Berliner Sudan-Konferenz sucht Wege aus der humanitären Katastrophe
Drei Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan versammeln sich Spitzenpolitiker aus Europa und Afrika sowie Vertreter ziviler Gruppen in Berlin, um neue Ansätze für eine Friedenslösung zu entwickeln. Die internationale Sudan-Konferenz soll sicherstellen, dass die laut Vereinten Nationen derzeit größte humanitäre Krise weltweit trotz anderer Konflikte nicht in Vergessenheit gerät. Ein Durchbruch zu einem Waffenstillstand wird zwar nicht erwartet, doch die diplomatischen Bemühungen gewinnen an Dringlichkeit.
Diplomatische Initiativen und humanitäre Zusagen
Die dritte Sudan-Konferenz nach Treffen in Paris und London wird von der Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union organisiert. Die Veranstaltung am dritten Jahrestag des Konfliktsbeginns umfasst ein Treffen von Außenministern, eine humanitäre Konferenz mit Finanzierungszusagen und eine Zusammenkunft ziviler Akteure zur Ausarbeitung eines Friedensfahrplans. Insgesamt sind 120 Delegationen ins Auswärtige Amt eingeladen, darunter etwa 60 aus der Zivilgesellschaft.
Von den Beratungen der zivilen Vertreter aus dem Sudan und dem Exil erhofft man sich in Berlin wesentliche Impulse. Es besteht die ernste Gefahr, dass andernfalls erneut militärische Kräfte die Macht übernehmen könnten. In Paris wurden humanitäre Hilfszusagen in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro getätigt, in London beliefen sich die Zusagen auf etwa eine Milliarde Euro. Die Erwartungen für Berlin liegen im Bereich der Londoner Summe.
Konfliktparteien und territoriale Aufteilung
Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann am 15. April 2023. Seit drei Jahren kämpfen die sudanesische Regierungsarmee SAF unter De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo erbittert um die Vorherrschaft. Einst hatten sich beide gemeinsam an die Macht geputscht – Daglo war al-Burhans Stellvertreter.
Mittlerweile ist das Land in verschiedene Kontrollsphären aufgeteilt: Die Armee kontrolliert seit dem vergangenen Jahr wieder die stark zerstörte Hauptstadt Khartum und den Osten des Sudans. Die RSF hat mit der Eroberung von Al-Faschir die Region Darfur im Westen unter ihre Kontrolle gebracht. Dort verfügt sie über Versorgungsrouten aus dem Tschad, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik sowie über wichtige Goldvorkommen zur Finanzierung von Waffenkäufen. In der südlicher gelegenen Region Kordofan finden derzeit heftige Kämpfe statt, was Experten wie Alan Boswell von der International Crisis Group vor einer dauerhaften Teilung des Landes warnt.
Humanitäre Krise und Menschenrechtsverletzungen
Menschenrechtsorganisationen werfen sowohl der SAF als auch der RSF schwere Menschenrechts- und Kriegsverbrechen vor. Die Vereinten Nationen sprechen angesichts von weit verbreitetem Hunger und 11,6 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen von der größten humanitären Krise der Welt. 19 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht, bis zu 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zerstört oder nicht funktionsfähig.
Besonders aus der Region Darfur gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen, Massaker und Vergewaltigungen. Der SAF werden willkürliche Bombardierungen von Wohngebieten vorgeworfen, während die RSF sexuelle Gewalt als Kriegswaffe einsetzt, insbesondere gegen nicht-arabische Bevölkerungsgruppen. Ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen beschreibt sexuelle Gewalt als prägendes und allgegenwärtiges Merkmal des Konflikts. UN-Ermittler erkennen Merkmale von Völkermord.
Externe Einflüsse und Vermittlungsversuche
Der Bürgerkrieg wird auch durch externe Einflüsse verschärft: Die RSF erhält Unterstützung durch die Vereinigten Arabischen Emirate, während die Regierung von Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt wird. Die USA verhängten Anfang 2025 Sanktionen gegen ein Netzwerk von Unternehmen in den Emiraten, die Daglo und seiner Familie gehören. Vermittlungsversuche von außen blieben bislang erfolglos, da es nicht gelang, die Konfliktparteien an einen Verhandlungstisch zu bringen. Die sogenannte Quad-Gruppe mit den USA, Ägypten, Saudi-Arabien und den VAE verfolgt dabei auch eigene Interessen.
In den Nachbarländern des Sudan haben 4,5 Millionen Menschen Zuflucht gesucht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz berichtete kürzlich, allein in Khartum seien mehr als 20.000 Leichen geborgen und beigesetzt worden. Schätzungen gehen von deutlich mehr als 150.000 Toten aus, wobei die wahre Zahl aufgrund von Massakern und Massengräbern erst nach Kriegsende festgestellt werden kann.



