EU-Rat mahnt Afghanistan und Pakistan zur Besonnenheit
In einer dringlichen Stellungnahme hat der Rat der Europäischen Union alle beteiligten Akteure im eskalierenden Grenzkonflikt zwischen Afghanistan und Pakistan zu einer sofortigen Deeskalation aufgerufen. Die EU fordert die Einstellung aller Feindseligkeiten und warnt eindringlich vor den potenziell schwerwiegenden Folgen der Gewalt für die gesamte Region.
Klarer Appell aus Brüssel
Der EU-Rat betonte in seiner offiziellen Erklärung, dass afghanisches Hoheitsgebiet nicht zur Bedrohung oder zum Angriff auf andere Länder genutzt werden dürfe. Gleichzeitig forderte die Europäische Union die afghanischen Machthaber nachdrücklich auf, wirksame Maßnahmen gegen alle terroristischen Gruppen zu ergreifen, die von Afghanistan aus operieren.
„Wir fordern beide Seiten nachdrücklich auf, in einen konstruktiven Dialog zu treten“, heißt es in der Mitteilung aus Brüssel. Der Rat unterstrich die Notwendigkeit der Einhaltung des Völkerrechts durch alle Konfliktparteien und den besonderen Schutz der Zivilbevölkerung in den betroffenen Gebieten.
Eskalation der Gewalt
Die Situation an der afghanisch-pakistanischen Grenze hat sich in den vergangenen Tagen dramatisch zugespitzt. Nach afghanischen Angriffen auf pakistanische Stellungen im Grenzgebiet am Donnerstagabend reagierte Islamabad am Freitag mit Luftangriffen auf die beiden größten afghanischen Städte, Kabul und Kandahar. Beide Konfliktparteien meldeten dabei Tote und Verletzte unter ihren Streitkräften und in der Zivilbevölkerung.
Die in Kabul regierenden islamistischen Taliban pochten nach den pakistanischen Luftangriffen erneut auf eine friedliche Lösung durch Dialog, während Pakistan klare Forderungen an Afghanistan stellte, damit die Kämpfe eingestellt würden. Die pakistanische Regierung verlangt konkrete Maßnahmen gegen mutmaßliche Terroristen, die von afghanischem Territorium aus operieren sollen.
Hintergrund des Konflikts
Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten haben sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verschlechtert. Pakistan wirft Afghanistan vor, Terroristen zu beherbergen, die von afghanischem Boden aus Anschläge in Pakistan verüben. Die afghanischen Machthaber bestreiten diese Vorwürfe vehement und weisen jede Verantwortung für solche Aktivitäten zurück.
Der Grenzkonflikt flammt regelmäßig in Form direkter militärischer Konfrontationen auf, gefolgt von kurzen Phasen relativer Ruhe. Bereits im vergangenen Herbst waren Vermittlungsbemühungen für einen nachhaltigen Frieden nach intensiven Gefechten und gegenseitigen Angriffen gescheitert. Die aktuelle Eskalation stellt die schwerste Krise in den bilateralen Beziehungen seit mehreren Monaten dar und lässt internationale Beobachter um die Stabilität der gesamten Region fürchten.



