Schweden schickt Felicia mit Elektro-Hit: ESC-Fieber steigt in Stockholm
In einer spektakulären Auswahlshow haben die Schweden am Samstag ihren Vertreter für den Eurovision Song Contest gekürt. Die Künstlerin Felicia setzte sich mit ihrem energiegeladenen Elektro-Track „My System“ im Finale des schwedischen Vorentscheids gegen elf weitere Acts durch. Die 25-Jährige galt bereits im Vorfeld der Abstimmung bei Wettanbietern als haushohe Favoritin und darf nun für Schweden nach Wien reisen.
Melodifestivalen: Schwedens zelebrierter Vorentscheid
In kaum einem anderen Land wird die Auswahl des ESC-Vertreters so intensiv gefeiert wie in Schweden. Seit Ende Januar stimmten die Zuschauer jeden Samstag in insgesamt fünf Shows für ihre Favoriten aus jeweils sechs Künstlern ab. Im Finale des „Melodifestivalen“ traten die beliebtesten zwölf Acts gegeneinander an. Interessanterweise werden in Schweden auch viele Songs der Verlierer regelmäßig zu Hits.
Zu den Ohrwürmern in diesem Jahr gehörten:
- Der Schlager „Rakt in i elden“ („Direkt ins Feuer“), vorgetragen von fünf älteren Männern in Feuerwehranzügen
- Die trashig-bunte Popnummer „Copacabana Boy“
- Ein Wiedersehen mit der früheren Teenie-Band A-Teens, die in den 1990ern und frühen 2000ern mit Abba-Covern Erfolge feierte
Internationale ESC-Landschaft: Von Österreich bis Israel
Gut zwei Monate vor dem Finale des europäischen Sängerwettbewerbs am 16. Mai stehen bereits viele der 35 Teilnehmer fest. Gastgeber Österreich will den Titel mit dem viralen Dancefloor-Track „Tanzschein“ des jungen Künstlers COSMÓ verteidigen, dessen Markenzeichen ein geschminkter blauer Stern quer über dem rechten Auge ist.
Für Deutschland tritt die Sängerin Sarah Engels mit der Pop-Nummer „Fire“ an. Die 33-Jährige wurde einst durch die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt, doch Wettanbieter räumen ihr wenig Chancen ein und sehen sie auf einem der hinteren Plätze.
Die ebenfalls beim ESC chronisch erfolglosen Briten versuchen es in diesem Jahr mit dem experimentellen Solo-Künstler Sam Battle alias Look Mum No Computer und einer Synth-Pop-Nummer mit deutschem Titel: „Eins, Zwei, Drei“. Originalität statt großer Ballade charakterisiert diesen Beitrag, bei dem im Refrain „Pepperoni“ auf „Feeling Okey-Dokey“ gereimt wird.
Politische Kontroversen und nordische Ambitionen
Die Teilnahme Israels am ESC sorgt auch diesmal wieder für Diskussionen. Fünf Länder – Spanien, Irland, Island, die Niederlande und Slowenien – boykottieren den Wettbewerb als Reaktion auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen. Trotz des aktuellen US-israelischen Kriegs gegen den Iran und der Gegenschläge präsentierte Israels Fernsehsender KAN seinen Teilnehmersong „Michelle“ des Sängers Noam Bettan.
Wettbüros sehen in diesem Jahr vor allem nordische Länder auf den vorderen Rängen. Für Finnland gehen die Geigerin Linda Lampenius und der Popsänger Pete Parkkonen mit dem dramatisch-melancholischen Song „Liekinheitin“ („Flammenwerfer“) ins Rennen. Dänemark wird von Søren Torpegaard Lund mit „Før vi går hjem“ („Bevor wir nach Hause gehen“) vertreten, der von einer rauschenden Partynacht erzählt.
Ob eines dieser Länder am Ende den ESC-Sieg einfährt, bleibt abzuwarten. Die Schweden mit ihrer neu gekürten Vertreterin Felicia dürften dabei jedenfalls auch noch ein Wörtchen mitreden wollen und hoffen, an den Erfolg des finnlandschwedischen Comedytrios KAJ anzuknüpfen, dessen Sauna-Hit „Bara bada bastu“ 2025 in schwedischen Schulen, Kindergärten und auf Tanzflächen monatelang in Dauerschleife lief.



