Internationaler Druck auf Teheran wächst
Rund vierzig Staaten haben in einer gemeinsamen Erklärung Iran aufgefordert, die für die Weltwirtschaft lebenswichtige Straße von Hormus "sofort und bedingungslos" wieder für den internationalen Schiffsverkehr freizugeben. Die Forderung wurde am Donnerstag zum Abschluss eines von Großbritannien geleiteten virtuellen Ministertreffens zur Krise an der strategischen Meerenge veröffentlicht.
"Iran nimmt Weltwirtschaft als Geisel"
Die britische Außenministerin Yvette Cooper erklärte in ihrer Abschlussrede: "Iran versucht, die Weltwirtschaft in der Straße von Hormus als Geisel zu nehmen. Damit darf sich das Regime nicht durchsetzen." Die Teilnehmerstaaten forderten gemeinsam die Einhaltung der grundlegenden Prinzipien der Freiheit der Schifffahrt und des Seerechts. Konkrete Beschlüsse oder Sanktionsmaßnahmen wurden bei dem Treffen jedoch nicht verabschiedet.
Diplomatische Initiativen und humanitäre Vorschläge
Während des virtuellen Gipfels diskutierten die Außenminister und Regierungsvertreter mehrere Bereiche möglicher gemeinsamer Maßnahmen:
- Diplomatischer Druck durch die Vereinten Nationen
- Mögliche wirtschaftliche Sanktionen gegen Iran
- Koordinierte maritime Sicherheitsmaßnahmen
Italien brachte den Vorschlag eines humanitären Korridors für Düngemittel und andere lebenswichtige Güter ein, um eine globale Ernährungskrise zu verhindern. Außenminister Antonio Tajani betonte die Notwendigkeit eines UN-gestützten Prozesses. Dieser Vorschlag fand Unterstützung durch die Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Internationale Reaktionen und Positionen
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hatte bereits am Vortag erklärt, das Treffen diene dazu, alle diplomatischen und politischen Optionen zur Wiederherstellung der Schifffahrtsfreiheit zu prüfen. Er räumte ein, dass die Wiedereröffnung der Meerenge "nicht einfach" werden würde.
Die USA zeigten sich unter Präsident Donald Trump zurückhaltend. Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden Ländern, die bei ihren Öllieferungen von der Straße von Hormus abhängen, keine direkte Hilfe leisten.
Maritime Koalition und Sicherheitsinitiativen
Bereits Mitte März hatten sich Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und die Niederlande bereiterklärt, mit geeigneten Maßnahmen eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu gewährleisten. Später schlossen sich zahlreiche weitere Staaten dieser Initiative an – darunter die seit Wochen von Iran attackierten Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate und Bahrain.
Der Golfkooperationsrat forderte am Donnerstag den UN-Sicherheitsrat auf, sich für einen Schutz der Meerenge auch mit Waffengewalt einzusetzen. Bahrain legte einen Resolutionsentwurf vor, der den Einsatz "aller notwendigen Mittel" zur Gewährleistung der Durchfahrt vorsieht. Die Vetomächte Russland, China und Frankreich äußerten jedoch erhebliche Bedenken gegen militärische Maßnahmen.
Dramatische wirtschaftliche Auswirkungen
Normalerweise werden etwa 20 Prozent des weltweiten Rohöls und erhebliche Mengen an Flüssigerdgas durch die Straße von Hormus transportiert. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge jedoch weitgehend zum Erliegen gekommen.
Die iranische Blockade hat zu einem dramatischen Anstieg der Erdölpreise geführt und eine globale Energiekrise ausgelöst. Nach Angaben des Schifffahrts-Analyseunternehmens Kpler haben seit Anfang März nur noch 225 Frachtschiffe die Meerenge durchquert – ein Rückgang von 93 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Konflikt. Derzeit passieren täglich nur wenige Schiffe aus Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, China und Saudi-Arabien die strategische Wasserstraße.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, zwischen diplomatischem Druck und der Vermeidung einer weiteren Eskalation des Konflikts abzuwägen, während die wirtschaftlichen Folgen der Blockade weltweit spürbar werden.



