Castro-Enkel als geheime Verhandlungsfigur zwischen Havanna und Washington
US-Medien haben enthüllt, dass Raúl Guillermo Rodríguez Castro, der Enkel des ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro, in geheime Gespräche mit Vertretern der US-Regierung verwickelt ist. Der 40-Jährige, der auch als "El Cangrejo" bekannt ist, soll dabei als wichtige Verbindungsfigur zwischen den beiden historisch verfeindeten Nationen fungieren.
Die dritte Generation der Castros tritt in den Fokus
Überraschend rückt damit die dritte Generation der berühmten Castro-Familie in den Mittelpunkt vertraulicher diplomatischer Kontakte. Rodríguez Castro ist der Sohn von Déborah Castro Espín, einer Tochter Raúl Castros und Nichte des Revolutionsführers Fidel Castro. Er gilt als enger Vertrauter und Sicherheitschef seines 94-jährigen Großvaters, der laut US-Analysten weiterhin bedeutenden Einfluss auf die kubanische Politik ausübt.
Das Nachrichtenportal „Axios“ berichtet von direkten Treffen zwischen US-Außenminister Marco Rubio und dem Castro-Enkel. Diese Kontakte sollen bewusst an Kubas amtierenden Präsidenten Miguel Díaz-Canel vorbei geführt worden sein. Ein Regierungsvertreter erklärte gegenüber „Axios“, dass es sich bisher nicht um formelle Verhandlungen handle, sondern um Gespräche über mögliche Zukunftsszenarien für die sozialistische Karibikinsel.
Mehrere US-Medien bestätigen die Kontakte
Neben „Axios“ haben auch andere renommierte US-Medien über die ungewöhnlichen Kontakte berichtet:
- Die „Washington Post“ erwähnt Gespräche mit Personen aus dem direkten Umfeld von Raúl Castro, ohne jedoch namentlich auf den Enkel einzugehen.
- Die Associated Press beruft sich auf zwei US-Beamte, die bestätigen, dass Marco Rubio Rodríguez Castro am 25. Februar am Rande eines CARICOM-Treffens in St. Kitts getroffen habe.
- Das „Wall Street Journal“ schreibt vorsichtiger von Gesprächen zwischen dem Castro-Enkel und Rubios Team.
- Der „Miami Herald“ erwähnt ein Treffen mit einem engen Berater Rubios in einem Hotel nahe dem Gipfeltreffen.
Interessanterweise hat Außenminister Rubio diese Treffen bisher nicht offiziell bestätigt, was den geheimen Charakter der Kontakte unterstreicht. Die US-Medien sehen in Rodríguez Castro allerdings keinen potenziellen künftigen Präsidenten Kubas, sondern vielmehr eine Schlüsselfigur mit direktem Zugang zur einflussreichen Castro-Familie.
Familiäre Verbindungen und politischer Einfluss
Die Bedeutung des Castro-Enkels wird durch seine familiären Verbindungen und bisherigen Positionen deutlich. Sein bereits verstorbener Vater stand an der Spitze von GAESA, des mächtigen Militär-Wirtschaftskonzerns, der große Teile der kubanischen Wirtschaft kontrolliert. Diese Verbindungen machen Rodríguez Castro zu einer einzigartigen Figur in den aktuellen diplomatischen Manövern zwischen Washington und Havanna.
Die Gespräche markieren eine neue Phase in den Beziehungen zwischen den USA und Kuba, die seit der kubanischen Revolution 1959 von Spannungen geprägt waren. Während Fidel Castro das Land über Jahrzehnte prägte und sein Bruder Raúl später die Staatsführung übernahm, könnte nun die dritte Generation der Familie eine Brückenfunktion in schwierigen Zeiten übernehmen.



