Theaterstück 'Fischer Fritz': Sprachakrobatik trifft auf Pflegedrama im Volkstheater
'Fischer Fritz': Sprachakrobatik und Pflegedrama im Theater

Fischer Fritz im Volkstheater: Zwischen Sprachwitz und Pflegealltag

Ist es eine komödiantische Farce oder ein tiefgründiges Drama? Das Stück "Fischer Fritz" von der Münchner Autorin Raphaela Bardutzky, inszeniert von Asena Yesim Lappas, stellt diese Frage im Volkstheater München. Bereits zu Beginn der Aufführung erntet Lola Dockhorn als Ärztin Szenenapplaus, wenn sie den berühmten Zungenbrecher "Fischer Fritz fischt frische Fische..." fehlerfrei und mit beeindruckendem Elan vorträgt. Ihre Sprachakrobatik, angereichert mit Adjektiven wie "fröhlich" oder "phänomenal", zeigt die hohe schauspielerische Kunst, die das Ensemble bereithält.

Ein alter Mann im Sprachverlust

Doch hinter dem humorvollen Einstieg verbirgt sich ein ernstes Thema: Der titelgebende Fischer Fritz ist ein alter Mann, der unter einer cerebellären Ischämie leidet, was zu Dysarthrie und Ataxie führt – vereinfacht gesagt, er kämpft mit Feinmotorik- und Sprechstörungen. Sein Sohn Franz, gespielt von Lasse Stadelmann, bevorzugt die Unterbringung im Pflegeheim, da er selbst in München lebt und sich nicht ausreichend kümmern kann. Doch Fritzes Leben ist in der bayerischen Provinz verwurzelt, weshalb die Betreuung zu Hause durch die polnische Pflegekraft Piotra, dargestellt von Baran Sönmez, ins Spiel kommt.

Sprachliche Barrieren und emotionale Annäherungen

Bardutzky nennt ihr Werk im Untertitel "Sprechtheater" und lässt verschiedene Sprachwelten aufeinandertreffen: medizinischer Jargon der Ärzte, kerniges Bairisch des Alten und Polnisch von Piotra in stressigen Momenten. Diese Kommunikationshürden führen zu verzweifelten, aber oft komischen Situationen. Regisseurin Asena Yesim Lappas navigiert das Ensemble geschickt zwischen energetischer Farce und nuanciertem Realismus. Ein herunterfahrbarer Gaze-Vorhang trennt Bühnenbereiche und markiert die tonalen Wechsel – vor dem Vorhang wird wuchtig agiert, dahinter im Wohnzimmerambiente von Bühnenbildnerin Sarah Elena Kratzl entfalten sich ruhige, lebensnahe Szenen.

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Jugendliche Darsteller in alternden Rollen

Die Besetzung des alten Fischer Fritz mit dem jungen Baran Sönmez mag zunächst überraschen, doch Sönmez meistert die Herausforderung brillant. Er verkörpert den störrischen Alten so überzeugend, dass der Kontrast zwischen jugendlicher Fitness und pflegebedürftigem Alter zentral für die Handlung wirkt. Lola Dockhorn als Piotra fährt ihre Spielenergie herunter und verleiht der Figur eine patente Frische und empathische Wärme. Die Annäherung zwischen Fritz und Piotra, etwa durch gemeinsames Kochen oder Haarewaschen, zeigt berührend die zwischenmenschlichen Aspekte des Pflegeberufs.

Kurzweilige 70 Minuten mit Tiefgang

Die siebzigminütige Aufführung bleibt durch Rhythmuswechsel und humorvolle Einlagen kurzweilig. Live-Video und eine Loop-Station setzen Szenen wie Piotras Busfahrt in die Provinz witzig in Szene. In einem ruhigen Monolog gibt Lasse Stadelmann dem Sohn Franz Tiefe, der gegen den Willen des Vaters Friseur statt Fischer wurde. Am Ende steht eine weitere artistische Wortnummer, die fast fehlerfrei gemeistert wird, und herzlicher Applaus. Aufführungen finden an mehreren Terminen im März und April statt.

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