältlich.
Vom Projekt zum Live-Erlebnis
Aus dem Jacobsen-Projekt hat das One Earth Orchestra ein Konzertformat entwickelt, das Jacobsens Lieder mit neu arrangierten Werken von Edvard Grieg und internationalen Volksliedern verbindet. „Letztendlich wollen wir damit auch zum Ausdruck bringen, dass Musik die Menschen friedlich miteinander verbinden kann“, so Staub.
Parallel dazu ist Ruben Staub weiterhin als Klarinettist bei der Neuen Philharmonie MV aktiv. Im April tourt das Orchester mit einem Programm von Beethoven, Rossini und Lutz Schumacher durch den Nordosten Deutschlands.



