Europäische Staaten bestätigen Vergiftung von Alexej Nawalny
Zwei Jahre nach dem Tod des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny in einem Straflager am Polarkreis liegen nun eindeutige Beweise für eine gezielte Vergiftung vor. Nach SPIEGEL-Informationen wurde in Gewebeproben von Nawalnys Leiche das hochtoxische Gift Epibatidin nachgewiesen. Dieser Stoff kommt natürlicherweise in Pfeilgiftfröschen vor und wirkt bereits in minimalen Dosen tödlich.
Heimliche Probenentnahme und internationale Untersuchungen
Die entscheidenden Gewebeproben wurden offenbar heimlich von Nawalnys Leiche entnommen und aus Russland in westliche Labore geschmuggelt. Dort führten Wissenschaftler in mehreren europäischen Staaten unabhängige Analysen durch, die alle zum selben Ergebnis kamen: Alexej Nawalny wurde mit Epibatidin vergiftet.
Fünf europäische Staaten – Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden und die Niederlande – planen an diesem Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eine gemeinsame Erklärung zu veröffentlichen. Darin machen sie Russland und damit direkt Präsident Wladimir Putin für den Tod Nawalnys verantwortlich.
Russische Todesursachen-Behauptungen widerlegt
Russische Ermittler hatten nach Nawalnys Tod im Februar 2024 eine »Kombination von Krankheiten« als Todesursache des damals 47-Jährigen angegeben. Diese Darstellung wurde international von Anfang an stark bezweifelt. Die nun vorliegenden toxikologischen Befunde widerlegen die offizielle russische Version eindeutig.
In ihrer geplanten Erklärung argumentieren die fünf europäischen Staaten, dass nur der Kreml und seine Geheimdienste die Möglichkeit gehabt hätten, Nawalny in dem Hochsicherheitsgefängnis zu vergiften. Zudem habe ausschließlich der Kreml ein Motiv besessen, den prominenten Putin-Kritiker gewaltsam zum Schweigen zu bringen.
Historischer Kontext und internationale Reaktionen
Bereits im vergangenen Jahr hatte Julija Nawalnaja, die Witwe des Oppositionellen, Vergiftungsvorwürfe gegen Russland erhoben und sich auf »ausländische Laborbefunde« berufen. Welches Gift damals konkret nachgewiesen worden war, hatte sie nicht mitgeteilt, jedoch die Veröffentlichung aller Untersuchungsergebnisse gefordert.
Die fünf Staaten wollen sich mit ihren Erkenntnissen zudem an die Chemiewaffen-Verbotsorganisation OPCW wenden. Sie werfen Russland vor, entgegen internationaler Abkommen seine Chemiewaffen nicht vernichtet zu haben. Die Verkündung der neuen Beweise soll auch ein symbolisches Signal senden – insbesondere an die Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz, die vor zwei Jahren vom Tod Nawalnys schockiert waren.
Dies ist nicht der erste Vergiftungsfall mit russischem Hintergrund: 2018 starb die Britin Dawn Sturgess durch das Nervengift Nowitschok, das ursprünglich für den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal bestimmt war. 2020 überlebte Alexej Nawalny einen Nowitschok-Anschlag nur dank der Behandlung durch Ärzte der Berliner Charité.
Die neuen Erkenntnisse bestätigen nun endgültig, dass der russische Staat systematisch gegen seine Kritiker vorgeht und dabei vor tödlichen Mitteln nicht zurückschreckt. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, auf diese gravierenden Menschenrechtsverletzungen angemessen zu reagieren.



