Internationale Schostakowitsch-Tage Gohrisch erforschen jüdische Wurzeln
Die Internationalen Schostakowitsch-Tage in Gohrisch in der Sächsischen Schweiz setzen vom 25. bis 28. Juni 2026 einen besonderen thematischen Schwerpunkt. Das renommierte Festival widmet sich in diesem Jahr dem bedeutenden Einfluss jüdischer Musik auf das Werk des Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Damit reiht sich die Veranstaltung direkt in das vom Freistaat Sachsen proklamierte „Jahr der jüdischen Kultur“ ein, das jüdisches Leben und seine reiche Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.
Künstlerische Spurensuche nach jüdischen Verbindungen
Tobias Niederschlag, der künstlerische Leiter des Festivals, betonte bei der Programmvorstellung in Dresden die zentrale Rolle dieser Thematik. „Dmitri Schostakowitsch hat immer wieder auf die immense Bedeutung der jüdischen Kultur für sein eigenes Schaffen hingewiesen. Wir spüren diesen faszinierenden Verbindungen in diesem Jahr intensiv nach“, erklärte Niederschlag. Das Festival stellt Werke von Schostakowitsch gezielt Kompositionen jüdischer Zeitgenossen, Nachgeborener und etablierter Klassiker wie Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüber.
Neuentdeckung: Lew Abeliowitsch aus Weißrussland
Eine besondere musikalische Entdeckung präsentiert das Festival mit dem weißrussischen Komponisten Lew Abeliowitsch. Dessen Werke sind in Deutschland bislang völlig unbekannt. Abeliowitsch, der von 1912 bis 1985 lebte, studierte einst in Warschau und floh 1939 nach dem deutschen Überfall auf Polen über Minsk nach Moskau. Dort ließ er sich maßgeblich durch das künstlerische Umfeld von Schostakowitsch und den berühmten Geiger David Oistrach inspirieren, was seine Musik tiefgreifend prägte.
Renommierte Interpreten und hochkarätige Ensembles
Das Programm der Schostakowitsch-Tage versammelt eine beeindruckende Riege international gefeierter Interpreten:
- Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica eröffnen das Festival mit ausgewählten Werken von Schostakowitsch.
- Das gefeierte Streichquartett Quatuor Danel musiziert gemeinsam mit der legendären Pianistin Elisabeth Leonskaja, die einst mit Schostakowitsch persönlich zusammenarbeitete und in Gohrisch den nach ihm benannten Festivalpreis erhält.
- Der virtuose Geiger Vadim Gluzman tritt als Solist bei einer Matinee der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Ingo Metzmacher auf.
Staatskapelle Dresden gestaltet festlichen Vorabend
Den festlichen Vorabend der Schostakowitsch-Tage gestaltet die Staatskapelle Dresden bereits am 24. Juni mit einem exklusiven Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast. Dirigent Philippe Jordan leitet dabei eine Aufführung des 2. Violinkonzertes mit der herausragenden Solistin Isabelle Faust sowie der 10. Sinfonie. Letztere komponierte Schostakowitsch 1953 als eindringliche musikalische Abrechnung mit dem Stalin-Regime. Nach diesem fulminanten Auftakt sind insgesamt acht weitere Veranstaltungen im beschaulichen Gohrisch vorgesehen.
Das Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch
Dmitri Schostakowitsch, der von 1906 bis 1975 lebte, gilt unbestritten als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten des gesamten 20. Jahrhunderts. Sein umfangreiches Gesamtwerk umfasst 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Opern, Filmmusiken, Vokalwerke und vielfältige Kammermusik, die heute fester Bestandteil des weltweiten Konzertbetriebs sind. Zweimal weilte der Komponist persönlich in Gohrisch, wo sich einst ein Gästehaus der DDR-Regierung befand. Hier entstand 1960 sein zutiefst persönliches 8. Streichquartett, in dem er seinem Leiden unter dem Sowjetregium ergreifenden Ausdruck verlieh. Seit dem Jahr 2010 finden die Schostakowitsch-Tage Gohrisch in erfolgreicher Kooperation mit der Staatskapelle Dresden statt.



