Berlin – Der Tod von Rapper Xatar, bürgerlich Giwar Hajabi, bleibt auch ein Jahr später rätselhaft. Am 8. Mai 2025 wurde der 43-jährige Musiker tot in der Kölner Wohnung seiner Geschäftspartnerin aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft schloss ein Fremdverschulden aus, doch die genaue Todesursache ist bis heute ungeklärt. Im NDR-Talk „deep und deutlich“ spricht seine Witwe Farvah Hajabi (38) jetzt erstmals öffentlich über den schweren Verlust.
Ein Schicksalsschlag, der alles verändert
„Ich habe in diesem Moment alles verloren, was ich selber bin. Nach so vielen Jahren ist man einfach eins. Und vor allem nach so vielen Jahren mit so vielen Schicksalsschlägen, wohlgemerkt. Das ist schon ein Schlag ins Gesicht. Man wird zu Pulver“, erinnert sich Farvah an den Tag des Todes. Sie beschreibt, wie sie an jenem 8. Mai ihren Mann nicht erreichen konnte: „Das war schon sehr untypisch. Ich wusste, dass etwas nicht stimmt. Dann klingelt es abends an der Tür. Wenn es abends an der Tür klingelt, dann weiß man, dass es die Endstufe ist.“ Ihre Vorahnung sollte sich bewahrheiten.
Eine Liebe, die seit der Jugend bestand
Das Paar war über 15 Jahre zusammen und kannte sich seit der Jugend. „Wir haben uns jahrelang jeden Tag gesehen, haben stundenlang telefoniert. Er hat mir eine komplett neue Seite von mir selbst gezeigt – oder vielleicht auch entstehen lassen“, sagt Farvah. Er sei ihr „allerbester Freund“ gewesen. Für Xatar war es Liebe auf den ersten Blick: „Von Giwars Seite aus war das so, dass er relativ schnell schon meinte: ‚Du bist eines Tages die Mutter meiner Kinder‘“, so Farvah. Das Paar hat fünf Kinder.
Doch das Leben an seiner Seite war nicht einfach. Xatar geriet früh auf die schiefe Bahn: Mit 14 begann er Drogen zu verkaufen, knüpfte Kontakte zur Mafia und wurde kriminell. Im Dezember 2009 überfiel er mit seiner Bande als falsche Zollfahnder einen Gold-Transporter bei Ludwigsburg. Danach wurde er von Interpol gesucht, floh über Moskau in den Irak, wo er festgenommen wurde. Nach drei Monaten wurde er nach Deutschland ausgeliefert und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen guter Führung kam er vorzeitig frei.
Die schwere Zeit für seine Frau
„Für mich war das zu dem Zeitpunkt einfach alles sehr hart. Aber was war denn die Alternative? Zu sagen, man geht jetzt ohne ihn den Weg weiter, ist keine Option gewesen“, sagt Farvah über die Zeit der Haft. Nach seiner Entlassung nahm sich das Paar Zeit füreinander: „Wir haben die Welt bereist. Wir haben eine tolle Familie gegründet.“
Bis heute nicht abgeschlossen
Mit Xatars Tod hat Farvah bis heute nicht abgeschlossen. Morgens hofft sie manchmal noch, dass alles nur ein Traum war: „Ich glaube, wenn das so überraschend und unerwartet ist, dann wartet man jede Sekunde, teilweise bis heute darauf, dass man doch endlich wach wird.“ Seine Sachen hat sie nicht wegräumen können: „Alles, was der Giwar so hinterlassen hat bei uns zu Hause, alles steht noch genauso da. Also nichts, nicht mal ein Salzstreuer, den er irgendwo hingestellt hat, wurde bewegt.“ Das gebe den Kindern Sicherheit, so Farvah. „Wir haben Rituale. Wir gucken uns jeden Abend Videos und Fotos an. Jeden Abend, bevor wir ins Bett gehen.“



