Grüne fordern von Kanzler Merz klare Worte bei China-Reise
Die Grünen haben Bundeskanzler Friedrich Merz aufgefordert, bei seinem zweitägigen Antrittsbesuch in China deutliche Positionen zu vertreten. Die Co-Vorsitzende der Partei, Franziska Brantner, verlangt in einem Gespräch mit dem SPIEGEL, dass Merz in Peking Klartext reden müsse. "Wer Deutschland vertritt, muss beides einfordern – Fairness im Handel und Respekt vor den grundlegenden Menschenrechten und der europäischen Friedensordnung", erklärte Brantner.
Widersprüchliche Erwartungen an die Reise
Die Erwartungen an die China-Reise des Kanzlers sind groß und zugleich widersprüchlich. Während die deutsche Automobilbranche China als wichtigen Produktions- und Absatzmarkt nicht verlieren will, fordern andere Wirtschaftsbereiche härtere Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken der Volksrepublik. Merz wird von einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation begleitet, was die Bedeutung der handelspolitischen Gespräche unterstreicht.
Brantner kritisierte, dass China den Wettbewerb systematisch verzerre. Europäische Unternehmen würden in vielen Sektoren, insbesondere im Gesundheitsbereich, weitgehend vom öffentlichen Markt ausgeschlossen. Gleichzeitig nähmen chinesische Firmen in der Europäischen Union selbstverständlich an öffentlichen Vergaben teil. "Herr Merz muss deutlich machen: Es braucht fairen Wettbewerb", forderte die Grünen-Politikerin. "Wer unsere Offenheit nutzt, muss seine Märkte ebenfalls öffnen. Sonst sind auch wir gezwungen, unseren Markt vor China zu schützen."
Menschenrechte und Ukraine-Krieg als weitere Themen
Die Reise des Bundeskanzlers wird zudem vom Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine überschattet, der sich zum vierten Mal jährt. Brantner erwartet, dass Merz sowohl die Menschenrechtslage in China als auch die Rolle des Landes im Angriffskrieg gegen die Ukraine offensiv anspricht. Die Grünen-Vorsitzende betonte die Notwendigkeit, diese sensiblen Themen nicht auszusparen, sondern aktiv in die Gespräche mit Chinas Staatschef Xi Jinping einzubringen.
Die Forderungen der Grünen spiegeln die zunehmenden Spannungen im deutsch-chinesischen Verhältnis wider, die durch verschiedene Faktoren geprägt sind:
- Unfaire Handelspraktiken und Marktzugangsbeschränkungen
- Menschenrechtsverstöße in verschiedenen Regionen Chinas
- Chinas Unterstützung für Russlands Krieg in der Ukraine
- Systematische Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten europäischer Unternehmen
Die Reise von Friedrich Merz nach China stellt somit eine diplomatische Herausforderung dar, bei der wirtschaftliche Interessen mit politischen Prinzipien in Einklang gebracht werden müssen. Die Erwartungen der Grünen zeigen, dass eine reine Wirtschaftsdiplomatie ohne klare menschenrechtliche und geopolitische Positionierungen in der deutschen Politik zunehmend auf Kritik stößt.



