Evakuierungsflug aus Golf-Region bringt über 250 Deutsche in Sicherheit
Ein Sonderflug der Lufthansa hat in den frühen Morgenstunden mehr als 250 deutsche Staatsbürger aus der Golfregion nach Deutschland zurückgebracht. Die Maschine mit der Flugnummer LH345 landete nach einer Flugzeit von acht Stunden und 14 Minuten um 7.39 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen. Der Evakuierungsflieger war in der Nacht zuvor in Maskat, der Hauptstadt des Oman, gestartet.
Familie aus Mannheim zahlt 1000 Euro für lebensgefährliche Fahrt
Unter den Passagieren befand sich die Familie Yertan aus Mannheim in Baden-Württemberg. Danyal Yertan (35), seine Ehefrau Dominique Ritze-Yertan und ihre vierjährige Tochter Elisa waren während ihres Urlaubs in Abu Dhabi in kriegerische Auseinandersetzungen geraten. „Schon auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel ist es mit den Raketen losgegangen“, berichtet der Vater. Ihr Hotel lag in unmittelbarer Nähe einer Militärbasis.
Die Familie beschrieb dramatische Szenen: „Man kann sich dann nur im Hotelzimmer verschanzen, die Vorhänge zuziehen und beten. Die Angriffe kamen in Wellen, alles hat gewackelt. Wir haben die Explosionen gehört und gesehen und die Luftabwehr gehört.“ Um ihre Tochter zu schützen, setzten sie ihr Kopfhörer auf, um die Anspannung zu verbergen.
Die selbst organisierte Flucht in den Oman dauerte acht statt der üblichen vier Stunden – und kostete die Familie 1000 Euro. „Aber die 1000 Euro sind egal. Hauptsache, wir sind mit dem Kind in Sicherheit“, so Danyal Yertan.
Weitere Schicksale an Bord des Evakuierungsfliegers
Neben der Familie Yertan befanden sich zahlreiche weitere Deutsche an Bord:
- Selina (33) und Kevin Zänger (44) aus dem Saarland reisten mit ihren kleinen Kindern. Obwohl sie sich im Oman nicht in unmittelbarer Gefahr befanden, wollten sie aus Sicherheitsgründen zurück nach Deutschland.
- Christa Koberstaedt (75) aus Karlsruhe war vor allem um ihren 75-jährigen Mann besorgt, der dringend Medikamente benötigte. Die Familie stand deshalb auf der Evakuierungsliste des Auswärtigen Amtes.
- Trixi (66) und Volker Riedel (70) aus Lindau in Bayern berichteten von der großen Ungewissheit während ihres Aufenthalts in Abu Dhabi.
- Carl Wagener (24) und Lea Möller (22) aus Siegen in Nordrhein-Westfalen hatten in Dubai Raketenalarm erlebt und eine Nacht bis fünf Uhr morgens in der Hoteltiefgarage verbracht.
Evakuierungsflieger war nicht vollständig ausgebucht
Mehrere Passagiere berichteten, dass der Airbus A340-300 mit bis zu 279 Plätzen nicht vollständig belegt war. In Maskat hätten noch verzweifelte deutsche Urlauber versucht, auf den Flug zu gelangen, da offenbar Plätze frei geblieben waren. Einige konnten in letzter Minute noch mitreisen.
Interessanterweise befand sich neben den prioritär ausgeflogenen Personengruppen – Alte, Kranke, Schwache, Schwangere und Kinder – auch eine Hockeymannschaft des Deutschen Hockeybundes (DHB) an Bord. Die jungen Erwachsenen in Trikots mit Bundesadler wollten sich auf Nachfragen nicht äußern und eilten stattdessen zu ihren Anschlusszügen.
Bundesregierung plant weitere Evakuierungsflüge
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte bereits zwei weitere Evakuierungsflüge für Donnerstag und Freitag an. Der Minister betonte in einem Interview mit WELT TV, dass mit dem Sonderflug LH345 besonders schutzbedürftige Menschen, die von der Bundesregierung ausgewählt wurden, nach Hause gebracht werden sollten.
Die Passagiere des ersten Evakuierungsfluges zeigten sich nach der Landung in Frankfurt erleichtert und dankbar. Christa Koberstaedt brachte es auf den Punkt: „Wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir zurück in Deutschland sind, und bedanken uns ausdrücklich beim Auswärtigen Amt.“



