Eilat im Schatten des Iran-Konflikts: Israelis zwischen Flucht und Kriegsunterstützung
Eilat im Iran-Konflikt: Israelis zwischen Flucht und Kriegsunterstützung

Eilat: Vom Urlaubsparadies zum Schauplatz des Iran-Konflikts

Eilat, Israels südlichste Hafenstadt am Roten Meer, war lange das Sehnsuchtsziel für Touristen aus dem Norden. Geografisch eingebettet zwischen Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien, lockte die Stadt mit ihrem ganzjährig warmen Klima, dem beeindruckenden Korallenriff für Taucher, langen Sandstränden und der Möglichkeit, Delfine im Dolphin Reef zu beobachten. Doch diese Idylle bröckelt zusehends unter den Auswirkungen des militärischen Konflikts zwischen Israel und dem Iran.

Tourismus als Lebensader in der Krise

Trotz der eskalierenden Sicherheitslage kommen noch immer einige Israelis in den Urlaubsort, in der Hoffnung, hier zumindest vorübergehend Ruhe zu finden. Denn im Vergleich zu vielen Regionen im Zentrum des Landes ist Eilat bisher seltener von Raketenalarmen betroffen. Am Strand zeigt sich jedoch ein deutliches Bild des Niedergangs: Wo einst dicht an dicht Liegestühle standen, herrscht heute Leere. Der Tourismus, die wirtschaftliche Lebensader der Stadt, ist massiv eingebrochen.

Die israelische Hafenstadt steckt aufgrund der Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz aus dem Jemen in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Bereits im Jahr 2025 gab es wiederholt Drohnen-Attacken auf Eilat, bei einem Angriff im September 2025 wurden 22 Menschen verletzt. Seit der jüngsten Eskalation mit dem Iran haben weitere große Hotels ihren Betrieb eingestellt, zahlreiche Geschäfte mussten schließen.

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Zwei Perspektiven auf den Krieg

Der Musiker Gal (35) und seine Freundin Noam (25) aus Tel Aviv gehören zu den wenigen Strandbesuchern. Sie sind mit ihrer Hündin Mona vor dem sogenannten Ayatollah-Terror geflohen und haben eine Unterkunft über AirBnB gemietet. Das Paar liegt fast allein im Sand und empfindet den Krieg als falsch. „Ich glaube nicht an Kriege, ich glaube nicht daran, dass es gut ist, Menschen zu töten“, sagt der Musiker. Zwar räumt er ein, dass die Lage mit dem Iran komplex sei, aber „Krieg ist es bestimmt nicht“. Seine Freundin ergänzt: „Wir wollen, dass es bald vorbei ist und wir wieder nach Hause können.“ Für sie ist Eilat ein vorübergehender Rückzugsort.

Ganz anders sehen das Michael (60) und sein Sohn Itamar (25). Die beiden hatten ihren Eilat-Urlaub schon lange im Voraus gebucht und sind aus Tel Aviv angereist. „Das ist ein sehr wichtiger Krieg – für Israel und für die ganze freie Welt“, betont Itamar. Man habe die wachsende Macht Irans nicht länger ignorieren können. „Die morden doch ihr eigenes Volk“, sagt er mit Blick auf die Führung in Teheran und fügt hinzu: „Wir haben das gemacht, wovor viele Angst hatten. Und die wollten auch noch Atombomben bauen. Wenn die Mullahs die bekommen hätten, wäre es vorbei gewesen. Und auch die Iraner können jetzt vielleicht ihre Freiheit bekommen.“

Optimismus und historische Belastung

Sein Vater Michael, der als Anwalt arbeitet, stimmt ihm zu. „In zwei Wochen ist das alles vorbei, ich bin Optimist“, erklärt er. „Die Ayatollahs sitzen uns seit fast 50 Jahren im Nacken.“ Eine Sache habe ihn dennoch überrascht: die aus seiner Sicht begrenzte militärische Reaktion Irans. „Unsere Flugzeuge fliegen dort, als wäre es der Dizengoff-Platz“, sagt er in Anspielung auf den zentralen Platz in Tel Aviv.

Die Sicherheitslage in Eilat bleibt angespannt. Aufgrund der Terrorgefahr müssen Soldaten und Polizisten der israelischen Grenzpolizei ihre Waffen im Dienst stets bei sich tragen. Sie werden sogar ermutigt, dies auch in der Freizeit zu tun, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können.

Gesellschaftliche Spaltung in der Kriegsfrage

Umfragen zeigen eine deutliche Kluft in der israelischen Gesellschaft bezüglich des militärischen Vorgehens. Während unter jüdischen Israelis eine überwältigende Mehrheit von rund 90 Prozent die Maßnahmen unterstützt, stehen arabische Staatsbürger Israels dem Einsatz deutlich skeptischer gegenüber. In dieser Bevölkerungsgruppe liegt die Zustimmungsrate bei unter 30 Prozent.

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Eilat, einst ein Symbol für Entspannung und Urlaubsfreude, steht heute exemplarisch für die tiefgreifenden Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Israels Gesellschaft und Wirtschaft. Die Stadt kämpft nicht nur mit den unmittelbaren Sicherheitsbedrohungen, sondern auch mit den langfristigen Folgen eines eingebrochenen Tourismus und einer gespaltenen öffentlichen Meinung.