Der Markt für Proteinpulver boomt in Deutschland. Verbraucher müssen für die begehrten Produkte immer tiefer in die Tasche greifen. Die Preise sind seit Anfang des Jahres um 40 bis 60 Prozent gestiegen, wie Branchenkenner berichten. Grund dafür ist die weltweit hohe Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot.
Preisanstieg und Lieferengpässe
„Die Molkenpulverpreise sind seit Mitte 2023 kontinuierlich gestiegen“, erklärt Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchindustrieverbands. Der Trend habe seit Jahresbeginn deutlich an Fahrt gewonnen. Die hohen Preise seien eine Folge des weltweit knappen Angebots. Zwar sei der deutsche Markt ausreichend versorgt, doch eine Entlastung sei nicht in Sicht.
Wegen der hohen Nachfrage sind die Produkte im Handel zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Ein Sprecher von Rewe bestätigt, dass es bei einzelnen Proteinpulver-Marken aktuell zu eingeschränkter Warenverfügbarkeit komme. Auch die Drogeriemarkt-Kette dm teilt mit, dass es bei besonders stark nachgefragten Artikeln „vereinzelt zu temporären Lieferengpässen“ kommen könne.
Nachfrage gestiegen
Der Einzelhandel hat sein Angebot an proteinreichen Produkten in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Laut dem Marktforscher YouGov kauften zuletzt 4,6 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens einmal Proteinpulver. Die Zahl sei innerhalb eines Jahres um 66 Prozent gestiegen. Getrieben wird der Trend vor allem von Konsumenten der Jahrgänge 1982 bis 2011.
Kerstin Keunecke, Bereichsleiterin Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, nennt als Gründe für den Preisanstieg die rege Nachfrage und veränderte Ernährungsgewohnheiten. Proteinreiche Produkte seien sowohl bei Sportlern als auch für eine eiweißreiche, diätetische Ernährung gefragt. Insbesondere in den USA sei die Nachfrage zuletzt gestiegen, auch als Folge von Medikamenten wie der Abnehmspritze. „Diese führt zu einem verringerten Hungergefühl und trägt damit dazu bei, das Gewicht zu reduzieren“, so Keunecke. Patienten werde eine eiweißreiche Ernährung empfohlen, um einem Muskelabbau bei Gewichtsverlust entgegenzuwirken.
Hersteller unter Druck
Auch „The Quality Group“, das Unternehmen hinter den Marken More Nutrition und ESN, spürt die angespannte Lage. Molke sei ein Nebenprodukt der Käseherstellung und könne nicht beliebig ausgeweitet werden, sagt eine Sprecherin. Die Verarbeiter konkurrierten um denselben Rohstoff. Besonders knapp seien höherwertige Proteinkonzentrate wie WPC und WPI. Man sehe „aktuell keine reine kurzfristige Preisspitze, sondern eine Marktkorrektur in einem strukturell enger gewordenen Molkenproteinmarkt“.
Der Molkereiriese DMK hat seine Produktionskapazitäten bereits ausgeweitet und investiert rund 26 Millionen Euro in eine neue Anlage für die Herstellung von Molkenprotein im niedersächsischen Edewecht. Doch DMK macht wenig Hoffnung auf sinkende Preise. Das Unternehmen und die Landwirte verzeichneten in vielen Bereichen steigende Kosten, sagt eine Sprecherin. Für die Produktion sei es nötig, in Technologie und Know-how zu investieren. „Unternehmen müssen all dies tragen, um zukunftsfähig zu bleiben.“
Händler und Hersteller spüren den Proteinhype auch bei anderen eiweißreichen Lebensmitteln. Bei Skyr und Tofu kam es in den vergangenen Monaten vielfach zu Engpässen. Die Produkte waren zeitweise nur eingeschränkt verfügbar.



