Chinas diplomatische Offensive unter Trump: Chancen und Grenzen der globalen Einflussnahme
Chinas globale Rolle unter Trump: Chancen und Grenzen

Chinas diplomatische Offensive unter Trump: Chancen und Grenzen der globalen Einflussnahme

Seit Donald Trump erneut im Weißen Haus regiert, verfolgt Peking eine gezielte Strategie, sich international als stabilere und berechenbarere Alternative zu den Vereinigten Staaten zu positionieren. Während Washington mit einem konfrontativen Kurs aus Zöllen, Sanktionen und militärischem Druck auftritt, inszeniert sich China als verlässliche Großmacht, die auf Kooperation und Stabilität setzt. Diese geopolitische Dynamik eröffnet Peking neue Möglichkeiten, insbesondere im Wettbewerb um Einfluss im Globalen Süden.

Propaganda-Gold aus Washington

Die aggressive Rhetorik der Trump-Regierung erweist sich für China als wahres Propaganda-Gold, wie Helena Legarda vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin betont. Viele Länder des Globalen Südens stehen der amerikanischen Außenpolitik ohnehin skeptisch gegenüber, was es Peking erleichtert, seine eigene Botschaft zu platzieren. Während des jüngsten Volkskongresses in Peking nutzte Außenminister Wang Yi diese Gelegenheit, um für Partnerschaften mit Europa und dem Globalen Süden zu werben. Er argumentierte, dass gegenseitige Abhängigkeit kein Risiko darstelle und offene Zusammenarbeit die wirtschaftliche Sicherheit nicht untergrabe.

„Mit Mauern und Barrieren isoliere man sich nur selbst“, erklärte Wang Yi bei einer Pressekonferenz und positionierte China damit bewusst als Gegenmodell zu Trumps protektionistischer Politik.

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Westliche Annäherungen an Peking

Das geopolitische Umfeld scheint derzeit teilweise günstiger für China als noch vor wenigen Jahren. Mehrere westliche Regierungschefs haben in schneller Abfolge den Dialog mit Peking gesucht, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Kanadas Premierminister Mark Carney, der britische Regierungschef Keir Starmer und Bundeskanzler Friedrich Merz. Diese Treffen vermitteln das Bild, dass China gerade wegen wachsender Spannungen mit den USA für Europa wieder zu einem zentralen Gesprächspartner wird.

Gunnar Wiegand von der Denkfabrik German Marshall Fund sieht China in einer relativ starken Position: „Die globale Position Chinas hat sich weiter gestärkt“. Peking könne sich international sowohl als dynamische Hightech-Wirtschaft präsentieren als auch als berechenbarer Partner, der sich zu einer stabilen Weltordnung bekenne.

Rückschläge in Venezuela und Iran

Doch der Blick auf die jüngsten globalen Krisenherde zeigt deutlich die Grenzen von Chinas Einfluss. Sowohl Venezuela als auch der Iran gelten als wichtige Partner Pekings, stehen aber unter starkem Druck aus Washington. Die US-Schläge gegen diese Staaten beschädigen, wie die in Hongkong arbeitende Ökonomin Alicia García-Herrero analysiert, „Chinas breitere Interessen“. China bezieht große Mengen Öl aus dem Iran und dem Nahen Osten, doch der US-Angriff macht sichtbar, wie begrenzt Pekings Möglichkeiten sind, seine Partner zu schützen.

Außenminister Wang Yi kritisierte die Angriffe zwar scharf und forderte ein Ende des Krieges, doch konkrete Maßnahmen oder Unterstützung für den Iran kündigte er nicht an. „Dies ist ein Krieg, der nie hätte passieren dürfen“, sagte Wang, ohne jedoch praktische Schritte zur Konfliktlösung zu benennen.

Das Dilemma des Globalen Südens

Für viele Staaten im Globalen Süden entsteht daraus ein ernsthaftes Dilemma. Einerseits wird China zunehmend als wirtschaftlicher Partner gesucht und gewinnt diplomatisch an Einfluss. Andererseits bleiben die USA im Bereich der Sicherheit weiterhin die dominante Macht. Diese Diskrepanz führt bei manchen Regierungen zu der berechtigten Frage, ob China ihnen wirklich helfen würde, wenn es darauf ankommt.

Expertin Helena Legarda warnt zudem vor langfristigen strategischen Zielen Pekings: „Peking nähert sich einem seiner langfristigen strategischen Ziele, Europa und die USA zu spalten, insbesondere in Bezug auf die China-Politik“.

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Innere Zweifel und wirtschaftliche Belastungen

Auch innerhalb Chinas selbst gibt es Zweifel an der Stabilität der geopolitischen Position des Landes. Der Pekinger Politikwissenschaftler Shi Yinhong von der Volksuniversität Peking sieht die Entwicklung skeptisch und stellt fest, dass sich Pekings geopolitische Situation mit Trump im Weißen Haus „offensichtlich verschlechtert“ habe. Dafür macht er auch wirtschaftliche Probleme im eigenen Land verantwortlich.

Die US-Zölle belasten chinesische Exportunternehmen erheblich, auch wenn viele von ihnen neue Märkte erschließen. Gleichzeitig leiden chinesische Tech-Firmen weiter unter eingeschränktem Zugang zu US-Chips, was die technologische Entwicklung behindert. In militärischen Fragen bleiben die USA China deutlich überlegen, was die asymmetrische Machtverteilung zwischen beiden Nationen unterstreicht.

Das Gesamtbild bleibt somit widersprüchlich: Während enge Partner Pekings lernen, dass sie in Konflikten nicht unbedingt auf chinesische Unterstützung zählen können, nähern sich andere Staaten gerade wegen Trumps Politik Peking an. Chinas diplomatische Offensive unter Trump eröffnet somit zwar neue Möglichkeiten, stößt aber an deutliche Grenzen, wenn es um konkrete Machtprojektion und Schutz von Partnern geht.